Aus, Punkt(.ch), Schluss
Die Gratiszeitung «.ch» stellt ihr Erscheinen per sofort ein. Dies gab der Verwaltungsrat der Punkt ch AG am Montagvormittag bekannt (via «persoenlich.com»). Von der Einstellung betroffen sind 69 Personen in Redaktion und Verlag. Insgesamt 61 Stellen werden abgebaut.
Was man bereits mit einem Bruchteil der in das Gratisblatt investierten -zig Millionen Franken nur alles hätte machen können! (Falls noch etwas Geld übrig sein sollte, hätte ich schon noch die eine oder andere Idee in der Schublade.)
Jedenfalls kann sich Tamedia mit «News» und «20 Minuten» zumindest am Morgen nun wieder an einem Monopol auf dem Pendlerzeitungsmarkt erfreuen.
Bemerkungen
Die Frage ist, wie lange NEWS überlebt - von TA-Media lanciert, um .ch das Leben schwer zu machen. Jetzt, wo .ch verschwindet, ist das Ziel erreicht.
Von: Jay am 04.05.09 13:44
Posted on 04.05.09 13:44
.ch R.I.P., NEWS folgt wohl nach einer respektvollen Trauerfrist nach.
Von: swe am 04.05.09 15:32
Posted on 04.05.09 15:32
Fragt sich auch, was mit dem Baslerstab weiter geschieht. Immerhin wurde das Traditionsblatt auf 40% Erscheinungsweise herabgedrückt. Was soll eine Gratiszeitung zweimal in der Woche??
Von: Thommen am 04.05.09 21:04
Posted on 04.05.09 21:04
NEWS bleibt, weil damit auch zukünftig potentielle Konkurrenten abgeschreckt werden. Sonst wäre eine Neuerscheinung nur (noch mehr) eine Frage der Zeit, wenn die Jahre wieder fetter werden.
Von: Lke am 04.05.09 21:45
Posted on 04.05.09 21:45
Das Geld, das bisher mit News als - sinnvolle - Abwehrstrategie verlocht wurde, kann jetzt voll und ganz in die Neupositionierung vom "Bund" investiert werden: eine völlig neu konzeptionierte, moderne, anspruchsvolle, intelligente, schlanke nationale Zeitung unter altem Namen - die sich auch noch rechnen wird!
Monsieur Kall, Sie gehen in die Geschichtsbücher ein, wenn Sie das packen. Sonst halt nur in den nächsten Geschäftsbericht. Gewünschtes bitte ankreuzen.
"20 Minuten" deckt im übrigen den eher wieder schrumpfenden Gartismarkt bestens ab. Dass ein neuer Investor auf diesem Markt weitere Millionen verbrennen will, ist unwahrscheinlich. Der Vetrieb ist alles. Und den kontrollieren Tamedia und Ringier, und ein bisschen noch die NZZ.
Von: Fred David am 05.05.09 09:59
Posted on 05.05.09 09:59
Fred David > Wenn man sieht, wie das Newsnetz vertrasht wurde und wie jetzt der Tagi ver-SVP-isiert wird, ist klar, wie der Herr Kall die Prioritäten setzt.
Dass der Erfolg eines Mediums oder einer Mediengattung heute vorwiegend vom Vertrieb und fast gar nicht vom Inhalt abhängt, stimmt mich nachdenklich.
Von: Bobby California am 05.05.09 18:40
Posted on 05.05.09 18:40
@) Bobby California: Das mit dem Vertrieb bezieht sich hauptsächlich auf die Gratisblätter. Aber ein vorhandenes Vertriebsnetz wäre gerade für einen neuen "Bund" essenziell, den man zu einer nationalen Tageszeitung aufbauen müsste (und könnte), zu einer starken Stimme, die gehört wird und die nicht im Jekami-jedem-recht-mach-Einerlei untergeht.
Gerade, weil der "Tagi" jetzt "ver-SVP-isiert" wird, wie du schreibst und als Regionalzeitung fast zwangsläufig breiig konturlos ausläuft, wäre ein modernes , schlankes, profilstarkes "Bund"-Konzept eine Alternative, die sich rechnet.
Natürlich hätte sowas im Tamedia-Konzern neben dem "Tagi" Platz. Dieses Konzept würde auch nach aussen demonstrieren, dass da Manager am Werk sind, die das Verlegerhandwerk wirklich noch als solches verstehen und beherrschen.
Da müssen die betroffenen Damen und Herren Journalisten ihren Oberen halt auch mal ein wenig Feuer unterm Hintern machen. Nur mit der Forderung "Rettet den (alten) Bund" ist es nicht getan.
