Wo liegen künftig die Kernkompetenzen des «Tages-Anzeigers»?
- «Wie uns Co-Chefredaktor Res Strehle kürzlich vorrechnete, wird der ‹Tages-Anzeiger› nach der neuesten Sparrunde noch 180 Vollstellen aufweisen, damit also ziemlich genau einer gut dotierten Redaktion entsprechen. Was derzeit in der Medienszene und in der Öffentlichkeit rüberkommt, ist aber etwas ganz anderes. Journalistikprofessoren, Medienredaktoren und andere Experten warnen davor, die Zeitungen kaputt zu sparen. Die Kürzungsrunde beim «Tages-Anzeiger» gilt als Anschlag auf die journalistische Qualität»,
Ein Blick auf die Liste mit den Namen der Entlassenen lässt an dieser Einschätzung nun aber Zweifel aufkommen.
Vom Stellenabbau besonders betroffen ist nämlich einerseits die Regional- und Lokalberichterstattung, eine der Kernkompetenzen - und ein Stück weit auch USP - des «Tages-Anzeigers» und ein Gebiet, «wo auch das Internet seine grossen Lücken hat», wie Andrea Masüger in der erwähnten Kolumne richtigerweise schreibt.
Auffallend viele Kündigungen betreffen andererseits aber auch das Auslandskorrespondentennetz und damit die Auslandsberichterstattung, ein für die international stark vernetzte Schweiz bedeutender und letztlich auch dem publizistischen Prestige dienlicher Bereich.
Korrespondentenstellen werden zum Beispiel in Rom, Moskau, Berlin, London, Paris und New York abgebaut. Besonders gross ist der Aderlass des «Tages-Anzeiger» (und des «Bunds») auch im nicht ganz unbedeutenden Nahen Osten, wie der dortige Korrespondent des Schweizer Fernsehens, André Marty, in seinem Weblog aufzeigt:
- Tages-Anzeiger-Israel-Korrespondentin Marlène Schnieper: Ende 2008 gekündigt
- Tages-Anzeiger-Nahost-Korrespondentin Astrid Frefel: Soeben gekündigt
- Tages-Anzeiger-Nahost-Kommentatorin Claudia Kühner: Soeben frühpensioniert
- Tages-Anzeiger-Nahost-Kommentator Ignaz Staub: Soeben gekündigt
- Bund-Auslandsredaktorin und Nahost-Kommentatorin Barbara Engel: Soeben gekündigt
- Bund-Gesellschaftsredaktor mit Israel-Faible Daniel Goldstein: Soeben frühpensioniert
Braucht es deshalb aber wirklich schon wieder eine Unterschriftensammlung – nach «Rettet den Bund» nun auch «Rettet den Tagi»? Für die UBS ist schliesslich auch niemand auf die Strasse gegangen. Wobei: Dort hat eine(?) Unterschrift, nämlich jene von Bundesrat Merz, auch bereits gereicht.
P.S.: Übrigens sind die Pensen beim «Tagi» nicht ausschliesslich gekürzt worden. Auch Pensenerhöhungen - bei gleichzeitiger Lohnkürzung! - sollen vorgekommen sein, wie aus gut unterrichteter Quelle verlautet.
Bemerkungen
Es ist schon ein enormer Brain drain, der hier stattfindet. Mit Wissen, Kontaktnetzen, Erfahrungen, Background geht man beim "Tages-Anzeiger" erstaunlich locker um.
Natürlich taucht das Wegdriften von Brain und Knowhow in keiner Bilanz auf. Aber es wird fehlen und kann nicht einfach wieder ersetzt werden. Und der Leser wird das merken. Der merkt viel mehr, als Journalisten generell ahnen.
Beispiel Deutschland: Sascha Buchbinder war jahrelang Berlin-Korrespondent im für die Schweiz mit Abstand wichtigsten Land, hat sich enormes Wissen und ein Kontaktnetzt aufgebaut, ist in der Lage Entwicklungen, Personen , Unternehmen aus der Nähe zu beurteilen, was gerade in der Zentrale wichtig wäre.
