NZZ-Gruppe: Preiserhöhung, Online-Kostenpflicht und Expansionsgelüste

Die Werbeeinahmen der «Neuen Zürcher Zeitung» sind im 1. Quartal 2009 im Vergleich zur Vorjahresperiode um rund 30 Prozent eingebrochen. Dies gab Albert P. Stäheli, CEO der NZZ-Gruppe, in einem Interview mit der «Handelszeitung» bekannt. Die «NZZ» sei deshalb bestrebt, ihre Abhängigkeit vom Werbemarkt zu reduzieren, so zum Beispiel über eine «überdurchschnittliche» Anpassung der Abopreise.

Ein nachvollziehbares, aber dennoch heikles Unterfangen, wird man die vermutlich nicht ganz unbedeutende Zahl an Abonnenten, die die «NZZ» als Zweit-Zeitung beziehen, doch nicht verlieren wollen.

Geprüft wird laut Stäheli – Surprise, Surprise! – auch die Einführung kostenpflichtiger Online-Angebote, denn immer noch stünden im Internetbereich einem Aufwand von 10 Mio. Franken Einnahmen von 7 Mio. Franken gegenüber:

    «Es wird Experimentieren und Erklärungsaufwand brauchen, um herauszufinden, für welche Angebote und Services die Nutzer bereit sind zu bezahlen. Es gibt eine interessante Regel im Online-Geschäft: Je weniger Leute an einem bestimmten Inhalt interessiert sind, umso mehr sind sie bereit, dafür zu bezahlen. Damit ist auch klar, dass die allgemeinen News im Internet gratis bleiben werden. Bei Finanzdienstleistungen, spezifischen Wirtschaftsthemen und Kommentaren von exzellenten Autoren ist eine Veränderung aber denkbar.»

Ob der «NZZ»-CEO da die Ausstrahlung seines Flaggschiffs – bei allem Respekt vor den exzellenten Autoren – und das Potenzial an zahlungsbereiten Usern möglicherweise nicht etwas überschätzt? Denn merke: Market size matters! Andererseits: Auch Kleinvieh macht natürlich Mist.

Auch in schwierigen Zeiten kann sich Stäheli jedoch eine Expansion der NZZ-Gruppe durchaus vorstellen. So tut er im Interview mit der «Handelszeitung» etwa sein Interesse am Aktienpaket kund, das die Publigroupe an den Basler Zeitung Medien hält («Daran wären wir interessiert, sofern die Mehrheitsbesitzerin, die Familie Hagemann, das ebenfalls so sieht.»). Und auch eine Kooperation mit der Südostschweiz Mediengruppe und/oder den AZ Medien («Aargauer Zeitung» etc.) hält Stäheli nicht für ausgeschlossen:

    «Ohne Kooperation wird kein Zeitungsverlag überleben können. […]Im Moment redet jeder mit jedem. Vor dem Hintergrund, dass die Tamedia Edipresse übernimmt, ist die NZZ-Gruppe in die Rolle eines interessanten Kooperationspartners gekommen. Und Kooperationen bieten interessantes Sparpotenzial, sei es in den Services, im redaktionellen Mantelbereich oder im Druckbereich, wo es in nächster Zeit zunehmend Überkapazitäten geben wird.»
von Martin Hitz | Kategorie: Sparschwein

5 Bemerkungen zu «NZZ-Gruppe: Preiserhöhung, Online-Kostenpflicht und Expansionsgelüste»

  1. mds:

    Die NZZ wird mich als Abonnent verlieren, mangels Onlineausgabe … für eine Onlineausgabe würde ich gerne bezahlen – aber eben für eine Onlineausgabe, nicht die gedruckte Fassung per «NZZ Global». Und natürlich nicht zum Preis der gedruckten Zeitung inklusive Frühzustellung …

  2. @mds: das solls ja angeblich werden: eine Onlineausgabe, für die man bezahlen muss. NZZ-Global hat damit, so wie ich das sehe, gar nichts zu tun.

    Für mich als Abonnent der gedruckten Ausgabe stellt sich bislang immer öfters die Frage, weshalb ich für diese Artikel bezahle, wenn ich sie schon einen Tag früher(!) im Internet gratis lesen kann?

  3. man mag nicht so recht daran glauben, dass das funktioniert. auch staune ich sehr, dass diese website 10 mio. im jahr kosten soll – kann das mal jemand aufdröseln?

    und man wird den eindruck nicht los, dass sie noch immer nicht recht wissen, was sie tun resp. wie das netz tickt. weiss jemand, ob herr stähli seine mails selber abholt oder ob er sie von der sekretärin ausdrucken lässt?

  4. Bobby California:

    Alter Onkel > Diese Frage stellt sich tatsächlich immer dringender, auch wenn dies die Anhänger der Gratismentalität nicht gern hören. Deshalb ist es nur logisch, dass die NZZ jetzt über kostenpflichtige Online-Angebote nachdenkt.

    Bugsierer > Sie sollten sich für den Posten des CEO eines Medienhauses bewerben. Wenn Sie genau wissen, wie man den Internet-Auftritt einer Tageszeitung für den Preis eines Wurstbrotes und mit einer traumhaften Rendite betreiben kann, dann sind Sie sicher ein gefragter Mann… Spass beiseite: es ist einfacher, Hernn Stäheli mit Häme zu überschütten, als selber Verantwortung zu übernehmen.

  5. Drummer:

    Ich verstehe das Dilemma der NZZ; mein Dilemma ist, dass ich ein beschränktes Budget (an Zeit und Geld) habe – wie so viele Zeitungsleser. Das Abonnement ist jetzt schon teuer genug. Mehr werde ich vermutlich nicht zahlen.

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