Man muss auch klar sagen, wie der neue "Bund" aussehen müsste, mit einer nachvollziehbaren betriebswirtschaftlichen Kalkulation. Das geht. Aber nur mit eine stark geschrumpften Redaktion. Da führt kein Weg vorbei.
Ich meine: "Medienspiegel" wäre doch eine Plattform, wo man das mal durchkauen könnte. Ich verstehe nicht, warum die Kolleginnen und Kollegen, aber auch die Leser und Leserinnen diese Chance hier nicht offensiver nutzen. Geht ja schliesslich auch um ihre Interessen.
Von: Fred David am 06.05.09 09:58
Posted on 06.05.09 09:58
Fred > Ich bewundere Dein journalistisches Temperament, und ich würde einen neuen «Superbund» sofort abonnieren. Nur glaube ich nicht, dass in dieser verschnarchten Bananenrepublik so ein tolles Projekt eine Chance erhalten wird.
Tamedia hat ja früher, als sie sich noch nicht so nannte, selber mal so eine tolle Zeitung herausgegeben und ist jetzt daran, sie zuschande zu reiten. Also ist die Hoffnung klein, dass ausgerechnet diese Firma in absehbarer Zeit wieder das Steuer herumreissen wird.
Von: Bobby am 06.05.09 19:08
Posted on 06.05.09 19:08
@) Bobby: Ich bin nicht so pessimistisch. There is a straw in the wind! Als Verleger, sofern man sich noch als solcher versteht, muss man so etwas spüren.
Es gibt in der Schweiz eine ziemlich grosse Leserschicht, die sich total unterversorgt fühlt. Ich kann natürlich auch nicht quantifizieren, wie gross die ist, ich habe ja keinen teuren Verlagsapparat zur Verfügung... Aber sie ist da. Und sie ist hungrig - und hat auch zunehmend Zorn im Bauch.
Diese Leserschicht braucht man nur mit einem entsprechenden, leicht elitären, wirklich und nicht nur geschwätzt liberalen Angebot abzuholen. Der Blick über den Tellerrand. modern gestaltet, top geschrieben, analytisch mit Zusammenhängen und Hintergründen, urban und meinungsstark profiliert.
Es liegt doch auf der Hand: Tamedia hat einen ganzen Kranz von Regionalzeitungen: Tagi, Landbote, Berner Zeitung, Thurgauer Zeitung usw. Diese Blätter sollen sich um ihre Region kümmern, müssen daher im Meinungs- und Themenspektrum zwangsläufig in die Breite gehen.
Hier käme der neue "Bund" zum Zug , mit täglich nicht mehr als 20 oder 25 Textseiten (Politik, Wirtschaft überregional, Kultur als Schwerpunkte; alles andere radikal weg!).
Der neue "Bund" würde den Abonnenten der Regionaltitel als Zweitzeitung im Abo-Kombi angeboten (ebenso als Anzeigen-Kombi). Die Regionaltitel behielten ihre Inland-, Ausland- und Wirtschaftsteil, aber stark reduziert, viel Agentur-Material sowie Kommentare und Analysen in Verbindung mit regionalen Besonderheiten, im Trend eher konservativ.
Auch viele Leser der Luzerner Zeitung, des St.Galler Tagblatt , der Basler Zeitung, der Nordostschweiz, würden eine solche Zweitzeitung zu ihrer Regionalzeitung schätzen, deren Abopreis natürlich entsprechend angepasst werden muss.
Deswegen muss der neue "Bund" auch relativ dünn sein. Das kommt dem heutigen Leseverhalten ausserdem entgegen; reduced to the max; die Not zur Tugend gemacht. Die Zeitung müsste auch mit einer kleinen Kernredaktion auskommen.
Daneben könnte ein kleines Netz von frei arbeitenden Medienbüros organisiert werden, die die Dossierkompetenz des "Bund" auf spezifischen Kerngebieten zu erschwinglichen Bedingungen sichern. Es geht! Und es gibt die Journalisten! Die würden sogar für weniger Geld bei so einem Projekt mitmachen. In Scharen!
Dem "Bund" käme im Kombi mit den eher konservativ ausgerichteten Regionalzeitungen die progressive Rolle zu. Kombi-Abonnenten bekämen also einen breiten Teil des Spektrums mit. Diese Trennung würde dem breiig auslaufenden Alle-recht-mach-Trend, der bei Regionaltiteln immer stärker zu beobachten ist, etwas entgegensetzen.
