Take this: «Journalists deserve low pay»!

    «Journalists like to think of their work in moral or even sacred terms. With each new layoff or paper closing, they tell themselves that no business model could adequately compensate the holy work of enriching democratic society, speaking truth to power, and comforting the afflicted. Actually, journalists deserve low pay»,

schreibt Medienökonom Robert G. Picard auf der Website des «Christian Science Monitor».

Und weiter:

    «Wages are compensation for value creation. And journalists simply aren’t creating much value these days. Until they come to grips with that issue, no amount of blogging, twittering, or micropayments is going to solve their failing business models.»

Weiter geht’s beim «Christian Science Monitor». Lesenswert!

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

12 Bemerkungen zu «Take this: «Journalists deserve low pay»!»

  1. Fred David:

    „actually journalists deserve low pay“.

    Nichts als die Wahrheit.

    Das macht sie empfänglich für Zuwendungen aller Art, einsetzbar in jedem Gelände. Auch in sumpfigem.

    Selten war es so einfach und billig, Journalisten zu bestechen.

    Ehrlich, ich bin froh , schon hart am Pensionslimit zu sein. Hätte ich mir früher nie träumen lassen.

    Eine beunruhigende Entwicklung, über die Journalisten reden sollten. Notfalls halt auch mal laut, und nicht nur verkniffen in den üblichen Züri-, Bääärner- , Lozärner-, Baaasler-Szenebars.

    Nur für Sanggalle gilt das nicht. Dort gibt’s keine Szenebars…Uber die Aarouer- und Khurer-Szene bin ich nicht im Bild.

  2. Bobby California:

    GEGENDARSTELLUNG

    1. Journalisten betrachten ihre Arbeit nicht als «heilig», sondern als nützlich und unentbehrlich für eine aufgeklärte, demokratische Gesellschaft.

    2. Das Salär ist nicht eine Belohnung für das Erzeugen von Mehrwert (den erzeugen die Banker auch nicht, aber sie erhalten dennoch überrissene Saläre). Das Salär ist vielmehr ein Tauschwert für die Zurverfügungstellung von Arbeitskraft und Zeit. Deshalb müssen Journalisten nach wie vor ein gutes Salär erhalten. Andernfalls wird die Qualität der journalistischen Arbeit rapide sinken, was niemandem etwas nützt.

    3. Es kann schon sein, dass das Internet dazu beigetragen hat, dass der Mehrwert der Zeitungen geschrumpft ist. Jedoch können alle Hobbyblogger der Welt keinen Ersatz für professionellen Journalismus bieten. Denn ihnen fehlt ganz einfach die Glaubwürdigkeit der professionellen Medien.

    4. Es stimmt nicht, dass Journalisten nur das Wissen anderer verbreiten und selber kein Wissen besitzen. Tatsache ist: Journalisten besitzen das Wissen, wie man Informationen professionell und glaubwürdig verbreitet. Dieses Wissen haben Hobbyblogger nicht. Deshalb ist das Internet kein gleichwertiger Ersatz für traditionelle Medien, und deshalb sind die Blogger auch nicht in der Lage, die Journalisten zu «de-skillen».

    5. Es stimmt ganz einfach nicht, dass «gewöhnliche Erwachsene» Informationen gleich gut und mit der gleichen Glaubwürdigkeit wie professionelle Journalisten verbreiten können. Den Bloggern fehlt das Wissen und die Glaubwürdigkeit, das die traditionellen Medien besitzen.

    6. Es stimmt leider schon, dass die Medien immer stromlinienförmiger daher kommen. Dafür sind aber nicht (nur) die Journalisten verantwortlich, sondern in erster Linie die Verleger.

    7. Deshalb können Journalisten auch nicht einfach ein neues Businessmodell erfinden – sowenig wie die Arbeiter in der Autoindustrie ein neues Auto erfinden können. Das ist Sache der Verleger.

    8. Gute Journalisten beschränken sich nicht darauf, News zu verbreiten, die schon gestern online oder im TV sichtbar waren. Vielmehr haben gute Journalisten den Ehrgeiz, News zu entdecken. Das machen sie schon heute so. Darum ist es auch nicht nötig, den Journalismus neu zu erfinden.

    9. Es könnte sein, dass sich die Leser in Dallas auch noch für andere Themen als für Öl interessieren. So wie es auch in Zürich Zeitungsleser gibt, die sich auch für andere Themen als nur für Geld interessieren. Mit Picards Businessmodell der Konzentration auf einzelne lokal besonders starke Wirtschaftszweige würde man sicher ganz schnell ganz bös auf die Schnauze fallen.

