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11. August 2009

Sparschwein

Die «Flüchtigkeit» der User oder: Reichweite ist nicht alles

Hier die aktuellen Nielsen-Zahlen (Juni 2009) zur durchschnittlichen Verweildauer auf ausgewählten amerikanischen Zeitungswebsites. Nicht in Stunden, sondern in Minuten und Sekunden - und pro Monat, wohlverstanden!

USAToday.com: 15:51
NYTimes.com: 14:29
Washingtonpost.com: 11:10
WSJ.com: 06:46
(Weitere Zahlen gibt's auf «editorandpublisher.com»)

Kein Wunder also, dass die Marketingabteilungen der Verlage vor allem mit Visits und Page Impressions hausieren.

Irgendwann dürfte aber auch die Werbewirtschaft realisieren, dass User, die nur wenige Sekunden auf einer Website verbringen, nicht besonders «wertvoll» sind. Oberstes Ziel von Website-Betreibern sollte deshalb nicht die Maximierung von Page Impressions sein. Klüger wäre es, das Augenmerk auf die Erhöhung der «Qualität» des Traffics bzw. auf die Stärkung der Leserbindung («Engagement») und damit auf eine längere Verweildauer zu richten.

Bill Grueskin, vormals Managing Editor von «WSJ.com», schreibt dazu:

    «What's missing is the more important quality: engagement. Readers' time can be as valuable as their money – more so online, where options to flee to another news source involve clicking a mouse, not heading to the newsstand to buy a different newspaper.

    You see this error in the way online publishers gauge their traffic. They usually cite monthly unique users, but, in fact, I've always thought total time spent per user, or page views per visitor, were more meaningful metrics.

    If a news site gets 250,000 new unique users thanks to a link on Drudge, and that generates exactly 250,000 page views, the value of that traffic is minimal. All it shows is that those readers are engaged with Drudge, not the news site.»

Ganz ähnlich formuliert es «Handelsblatt»-Blogger Thomas Knüwer:
    «Wer zum ersten Mal die Verweilzeiten auf einer Nachrichten-Site sieht, könnte geschockt sein. Denn die Nutzer verbringen dort nicht Stunden um Stunden, sondern bestenfalls Minuten. Dieser Durchschnittswert ist dabei nur die halbe Wahrheit. Mancher bleibt durchaus länger, viele, viele, viele, aber nur ein Sekündchen. Sie werden angelockt über Suchmaschinen und finden nicht das Gewünschte. Oder sie zappeln im Zehntelsekundentakt durch unsinnige Bildergalerien. Doch jeder Klick simuliert Leserinteresse - auch wenn das gar nicht vorhanden ist.

    Dies ist Folge eines falschen Anreizsystems. Online-Werbung wird noch immer zu stark nach Ad Impressions bezahlt - faktisch der Zahl der Menschen, die eine Anzeige theoretisch betrachten könnten (so sie diese nicht im Kopf schon ausblenden). Wichtiger wäre die Verweilzeit auf einer einzelnen Seite, ebenso die Frage, ob Leser sich mit Inhalten beschäftigen und, zum Beispiel, kommentieren.»

Gut möglich, dass Christian Unger das auch so sieht. Auf die Frage
    «Tamedia/Edipresse haben die Strategie, im Online-Bereich viel Reichweite zu bolzen. Gilt das auch für Ringier?»
gab der Ringier-CEO im vergangenen März gegenüber der «Werbewoche» nämlich zur Antwort:
    «Für Tamedia macht das Sinn, deshalb kauften sie auch ein klassisches Verlagshaus. So erhalten sie Marktanteile, auch im Online-Bereich kaufen sie sich Visits und Traffics. Für uns ist das weniger interessant. Wir wollen mit transaktionsbasierten Geschäftsmodellen Geld verdienen. Wobei natürlich im Portalbereich ein toller Traffic hilfreich ist. Aber irgendwann kommt die Zeit, wo Traffic qualifiziert werden muss – und dann zählt auch seine Qualität. Uns ist diese Dimension wichtig. Da unterscheiden wir uns von anderen.»

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Bemerkungen

Bobby «Meinjanur» California:


Keine Kommentare? Seltsam. Dabei müsste man nur ein Wort im vorliegenden Text ändern, und die Internet-Gläubigen und Gratis-Fetischisten vom Schlag eines Mario Sixtus oder Ugugu würden laut aufheulen:

«If a news site gets 250,000 new unique users thanks to a link on GOOGLE, and that generates exactly 250,000 page views, the value of that traffic is minimal. All it shows is that those readers are engaged with GOOGLE, not the news site.»

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