Nach Auslandeinsätzen zurückkehrende Journalisten sind für jede Redaktion ein substanzieller Gewinn, der sich natürlich nicht in Zahlen ausdrücken lässt. Das ist gerade in einem Land wichtig, dass sich dermassen schwer mit unmittelbaren Nachbarn tut und das kein "erwachsenes" Verhältnis zur EU findet.
Das alles sind im Journalismus häufig unterschätzte Soft factors, die, addiert, harte Fakten ergeben.
Deutschland kann man nicht einfach von aussen nebenher miterledigen, in dem man ein bisschen Fernseh guck, herumgooglet, Zeitungen studiert und Agenturen umschreibt. Das ist ein grosser Irrtum, das gilt erst recht für den Nahe und Mittleren Osten, aber auch für Frankreich.
Und erfahrungsgemäss sind Journalisten in Zürcher Redaktionen ausserdem nicht wahnsinnig reisefreudig. Oft fehlt die Zeit und vielen ist es schlicht zu mühsam. Der Brain drain lässt sich also nicht ohne weiteres kompensieren.
Natürlich kann man in Kooperation mit andern Zeitungen - etwa der "Süddeutschen" - vieles auffangen. Das ist ja auch nicht dumm.
Aber wenn der "Tagi" wirklich seine Deutschland- und Frankreichbüros schliessen sollte - die Informationen sind noch widersprüchlich - hätte er einen K n all.
Eine Zeitung die mehr sein will als eine grössere Regionalzeitung, kann sich sowas nicht leisten, auch wenn's zunächst billiger ist.
Auf alle Fälle müsste hierzu eine substanzielle und konzeptionelle Erklärung der Chefredaktion erfolgen. Jetzt.
Von: Fred David am 10.06.09 17:29
Posted on 10.06.09 17:29
Natürlich gehe ich nicht für die UBS auf die Strasse, denn diese Bank nützt mir nichts. Beim Tagi sieht das schon anders aus.
Zu Herrn Masügers These, wonach der Tagi bisher ein überdotierter Haufen von faulen Säcken war oder gewesen sein könnte, habe ich mich schon geäussert.
Fest steht: Wenn der K(n)all-Schlag im gleichen Stil weitergeht, dann könnte dem einen oder anderen Blogger das selbstgefällige Grinsen emänd noch vergehen – weil es dann plötzlich nichts mehr zu «schreddern» gibt.
Von: Bobby am 10.06.09 19:14
Posted on 10.06.09 19:14
Come on Bobby, irgendwas wird mir schon einfallen. Im übrigen bin ich fleissig am Unterschriften sammeln, das solltest Du mir auch mal anrechnen.
Von: Ugugu am 10.06.09 21:52
Posted on 10.06.09 21:52
Natürlich schade der Abbau, ..aber hat jemand wirklich den Tagesanzeiger wegen seiner Auslandsberichterstattung gelesen?
- bis ich nach Zürich gezogen bin hab ich vom tagesanzeiger noch nicht mal was gehört, und das als Zeitungsjunkie. Und auch seitdem hab ich ihn erster Linie als Regionalzeitung wahrgenommen...
Von: Mara am 11.06.09 12:13
Posted on 11.06.09 12:13
Heute gab es im Tagi gaaaanz viele "Korrekturen".
Zufall?
Von: Lolo am 11.06.09 15:51
Posted on 11.06.09 15:51
@) Mara: Naja, der Anspruch des "Tagi" war schon mal ein ganz anderer.
In der Konsequenz gibt es heute nur noch zwei Schweizer Tageszeitungen mit nationalem Anspruch und internationaler Ausstrahlung: die "NZZ" (die ideologisch festgelegt ist) und der "Blick" (der boulevardmässig festgelegt ist), wobei beide auch noch sehr stark Züri-lokal orientiert sind.