  3. Fred david:

    @) Bobby California: Das sind schöne Grundsätze.

    Sorry, es folgt noch ein fettes Aber: Die Deutungshoheit der Journalisten ist Vergangenheit. Wenn man nur 10 Jahre zurückgeht, waren Journalisten noch kleine Könige. Sie sassen fast allein an der Quelle. Heute müssen sie ihren Platz verteidigen, gegen viele andere, die aus der gleichen Quelle schöpfen.

    Das Berufsbild ändert sich radikal. Journalisten können sich auf Dauer nur behaupten, wenn sie überdurchschnittliche Qualität liefern. News als Commodity gibts an jeder Ecke gratis, auch Meinung zu allem und jedem.

    Die erwähnte Qualität hat ihren Preis und sie wird den Preis nur erzielen, wenn genügend Leute davon überzeugt sind, dass sie tatsächlich auch Qualität geliefert bekommen.

    Die Zweifel steigen bei vielen usern und Lesern, dass es wirklich so ist, auch wenn sie sich bisher nur wenig dazu äussern. Wenn Journalisten sich die Mühe machten, sich öfter mal ausserhalb ihres beruflichen Umfelds umzuhören(sie tun das erstaunlich selten) würden ihnen die Ohren schlackern was sie über das Berufsbild zu hören bekommen, das sie gern selber über Ihresgleichen malen.

    Klingt theoretisch. Aber mal ganz praktisch: Beispiel Leserbriefe in der NZZ. Die haben inzwischen oft eine so gute Qualität, häufig mit viel Insiderwissen und wenig Rücksichten auf die ideologische NZZ-Tendenz. Ich möchte allerdings nicht wissen, wieviele Briefe in den grossen NZZ-Papierkörben verschwinden, weil sie nicht „in den Rahmen“ passen.

    Dagegen wirken redaktionelle Kommentare, die immer stärker entweder einer vermeintlich breiten Mehrheit oder mächtigen Einzelinteressen nach dem Mund schwätzen, oft wie lauwarmes Wasser.

    Trotz der hohen „Einschaltquote“, und das gilt auch für andere Zeitungen, werden Leserbriefseiten viel zu wenig gepflegt. Früher waren das oft bloss Meckerecken. Das ist aber weitgehend vorbei.

    Dennoch dauert es viel zu lange, bis Briefe abgedruckt werden (das muss täglich passieren und aktuell!). Es wird willkürlich ausgesiebt, man verzichtet auf jede Moderation, die Gestaltung der Seiten ist oft grauenhaft.

    Redaktoren geruhen ausserdem überhaupt nie, auf Leserreaktionen zu reagieren. Dabei könnten daraus spannende – moderierte – Debatten entstehen. Die Moderatipon braucht es, damit’s nicht aus dem Ruder läuft.

    Man spürt regelrecht, wie sich Redaktionen gegen eine auf der Hand liegende Steigerung der Attraktivität solcher Seiten sperren. Ihr simpelste Gegenargument ist „Platzmangel“. Das tasächliche Argument aber ist der vermeintliche oder auch tatsächliche Autoritätsverlust der Journalisten.

    Und nun also das Internet: Diese Interaktion wird gerade von Schweizer Journalisten seltsamerweise kaum genützt. Dabei hat das Internet unschlagbare Vorteile: die Schnelligkeit, die unmittelbare Interaktion und das Nutzen von Links. Gerade letzteres kann jede Debatte enorm bereichern. Unschlagbar.

    Solche Debatten müssen von Professionals moderiert, aber nicht beherrscht werden (diese Zeiten sind vorbei!).

    Journalisten, es bleibt euch nichts anderes übrig: runter vom hohen Ross (ich bin selber einer, ich weiss, was ich hier verlange!). Kommt ihr nicht selber runter, werdet ihr irgendwann heruntergeholt – und die Zeit geht über euch hinweg und/oder ihr werdet von fremden Interessen ferngesteuert.

    Bei alldem bleibt etwas im Journalismus existenziell wichtig, was heute als billige, langweilige und verzichtbare soft factors gelten: Unbestechlichkeit und Unabhängigkeit. Sind die einnmal weg, kann man sie nicht einfach wieder zurückholen.

    Es sind Trümpfe, die irgedwann unbezahlbar sein werden, deren Erhaltung heute aber sehr viel Geld kostet. Heute wird damit geradezu lächerlich fahrlässig umgangen, weil man es für igendwelchen moralisierenden Schmock hält. Dabei geht es auch um ureigene kommerzielle Interessen.

