Staatliche Presseförderung

Nach Rainer Stadlers düsterem Leitartikel vom vergangenen Wochenende («Der Untergang der alten Medien-Schweiz») plädiert Norbert Neininger, Verleger und Chefredaktor der «Schaffhauser Nachrichten», in der aktuellen «NZZ»-Medienbeilage nun für mehr indirekte staatliche Presseförderung:

    «Was für das Gemeinwesen wichtig ist, muss erhalten werden. Zuerst also stellt sich die Frage, ob unsere direkte und föderalistische Demokratie auf eine vielfältige Medienlandschaft und informierte und mündige Bürger angewiesen ist. Wenn es diesen ‹Bannwald der Demokratie› aber braucht, so müssen wir (auch staatliche) Massnahmen veranlassen, die sein Überleben möglich machen.»

Update: Nicht ganz, aber fast in diesem Zusammenhang schreibt «Perlentaucher» Thierry Chervel:

    «Wer weiß, ob nicht demnächst dem mit acht Milliarden Euro versorgten öffentlich-rechtlichen System von Fernsehen und Radio eine staatlich subventionierte Presse gegenübersteht, zwei Horte verwalteten Tiefsinns und ‹notwen­diger Verspätung›, während sich im übrigen Netz die freie – unbezahlte und misstrauisch beäugte – Öffentlichkeit tummelt.»

Update, 11. März 2009: In einem Interview mit «persoenlich.com» doppelt Norbert Neiniger nach.

von Martin Hitz

3 Bemerkungen zu «Staatliche Presseförderung»

  1. gis:

    Was es braucht, sind unabhängige Medien. Medien, die, ohne dass der Staat seine Finger im Spiel hat, den “mündigen Bürger” informieren. Bundes-Bern beeinflusst dank seinen grossen Kommunikationsbudgets und dem de facto Monopol bei Radio und TV (national) bereits jetzt die Berichterstattung des “Bannwalds der Demokratie” zu seinen Gunsten. Wo soll das denn enden, wenn der Staat auch noch Mittel einschiesst? Dann können wir diesen Bannwald getrost abholzen.

  2. Bobby California:

    Wenn es keine Qualitätszeitungen mehr gäbe, wäre dies ganz einfach das Ende der Demokratie. Denn ohne gute Zeitungen kann man sich nicht informieren, basta. Also ist es nötig, mit allen Mitteln das Verschwinden der Zeitungen zu verhindern. Staatliche Förderung ist sicher nicht das schlechteste Mittel. Das wäre immer noch besser als ein Sponsoring der Wirtschaft.

    Vor allem aber müsste man sich mal überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, um Zeitungen wieder in die Gewinnzone zu bringen. Es zeigt sich immer deutlicher, dass die Gratis-Strategie nicht aufgehen kann. Wenn ein grosser Teil des Contents im Internet gratis zu haben ist, dann ist es ja nur logisch, dass sich dies auf die Verkäufe der Printausgabe negativ auswirkt. Wenn ein Verlag seine Qualitätszeitung mit zwei Gratisblättli konkurrenziert, dann ist es auch klar, dass die Auflage der Qualitätszeitung nicht unbedingt steigen wird. Statt jeden Gratiskelch an sich zu reissen, müssten sich die Verleger bewusst werden, wie wichtig es ist, dass es die Qualitätszeitungen weiterhin gibt.

    im übrigen habe ich lieber verwalteten Tiefsinn als rentablen Schwachsinn.

  3. Schon lustig: Nachdem bereits die UBS erfolgreich die hohle Hand gemacht hat, kommen jetzt die Medien. Und kaum macht man wieder Gewinne, schreit man dann nach “weniger Staat”.

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