Politisch ist diese Entwicklung für ein Land wie die Schweiz verheerend. Das greift unmittelbar in die Substanz der direkten Demokratie. Und macht ausserdem das Land noch einen Schritt nabelfixierter und bünzliger
Solche Dinge haben eben nicht nur eine marktwirtschaftliche Komponente.
Aber es scheint niemanden gross zu beunruhigen.
Von: Fred David am 11.06.09 16:43
Posted on 11.06.09 16:43
Mara > Ich habe den Tagi nicht nur, aber auch wegen seiner Auslandberichterstattung gelesen. Ich habe bisher nie kapiert, warum die Auslandberichterstattung der NZZ so viel besser sein soll. Der Tagi hat(te) einige sehr fähige Auslandkorrespondenten, die auch unterhaltsam schreiben können, was nicht gerade eine Stärke der NZZ ist.
Fred David > Ich finde die Entwicklung beunruhigend und habe das hier schon verschiedentlich kundgetan. Doch scheinen in diesem Forum die Fans von Tageszeitungen eher in der Minderzahl zu sein. Die Reaktionen, die ich bisher erhielt, gingen eher in die folgende Richtung:
- für alte Säcke ist eine Tageszeitung schon gut, aber die Jungen wollen nicht mehr Zeitung lesen
- Zeitungen sind Holzmedien und deshalb veraltet
- Hobbyblogger sind eh die geileren Siechen als die altmodischen Journalisten
- ...
Von: Bobby am 11.06.09 19:11
Posted on 11.06.09 19:11
Das ist jetzt aber etwas gar schwarz-weiss gemalt, lieber Bobby.
Von: Martin am 11.06.09 19:32
Posted on 11.06.09 19:32
@bobby: dies hier ist kein forum, sondern ein blog. die von ihnen beschriebene richtung in diesem hobbyblog, das von einem profischurni betrieben wird, ist mumpitz. niemand hat hier sowas gefordert oder behauptet. dass es eines tages nichts mehr zu schreddern geben soll, ist ebenso eine verkennung der lage resp. eine polemische überhöhung. aber in einem haben sie recht: ich kenne mittlerweile mehr geile blogger als geile schurnis.
Von: bugsierer am 11.06.09 22:49
Posted on 11.06.09 22:49
Martin > Mais non... ein x-beliebiges Müsterchen aus dem Archiv gefällig? Bitte sehr:
«Für gestrigen (sic) noch mal zu mitschreiben: 1) die Zeit der Kaufzeitungen ist vorbei 2) die Zeit der Zeitungen auf dem Papier ebenso...»
Von: ...
Von: Bobby am 11.06.09 22:54
Posted on 11.06.09 22:54
Entweder ist canonica ein schlechter kommunikatior oder schlecht informiert. Oder beides. In den kommenden tagen soll der online-auftritt des magazins komplett ins newsnetz integriert und damit die kommentarfunktion reaktiviert werden.
Von: Nmeienberg am 11.06.09 23:02
Posted on 11.06.09 23:02
@) Bobby & Martin: Das mit den alten Säcken stimmt schon. Ich bin selber einer. Drum weiss ich das. Es lässt sich aber auch statistisch belegen.
CICERO (Ringier, Berlin) veröffentlichte in der März 09-Nummer eine Umfrage:"Lesen Sie regelmässig Tageszeitungen?"
Immerhin: 59%.
In der Schweiz dürften die Zahlen ähnlich sein.
Von den 18 bis 29jährigen liest allerdings nur jeder dritte regelmässig.
Doch mit steigendem Alter (und wohl auch mit wachsender Verantwortung in Beruf, Familie etc.) steigt das Interesse deutlich.
Von den 30 bis 44-Jährigen lesen 52% regelmässig von den 45- bis 59-Jährigen 69% . Und alles was darüber ist, und Zeit hat: 72%.
Liberale lesen übrigens am eifrigsten: 72%; Konservative 65%; SPD-Anhänger 62%; Grüne 50%.