    Für Journalisten werden sie eines Tages der usp sein, der unique selling point.

  4. Bobby California:

    Fred David > «Heute müssen sie ihren Platz verteidigen, gegen viele andere, die aus der gleichen Quelle schöpfen»… Ich habe diese These auch schon gehört. Aber mal Hand aufs Herz – gegen wen genau sollen wir uns verteidigen müssen?

    – Gegen die Gratiszeitungen? Es ist leider eine Tatsache, dass sich anspruchslose Gemüter mit einer Gratiszeitung zufriedenstellen und irrtümlicherweise glauben, auf eine Tageszeitung verzichten zu können. Aber diese Simpels können wir auch mit den besten Stories nicht zurückholen.

    – Gegen die Blogger? Nichts gegen Blogs, aber sowas (nur als Beispiel, damit klar ist, von was ich spreche) ist doch keine ernsthafte Konkurrenz für professionellen Journalismus. Den Medienspiegel schätze ich sehr, aber niemand wird auf den Klartext verzichten, weil er den Medienspiegel lesen kann. Gut gemachte Blogs sind eine Ergänzung zu traditionellen Medien, nicht mehr und nicht weniger.

    – Gratis-Inernetseiten der traditionellen Medien? Das halte ich in der Tat für eine fragwürdige Kannibalisierung. Je mehr Tagi-Artikel ich am Tag vorher im Newsnetz gelesen habe, umso kleiner ist meine Bereitschaft, mein Tagi-Abo zu verlängern. Aber dafür sind nicht die Redaktoren verantwortlich.

    Journalisten, die überdurchschnittliche Qualität liefern, gab es schon vor 20 Jahren / vor 5 Jahren / vor einem Jahr… dennoch schrumpfen die Abonnentenzahlen wie die Gletscher dahin.

    Allerdings ist in etablierten Medien leider immer weniger Platz vorhanden für überdurchschnittliche Qualität. Verleger sind offenbar der Ansicht, dass die Mehrheit der Leser Meldungen über geliftete Busen von Starlets, möglichst viele und möglichst grosse bunte Fotos und populistische Kommentare bevorzugt.

    Kurz gesagt: das Rad (der Journalismus) muss nicht neu erfunden werden.

    Dass die Journalisten ein schlechtes Image haben, bereitet mir keine schlaflosen Nächte. Jeder Schwippschwager weiss ganz genau, dass der Journi XY ein Idiot ist, weil er das Konzert der Blasmusik von Oberägeri in der Lokalzeitung verrissen hat, obwohl das Konzert in Tat und Wahrheit brillant war. Lehrer, Zahnärzte und Tramführer haben auch ein schlechtes Image, aber alle wissen, dass die Vertreter dieser Berufsgruppen unentbehrlich sind…

  5. Fred David:

    @) Bobby California:

    Mit der gegenseitigen Ergänzung von print und Internet sind wir völlig auf gleicher Ebene: Es ist kein Entweder/Oder, sondern eine gegenseitige Ergänzug.

    Aber gerade diese Vorteile werden von Schweizer Journalisten viel zu wenig genutzt – weil sie noch auf ihrem alten, hohen Gaul sitzen. Der ist müde geworden und lahmt an mindestens zwei Beinen, und das Gebiss ist schwach, die Beisszähne fehlen weitgehend, nur noch die Mahlzähne sind einigermassen intakt …

    Das Qualitätsthema ist tatsächlich ein Minderheitenprogramm. Aber diese Minderheit ist , insbesondere im Bereich, Tageszeitungen, in der Schweiz (nicht nur, aber hier fällt es mir stärker auf) sträflich unterversorgt. Ich meine nicht die Anzahl Titel, sondern die Abweichung in Themenwahl und Meinungsvielfalt. Wir nähern uns der Schweizerischen Einheitszeitung SEZ und wenn der „Tagi“ so weiter macht, werden wir die eines Tages haben.

    Genau deswegen hätte die Diskussion um den „Bund“ gerade von Journalisten offensiver geführt werden müssen. Aber man stösst fast nur auf Lethargie.

    Journalisten sind kaum noch in der Lage, Themen zu setzen. Das hat seine Ursachen.

  6. Bobby California:

    Meistgelesene Artikel auf tagesanzeiger.ch am 22. Mai, 15:00

    1. Autolenkerin durch umstürzenden Baum getötet
    2. Sara Nuru ist «Germany’s Next Topmodel»
    3. Hysterie bei der Eröffnung des Apple-Ladens

    Wer zum Teufel ist Sara Nuru? Warum soll ich mich für Sara Nuru interessieren? Warum diskutieren wir über die Bedeutung des Qualitätsjournalismus, wenn Sara Nuru das Thema ist, das die Tagi-Leser am brennendsten interessiert?

