Medienwebsites als Content-Diebe?

Seit Anfang Jahr verzichtet die deutsche WAZ Mediengruppe («Westdeutsche Allgemeine Zeitung» [«WAZ»], «Westfälische Rundschau» etc.) auf die Dienste der Agentur dpa. Dass der Medienkonzern aber dennoch nicht auf Meldungen der grössten Nachrichtenagentur Deutschlands verzichten kann bzw. will, zeigt u.a. dieser Blog-Eintrag von Stefan Niggemeier.

Agenturmeldungen abkupfern ist für «WAZ»-Chefredaktor Ulrich Reitz denn auch einfach «ein Stück weit die neue Welt», wie er in einem Bericht des NDR-Medienmagazins «Zapp» freimütig verlauten liess:

    «Wenn sie heute gucken, wie Nachrichtenredakteure an neudeutsch ‹Newsdesken›, Nachrichtentischen, in Großräumen arbeiten und recherchieren, um diese Basisversorgung sicherzustellen. Die sind den ganzen Tag im Internet. Die haben vielfältige Quellen aus dem In- und Ausland, die sind in allen Medien ständig unterwegs und surfen sich durch.
    […]
    Und so, wie wir Informationen von ‹dpa› benutzen oder weiter daran arbeiten, so machen wir es aber auch mit anderen Informationsquellen, ohne für diese Informationsquellen zu bezahlen. Vielleicht ist das ein Stück weit die neue Welt. Die Zahl der Quellen hat sich ja auch dramatisch vermehrt.»

«Die WAZ ist leider kein Einzelfall», schreibt Hardy Jäggi, Marketingleiter der Schweizerischen Depeschenagentur, in der aktuellen Ausgabe des SDA-Newsletters:

    «In der Schweiz gibt es auch Medien, die den SDA-Dienst gekündigt haben und sich nun im Internet und mittels RSS-Feeds SDA-Meldungen beschaffen.
    […]
    Medien die den Agenturdienst kündigen und dennoch verwenden, verletzen in grober Art und Weise den genossenschaftlichen Gedanken, der einst zur Gründung der Nachrichtenagenturen führte. Besonders störend ist, dass selbst Aktionäre der SDA die Agentur schädigen.»

In einem Kommentar zu diesem Medienspiegel-Eintrag gibt Jäggi noch einen drauf:

    «Wenn von Parasiten die Rede ist, werden immer Google und andere Aggregatoren erwähnt. Dabei gehen leider Medienwebsites vergessen, die bei den redaktionellen und finanziellen Mitteln sparen und sich die News für ihr Portal überall im Internet ‹zusammensuchen› (um nicht zu sagen ‹stehlen›).»

Laut einem Artikel des Medienmagazins «Klartext» haben sowohl die «Neue Luzerner Zeitung» als auch der Verbund «Mittelland Zeitung» ihre SDA-Abos (für Print?) bereits 2007 gekündigt. Auch das Gratisblatt «.ch» hat sich vor wenigen Wochen unter möglicherweise nicht ganz koscheren Umständen von der Nachrichtenagentur (und von Keystone) losgesagt, wie der «Landbote» am 21. März 2009 berichtete (Artikel online nicht frei zugänglich).

Aber auf welche Medienwebsites sich Jäggi wohl beziehen mag?

«A-z.ch», die Website der Mittelländer, dürfte fein raus sein, werden dort SDA-Meldungen doch klar als solche ausgewiesen. «Zisch», der Internetauftritt der «Luzerner Zeitung», deckt «Internationale und nationale News» über einen – oh Schreck! – Frame mit Headlines von «NZZ Online» ab; mit «SDA» gekennzeichnete Meldungen sucht man unter zisch.ch hingegen vergebens. Auf www.punkt.ch schliesslich herrscht auf den mit «Inland» oder «Wirtschaft & Geld» überschriebenen Seiten – zumindest derzeit – gähnende Leere.

Welche Medienwebsites könnten sonst noch als potenzielle Content-Räuber in Frage kommen?

von Martin Hitz | Kategorie: Sparschwein

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