- «In den 80er jahren hätte es einen streik gegeben, die redaktionsräume wären besetzt worden, eine streikausgabe wäre erschienen… Heute? Das schweigen der lämmer. Lieber auf facebook etwas chatten»,
kommentierte ein Medienspiegel-Leser diesen Eintrag zum Stellenabbau bei «Tages-Anzeiger», «Bund» und «Berner Zeitung».
Auch Rainer Stadler konstatierte in der «NZZ» vom vergangenen Freitag das Ausbleiben eines öffentlichen Echos:
- «Kein Aufschrei, höchstens ein wenig Stirnrunzeln und ein bisschen Empörung vonseiten der schwachen Arbeitnehmerorganisationen.»
Nun wollen die Redaktionen des Tamedia-Konzerns die Stellenkürzungen aber offenbar doch nicht widerstandslos hinnehmen.
So protestierten laut «tagesanzeiger.ch» am Dienstagmittag mehr als 200 Mitarbeiter gegen die «Massenentlassung auf Vorrat», die 80 Festangestellte und freie Mitarbeiter des «Tages-Anzeigers» betreffen soll.
Auch die Redaktion des Berner «Bund» setzt sich gegen den Abbau von 19 Stellen zur Wehr. Ebenfalls am Dienstag übergab sie laut «bund.ch» der Geschäftsleitung Vorschläge der Personalkommission – zum Beispiel die Einführung von «Kurzarbeit im Umfang des Inseraterückgangs» -, die den Stellenabbau «möglichst» verhindern sollen.
Nicht zusammenraufen kann sich aber offenbar die Redaktion der «Berner Zeitung», wo laut interner Mitteilung (via «persoenlich.com») vier bis fünf Stellen auf der Print- und zwei Stellen auf der Online-Redaktion abgebaut werden sollen. Weitere drei Stellen sind auf der «BZ»-Sportredaktion gefährdet. Drei neue Arbeitsplätze sollen hingegen «in der neuen Schnittstellenredaktion oder Community Plattform» geschaffen werden.
Sollte die folgende Darstellung von «persönlich.com» zutreffen, stehen aber nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch den Cheffen der «BZ» schwere Zeiten bevor:
- «In einem Brief, der nicht im Namen der gesamten BZ-Belegschaft, sondern von mehreren Redaktorinnen und Redaktoren an ‹persoenlich.com› geschickt wurde, wird deutlich, dass sich die BZ-Redaktion intern in verschiedene Fraktionen gespaltet hat und nicht als Einheit agiert. […] Auf der BZ-Redaktion herrsche seit Monaten nur noch Frust und Unsicherheit. Es werden namentlich zehn Mitarbeiter aufgezählt, die innerhalb von einem Jahr der BZ den Rücken gekehrt haben. Die fehlenden Stellen seien wenn überhaupt mit miserablen Journalistinnen besetzt worden. Auch diese werden im anonymen Schreiben namentlich erwähnt – und damit öffentlich angeschwärzt. Das Klima sei so schlecht, dass sich weitere Abgänge abzeichnen würden. Weiter vier Namen werden genannt.»
Naja, die Damen und Herren in Bern und Zürich sind a bisserl spät aufgewacht bez. mussten geweckt werden. Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, man muss gelegentlich halt auch wieder mal kämpfen, Standpunkte klar machen, ein bisschen laut werden. Natürlich hat so etwas auch Konsequenzen, vielleicht auch mal persönliche. Aber so ist das halt, beim Kämpfen.
Es geht um Macht und es geht um Interessen. Das ist kein Spaziergang.
Den Satz des Kollegen Stadler aus der NZZ vom letzten Freitag (aus der N!-Z!-Z!) habe ich mir auch herausgeschrieben: “Kein Aufschrei, höchstens ein wenig Stirnnrunzeln und ein bisschen Empörung vonseiten der schwachen Arbeitnehmerorganisationen…!”
Das nennt man: Auf den Punkt bringen!
Sowas geht dann schon – und zu Recht – gegen die Berufsehre.