Ich habe keine Vergleichszahlen, wie es vor 10 oder 20 Jahren war. In der Relation wahrscheinlich ähnlich.
Jeder zweite liest heute regelmässig Tageszeitung. Ist das wenig? Nö.
Beispiel: Als ich meine RS machte, konnte ich genau feststellen, wer regelmässig Zeitung las, weil jeweils am Mittag die Post verteilt wurde und man genau sah, wer sich sein Abo, das man zu besonders günstigen Bedingungen kriegte, schicken liess.
In meiner Kompanie waren es 3 (drei); ohne Offiziere allerdings. Und das ist schon ziemlich lange her.
Ich halte es für ein Märchen, dass früher Junge so ungeheuer viel mehr gelesen hätten.
Aber je mehr man in den Beruf eingebunden ist, umso mehr, breiter und tiefer muss man sich informieren. Bei allen Vorzügen des Internets: Es wird nicht genügen.
Das ist die Chance der Holzmedien.
Die Jungen auf Teufel komm raus mit krampfhafter Anbiederungen gewinnen zu wollen ist nach meiner Ansicht sinnlos. Die kommen dann schon, wenn sie älter werden und etwas mehr brauchen: Zusammenhänge, Hintergründe, fundierte Meinungen, nachvollziehbare Quellen etc. und nicht nur schnelle News.
Das spiegeln meiner Meinung nach die genannte Zahlen.
Ich bin überzeugt: Meine RS-Kollegen von damals waren mit wachsendem Alter stärker an Tageszeitungen interessiert, ohne dass man sie daran gewöhnen musste.
Tagsezeitungskonsum ist nicht so sehr eine Frage der Vergreisung, sondern des Wissensbedarfs.
Gell, Tagi.
Von: Fred David am 11.06.09 23:19
Posted on 11.06.09 23:19
@ fred: quatsch! Dass die jungen früher oder später eine tageszeitung abonnieren werden, hat sich als illusion herausgestellt. Auch wenn strehle dies kürzlich selbst behauptete. Deshalb hat ja der tagi ständig an leser verloren, übrig geblieben sind nur die alten und sterben allmählich aus. Wer mit gratiszeitungen aufwächst, wird niemals für nachrichten zahlen wollen. Das gleiche konnte man vorher im internet beobachten.
Von: Nmeienberg am 11.06.09 23:29
Posted on 11.06.09 23:29
@) Nmeienberg: Da sehe ich auch so: Für news wird niemand mehr bezahlen. Gibts gratis an jeder Ecke.
Drum müssen Tageszeitungen einen deutlichen Mehrwert bieten - und den bieten sie nicht, indem sie sichtlich Qualität abbauen.
Das Internet ist ein Supermarkt, wo man alles kriegt. Man muss manchmal allerdings ziemlich lange suchen und ist sich nie so ganz sicher, woher die Ware kommt.
Tageszeitungen müssen Boutiquen und Fachgeschäfte werden, wo man zwar mehr zahlt, aber weiss, dass man Qualität bekommt, Beratung, Service etc. Wo man auch weiss, woher die Ware stammt und was drin ist und bei wem man sich notfalls beschweren kann.
Die Zahl der Kunden in diesen Geschäften ist natürlich geringer als im Supermarkt. Die Gewinnspanne für den Ladenbetreiber ist dadurch aber nicht unbedingt kleiner.
Soweit sind die Tageszeitunge noch nicht. Aber sie müssen dahin kommen.Auch die heute Jungen werden kommen. Garantiert.
Im übrigen: eine Tagsezeitung muss natürlich auch das Internet einbeziehen,z.B. Debatten à la minute führen (das läuft nicht von allein), weiterführende links etc.
Die beiden Medienformen Holz und Digital ergänzen sich kongenial. Das sind keine Gegensätze.
Von: Fred David am 12.06.09 00:01
Posted on 12.06.09 00:01
Auch in diesem Forum wurde der Krebsgang der Presse ein ums andere mal von Bloggern hämisch kommentiert. Von wegen «Holzmedien» und «verlorener Deutungshoheit» und was der aus Amerika importierten Schlagworte mehr sind.