  7. io:

    Ob Sara Nuru am meisten interessiert, ist die Frage. Sie wurde auf jeden Fall am meisten angeklickt (es sei denn, beim TA steckt hinter den meistgelesenen Artikeln ein Algorithmus, der auch die Verweildauer sowie die weiterführende Nutzung, Links, Videos etc. miteinberechnet)

    Ich gebe zu: Manchmal klicke ich so eine Schlagzeile einfach, weil ich neugierig bin und dann – klick – bin ich schon wieder weg. Gute Schlagzeile = viele Klicks heisst deshalb noch lange nicht relevante Geschichte (auch wenn 20min diese These bereits architektonisch in den Raum reinbetoniert hat, damit der Leser / die Leserin via Screen die beste Geschichte bestimmen kann). Wie hiess das kürzlich bei der Südostschweiz-Medienkonvergenz-Sitzung so schön? Leserterror.

  8. Fred david:

    @) Bobby California:

    Ja nun, Sara Nuru ist wirklich ein Thema, vor allem für TV-Zuschauerinnen von 10 bis schätztungsweise 75 jeden Bildungsgrads.

    Why not, sofern Zeitungen und online-Blöterlis etwas mehr schaffen würden als den üblichen Agenturmix plus ein paar geklaute Facts und Zitate aus der „Bild“-Zeitung.

    Der Punkt ist aber schon, dass Redaktionen sich immer stärker nach Click-rates orientieren . Obwohl sie das natürlich vehementes bestreiten – es ist gelogen. Man muss doch dem Leser/user bieten was er verlangt, heisst die einschlägige Argumentation, das ist vaterländische Pflicht. Man darf ihn/sie nicht mit Dingen strapazieren, nach denen es ihn/sie nicht exzessiv verlangt.

    Natürlich gab’s diesen Opportunismus schon immer, aber nicht in dieser unkritischen Selbstverständlichkeit wie jetzt.

    Die idealtypische – fiktive – Schlagzeile hiess in meinen Ausbildungsjahren als Journalist (ist zugegeben schon ein Weilchen her): „Berner Sennenhund leckt Ursula Andress Bruskrebs weg.“

    Der Witz war schon damals holprig, traf aber den Kern. Alle wichtigen Zutaten sind enthalten: Nationalgefühl (Berner), Jöö-Tierli (Sennenhund), Showbiz & Personaltystory (Andress), Soft-Sex (Brust lecken); Doktorthema (Krebsheilung). Und: Passt über einen Zweispalter, samt berühmtem Andress-Bikinifoto aus „Dr. No“ (1964).

    Ja, so simpel denken Journalisten bisweilen (mich eingeschlossen) und man muss solche Indrigenzien beim Zeitungmachen nutzen. Könner machen das dosiert.

    Aber jetzt passiert genau das, was Sie ansprechen: Journaismus nach click-rates. Das ist relativ neu. Was nicht auf diesen Raster passt, wird klein gemacht oder fällt mit der Zeit ganz weg. „Interessiert doch kein Schwein!“ …Den siegesgewissen Ausruf hat jeder Redaktionsvolontär intus. Doch gab es immer noch den einen und andern Chefredaktor/-redaktorin die väterlich/mütterlich einwandten: „Momoll, mich Schwein interessiert das Thema.“

    Zeitungen müssen sich verkaufen. Das ist ganz normale Binsenwahrheit. Wenn Zeitungen aber, wie die online-Blöterlis (ok, es gibt auch andere) jeden einzelnen Artikel, jedes Thema, nach click-rates bewerten und die Gewichtung der Inhalte danach ausrichten, ist es mal wieder Zeit, in den Redaktionen aufzuschreien – sofern diese im Gewerbe gelegentlich notwendige Fähigkeit noch gelehrt wird…

  9. Ich bin versucht zu schreiben: even NZZ-Journalists deserve low pay.

  10. Fred David:

    @) Patrik, ich halte den von Ihnen verlinkten und weitgehend faktenfreien Frontaufmacher für gezielte Zweckpropaganda, wie sie in den letzten Monaten häufig zu beobachten war. Die mediale „Steinbrück-Opera buffa“ wurde geschickt, gezielt und erfolgreich als Ablenkungsmanöver instrumentalisiert, das mal nur als Beispiel.