Man spürt es doch: Die Zeiten stehen auf Veränderung, auch wenn die Schweiz da länger braucht, wie immer. Der "Bund" hat im 19.Jahrhundert schon einmal eine Vorreiterrolle gespielt. Worauf wartet man denn noch? Hier kann man anknüpfen. Es passt alles.
Von: Fred David am 07.05.09 09:16
Posted on 07.05.09 09:16
@Fred David:
> Deswegen muss der neue "Bund" auch relativ dünn sein.
Ja, bitte! Ich freue mich jeden Sommer, wenn die Zeitungen dünner werden, und Sonntagszeitungen kaufe ich kaum, weil mich ihr schieres Gewicht abschreckt... Auf wenigen Seiten das Wesentliche klug zusammengefasst und eingeordnet zu kriegen, scheint mir ein grosses Desiderat dieser informationsüberfluteten Zeit zu sein.
Von: phemios am 07.05.09 11:27
Posted on 07.05.09 11:27
@)phemios: Jaa! Aus der Not eine Tugend machen. Ist nicht leicht. Aber es geht. Leserinnen und Leser wären dankbar. Und ich behaupte: Auch Inserentinnen und Inserenten. So ein Umfeld würden sie so schnell nicht wieder bekommen.
Der altehwürdige "Bund", der über 150 Jahre auf dem Buckel hat, könnte zum Vorreiter eines zumindest in der Schweiz neuen, jungen, modernen Zeitungstypus werden. Das ist doch an sich schon eine faszinierende Perspektive.
Wer da als Verleger nicht zugreift...!
Naja, mehr an Animation können wir hier jetzt auch nicht mehr machen.
Von: Fred David am 07.05.09 20:24
Posted on 07.05.09 20:24
Noch eine kleine Korrektur und ein dickes Sorry an den Kollegen Masüger in Chur: Ich meinte im obigen Post natürlich die "Südostschweiz", die sich im "Norden" wahrscheinlich nicht so wohl fühlen würde, eine Zeitung, die ich sehr schätze, aber offensichtlich zu selten lese. Ich gelobe Besserung.
Von: Fred David am 07.05.09 20:38
Posted on 07.05.09 20:38
Die Idee einen Bund im WELT-Kompakt Format zu lancieren gefällt mir. Nur ist das Unternehmerische Risiko für die Tamedia dazu viel zu gross. Die Tamedia wird alles daran setzen, die Leader im Golden Triangle Bern-Basel-Zürich zu halten. Dazu gehört um jeden Preis die Regionalisierung der NZZ in eben diesem Dreieck zu verhindern. Solange der Bund in Bern Marktführer bei den Leadern ist (i.e. Beamte ...) wird die Tamedia also sehr behutsam am Bund rumbasteln. Ein Bund mit der BZ hätte den Beamten (i.e. Leader) grad gar nicht gefallen, weil die BZ der Zürcher SVP nach dem Maul schreibt. Ein BUND-Kompakt hätte bei den behäbigen Beamten das Gewohnte zu stark in Frage gestellt. In beiden Fällen wären Tür und Tor für eine Berner Regionalausgabe der NZZ offen gestanden. Der Bund mit dem Tagi allerdings kommt sowohl bei bei den staatsgläubigen Leadern wie auch bei den Weltverbesserern aus der Reithalle gut an ...
Von: Tino am 13.05.09 13:18
Posted on 13.05.09 13:18
@) zu deinem letzten Satz: Ja, wenn es so kommt, muss das Ergebnis zwangsläufig ein immer breiigeres, hybrides Mischimaschi-Wischiwaschi werden, das es allen rechtmacht, kein Profil, keine Abweichung, keine eigene Meinung. Fad. Erwartbar.
Kurz: Grauslich.
Ich lebe in St.Gallen. Hier gibt es nur eine Tageszeitung, das "Tagblatt" (gehört zur NZZ-Gruppe). Das kommt optisch flott daher, ist aber inhaltlich dermassen eingeebnet, breiig, völlig konturlos, ohne jede eigene Initiative (weil keine regionale Konkurrenz zu mehr Eigenaktivität zwingt), Themen nach Einladungslisten und Communiqués abarbeitend, kaum je etwas gegen den Strich, eine geradezu unerträgliche insitutionalisierte Bravheit.
Und als Konsument hat man keine Möglichkeit, anderswohin auszuweichen, was die Region betrifft.
So etwas kann man den Berner Mutzen doch nicht wünschen!
Von: Fred David am 14.05.09 12:49
Posted on 14.05.09 12:49
news, .ch, 20min.
habe grad mein comingout als künstler gemacht :-P
http://blog.rebell.tv/p11814.html
Von: /sms ;-) am 26.05.09 19:49
Posted on 26.05.09 19:49