Tatsache ist: um als mündiger Staatsbürger fundierte Entscheide treffen zu können, ist es unerlässlich, dass man sich gründlich informiert. Und das ist heute immer noch nur möglich, wenn man eine Tageszeitung abonniert hat. Alle Internet-Quellen können die Tageszeitung einfach nicht ersetzen. Denn ein grosser Teil der im Internet zirkulierenden Infos sind nicht glaubwürdig. Und solange sich der typische Schweizer Blogger darauf beschränkt, besserwisserische Giftpfeile auf Journalisten abzufeuern, können auch die Blogs niemals den professionellen Journalismus ersetzen.
Von: Bobby am 12.06.09 00:04
Posted on 12.06.09 00:04
@Bobby: Das Besserwissertum haben ja die Blogger erfunden, gell? Aber mal im Ernst: Der typische Schweizer Blogger ist schlicht und einfach ein Hirngespinst. Es gibt ihn nicht. Genau so wenig wie es den typischen Schweizer oder den typischen Deutschen gibt. Alles klar?
Als ehemaliger Heavy-Zeitungskonsument hat sich mein Konsumverhalten, sagen wir mal in den letzten zehn Jahren, doch ziemlich deutlich in Richtung Netz verlagert. Nicht der News wegen, übrigens. Leider kann ich nirgends auch nur den Ansatz einer Anstrengung sehen, mich als Zeitungskonsument on- oder offline zurückzugewinnen.
Mit jeder Abbauschlacht wird das Glaubwürdigkeitsdeffizit leider etwas grösser, weil es ein hauffen Themen gibt, die brach liegen, und um die sich unterdessen einfach keine Zeitung mehr kümmern will oder kann. Es genügt eben nicht, nur um ein lichterloh brennendes Thema zu nennen, Leben an der Armutsgrenze in einem der reichsten Länder der Welt einmal jährlich zu thematisieren, nämlich dann, wenn die neueste Sozialhilfestatatistik greifbar ist.
Von diesen Themen liegen kübelweise rum. Das sind keine genuinen "woz"-Themen. Sondern Themen, mit denen man die Leser abholen kann. Eine UBS-Pleitte (siehe aktuelle «Zeit») oder eine durchaus mögliche Massenarbeitslosigkeit, muss man, zumindest gedanklich, schon mal durchspielen. Die Leser dort abholen, wo sie sich jetzt oder in naher Zukunft befinden, heisst auch Zukunftsängste zu nehmen, Optionen aufzuzeigen, bevor das ganze in unerfreuliche Krisenerscheinungen wie Xenophobie umschlägt.
Wenn Journalisten etwas von Bloggern lernen können, dann vielleicht wie man sich in ein Thema festbeisst. Ein bisschen mehr Gärtchendenken dürfte keineswegs schaden; anstatt im gleichmacherischen Newsroom-Sumpf zu versinken, in dem jeder über jedes Thema «Bescheid» weiss, und dazu auch noch locker einen Kommentar aus dem Ärmel schütteln kann (oder muss). Das ist Stammtischniveau, das funktioniert nicht.
Von: Ugugu am 12.06.09 08:03
Posted on 12.06.09 08:03
@Fred David
Meinungsvielfalt in ehren, aber hatten sie diesen hohen Anspruch wirklich auch eingelöst? Ich denke allerhöchstens in einem engen Schweizer Fokus (über die Jahre davor kann ich nix sagen). Es fehlt für meine Ansprüche eine Kontinuität und der breite Blick auf ein Thema.
Insofern versteh ich jetzt nicht so ganz die Klage über den angeblich erst jetzt erfolgten Niedergang. Wirklich gute internationale Berichterstattung - die über ein oberflächlichen Header hinausgeht, daran kann ich mich nun wirklich nicht erinnern.