    Die Schweizer Oeffentlichkeit soll weiter darauf eingestimmt werden, hinter jeder Kritik am Bankgeheimnis etc. Angriffe des Auslands auf die unschuldige, brave Schweiz zu sehen, bösartige, ungerechtfertigte Attacken (nicht einmal vor breitflächiger Spionage schrecken sie zurück!), die es im Kollektiv abzuwehren gilt. Die Schweizer sollen die Interessen von UBSCS etc.als ihre ureigenen, völlig deckungsgleichen Interessen und die ihres Staates begreifen, als gäb es da nicht noch ein paar kleine Unterschiede privatwirtschaftlichen und öffentlichen Interessen.

    Wer solche Artikel wie den erwähnten Frontaufmacher für Zufall hält, unterschätzt das geölte und geschmierte Räderwerk, das hinter den Kulissen rotiert (Es wurde in diesem Blog schon einmal in ganz vorsichtigen Ansätzen beschrieben, samt Namen und Zusammenhängen …)

    Den Entscheid, ob ein Thema Frontaufmacher-Qualität einer Wochen(!)-Zeitung hat, trifft in der Regel (bez. hoffentlich!) der Chefredaktor. Er hat ja eine Woche Zeit dazu. Dann soll er den bemerkenswerten Entscheid in diesem besonderen Fall doch mal in seinem Editorial rechtfertigen. Mit einer Begründung nach journalistischen Kriterien käme er da nicht weit, höchstens mit einer ideologischen Argumentation. Sicherlich könnte er bei dieser Gelegenheit gleich auch die augenfällige Koinzidenz von „Bühler und Bühler“ klären, als völlig harmlos, wie wir vorfreisprechend einfach einmal annehmen wollen.

    Es gäbe ja wirklich interessante Ansatzpunkte für eine tiefere Recherche, die aber von der „NZZ am Sonntag“ nur ganz , ganz nebenbei gestreift werden: etwa die Rolle von Swift in Brüssel, jenen zentralen Knotenpunkt des internationalen Zahlungsverkehrs, wo nach „11/9“ amerkanische Geheimdienste Zugriff auf intimste Daten des globalen Bankdatenverkehrs nahmen. Bis heute ist das Ausmass unbekannt und auch, ob immer noch Zugriff genommen wird, was wahrscheinlich ist.

    Die Schweiz ist in den Gremien von Swift über unsere Grossbanken vertreten. Die versuchen, den Swift-Apparat in die Schweiz zu holen, weil das ihrem Geschäftsmodell entgegen kommt und ein unbezahlbares Marketingargument wäre. Das ginge aber nur mit Hilfe der USA. Und die setzen ihren Preis für sowas fest. Und sie können öffensichtlich auch bestimmen, wann sie auf was Zugriff haben.

    Zur Zeit geht es gerade um das Doppelbesteuerungsabkommen, das offenbar fertig ausgehandelt ist und das einer wohlwollenden medialen Begleitung in der Schweiz bedarf. Wenn ein Land mit 7,4 Millionen Einwohnern, das von allen Seiten unter Druck steht, ein solches Abkommen mit einem Land mit 300 Millionen Einwohnern abschliesst, hat auch das auf jeden Fall seinen Preis. Welchen? Der steht sicher nicht im Abkommen.

    Da mehr Licht hereinzubringen und unserem mit seiner Kontrollfunktion völlig überforderten Teilzeit-Parlament etwas zu helfen (gern auch mit Frontaufmachern), wäre sehr verdienstvoll für eine kregle, vollkommen unabhängige Wochenzeitung, wenn auch solche Aktivitäten nicht zwangsläufig überall auf warme Zustimmung stossen würden.

  11. Bobby California:

    Fred David > Sie haben einmal mehr einen rattenscharfen Kommentar geschrieben, herzlichen Dank! Könnte man Ihre(n) Kommentar(e) nicht zB in der (vollkommen unabhängigen) WOZ abdrucken? Dort würde er eine grössere Leserschaft erreichen (die er verdient) als hier. Oder noch besser: zuerst könnte man den Text der (angeblich unabhängigen) Weltwoche unterbreiten und ihn dann mitsamt der Begründung, warum die Weltwoche ihn nicht will (vermutlich würde die Weltwoche sagen, sie wolle der Wirtschaft keine Steine in den Weg legen oder so), der WOZ geben.

  12. 1. Danke Bobby! (Für den regelmässigen Hinweis auf mein furchtbar unprofessionelles Blog.)

    2. Die Kommentare von Fred David gehören nicht in die WOZ, sondern auf die NZZ-Frontseite.

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