@bobby
Unterhaltsamkeit ist jetzt nicht unbedingt das, was ich von einer Auslandsberichterstattung erwarte. - sondern Regelmässigkeit, mit Hintergrundinformationen und breiten Blickwinkel - die bunten Bildchen können mir gestohlen bleiben.
Mit genügend Kontakt zu politisch interessierten Jugendlichen, kann ich eine Beobachtung durchaus bestätigen - auch für Jugendliche sind Zeitungen (bezahlte!) nichtsdestotrotz immer noch die seriöseste und kompetenteste Art sich zu infornieren. Man guckt zwar viel im Internet, um aber allgemein auf dem laufenden zu bleiben guckt man immer noch in die taz (und co). Von daher kann ich in das Wehklagen auch in dieser Hinsicht nicht mit einstimmen.
Von: Mara am 12.06.09 08:05
Posted on 12.06.09 08:05
Wenn ich mir mal eine kurze Zwischenbilanz erlauben darf:
Da kommt doch eine Menge an kontroversen Argumenten zusammen, mit denen man etwas anfangen kann.
Journalisten sind im Umgang mit so etwas nicht allzu sehr geübt, sofern es das eigene Gewerbe betrifft.
So muss ein Blog laufen. Gern weiter so. Man lernt was draus.
Von: Fred David am 12.06.09 09:24
Posted on 12.06.09 09:24
Mara > Ich habe geahnt, dass das Wort «unterhaltsam» in meinem Kommentar für rote Köpfe sorgen würde. Ich habe nichts gegen farbige Bilder, solange der dazugehörige Artikel fundierte Informationen enthält. Aber ich schlafe ein, wenn man Titel kreiert im Stil von «Zur geplanten Reform des Verwaltungsrechts im Südost-Zipfelistan aus liberaler Warte».
Bugsierer > Für meine These gibt es dutzende Belege. Ich würde mir die Mühe nehmen, diese hier aufzutischen, wenn Sie mich freundlich darum bitten würden. Aber wenn Sie mich auf Ihre gewohnte Art launisch anpflaumen, habe ich keine Lust, um mir die Mühe zu nehmen, meine These zu belegen.
Ugugu > Die Blogger haben das Besserwissertum nicht erfunden, aber bei einigen scheint es die raison d'être zu sein. Ein ums andere mal herauszuposaunen, dass man Chefredaktor X entlassen sollte und dass Journalist Y keine Ahnung von garnichts hat, ist nicht besonders unterhaltsam. Mit Verlaub - so entreissen die Blogger den Journalisten niemals die Deutungshoheit.
Von: Bobby California am 12.06.09 12:36
Posted on 12.06.09 12:36
@Bobby: Vielleicht wäre es langsam an der Zeit, wenn du dich von fixen Idee lösen könntest, irgendwer möchte Journalisten irgendwas wegnehmen. Die Deutungshoheit verlieren sie, wenn schon, ganz von selbst. Aber mir glaubst du ja eh nicht, lassen wir für einmal Prof. J. Rosen sprechen.
Von: Ugugu am 12.06.09 16:34
Posted on 12.06.09 16:34
@bobby: ok, sie haben an meinem angepflaume immer noch schwer zu tragen, ich merks genau. jedenfalls find ich es erfrischend, mit ihnen hier zu debattieren. aber das geht auch im spunten manchmal nicht ohne pflümli.
jedenfalls ist eine "deutungshoheit" nicht mein ziel, ich führe ein blog, weil ich kann und rede mir nicht ein, dass das tagimagi die kommentare wieder angeknipst hat.
ich habe nie schurnis als vollpfeiffen bezeichnet, wie käm ich dazu, viele sind wahre edelfedern. aber es ist eine tatsache, dass die meisten von ihnen keine ahnung von internet haben, eine unterlassungssünde ohnegleichen. ich kann mich auch nicht erinnern, in einem anderen blog gelesen zu haben, die meisten schurnis seien vollpfeiffen.
nochmals: dass die journalisten ihre hausaufgaben in den letzten zehn jahren nicht gemacht haben (und die verleger auch nicht), das ist das schlimme an der ganzen situation. oder etwa nicht?
Von: bugsierer am 12.06.09 16:37
Posted on 12.06.09 16:37
Ugugu > Ich glaube gar nichts – weder einem amerikanischen Schaumschläger noch einem Schweizer Blogger. Ich beziehe mich nur auf Fakten. Und die Fakten sehen so aus: Es ist die gebetsmühlenmässig wiederholte Idee der Blogger, dass die Journalisten das Informationsmonopol verloren haben sollen. Es ist nicht meine Idee.
Bugsierer > Journalisten sind dafür angestellt, Artikel zu schreiben oder TV-Beiträge zu produzieren. Es gehört kaum zu ihren zentralen Aufgaben, eine Internet-Zweinull-Spielwiese (in Form eines Diskussionsforums oder Blogs) zu überwachen, in dem sich Krethi und Plethi, und sicher auch einige vernunftbegabte Wesen, austoben.
So gesehen, finde ich es tatsächlich nicht schlimm, wenn Journalisten keine Internet-Freaks sind. Denn sie sind für andere Aktivitäten angestellt.
Das Internet wird sowieso immer langweiliger. Die Zeit wird kommen, an dem der Hype mit dem Gratis-Content und Jekami-Geschreibe wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen wird – auch deshalb, weil die Rechnung wirtschaftlich nicht aufgehen kann. Dann werden die Leute froh sein, dass es noch auf Papier gedruckte Zeitungen gibt, die ohne nervös flackernde Werbebanner auskommen.
Von: Bobby California am 12.06.09 17:23
Posted on 12.06.09 17:23
Die Ausgangsfrage von Martin Hitz hier war ja:"Wo liegen künftig die Kernkompetenzen beim Tages-Anzeiger"?
Mich würde einfach mal interessieren: Gibts keine Leute vom "Tagi" oder vom "Bund", die hier mal etwas hinein leuchten und berichten, welche Diskussionen derzeit bei ihnen laufen?
Das sind ja nicht nur Privatangelegenheiten. Das interessiert auch die zahlenden Leser.
Voilà, hier wäre genug Platz...
Von: Fred David am 12.06.09 17:23
Posted on 12.06.09 17:23
@bobby: oh je, herr california, unsere auffassungen gehen sehr weit auseinander.
dass aber schurnis sich nicht mit neuen medien befassen sollen, weil sie zum schreiben angestellt sind, ist ja wohl totaler hafechäs. schon mal was von weiterbildung gehört?
es kann doch einfach nicht sein, dass schurnis die techniken des internets einfach nicht lernen. aber henusode.
mich würde mal interessieren, wieviel sie selber eigentlich davon verstehen? haben sie selber schon web 2.0 erfahrungen gemacht oder jodeln sie ihr ideologisches zeug einfach als motzender beobachter daher? und sorry wegen des erneuten anpflaumens, aber sie gehen ja auch nicht sehr nett mit uns bloggern um.
Von: bugsierer am 12.06.09 17:44
Posted on 12.06.09 17:44
Bugsierer > Ich bin vielleicht nicht immer nett zu Bloggern, aber ich bringe Argumente. «Hafechäs» ist kein Argument. Versuchen Sie, auf meine Argumente einzugehen, statt auf den Mann zu spielen.
Fred David > Wie Du siehst, tummeln sich hier vor allem Blogger und kaum Tagi-Journalisten. Daniel Suter hat die Stimmung der Redaktion in der WoZ umschrieben:
«Die Empörung ist ja da. Und die meisten sind auch mutig genug, sie mitzuteilen. Aber zu einem Streik fehlt womöglich bei den individualisierten Journalisten, ich möchte mich da nicht ausnehmen, ein gewisses Denken, vielleicht auch die Kraft, der Mut...»
Von: Bobby am 12.06.09 18:04
Posted on 12.06.09 18:04