«NZZ»-Stehsatz

    «[Die NZZ] ist betulich und hinkt oft der Aktualität hinterher. Die Redaktion jedoch verklärt die eigene Langsamkeit gern als unaufgeregte Reflexion. De facto aber ist die Langsamkeit oft nur Bequemlichkeit. Allzu häufig hält das Blatt mit dem Tempo einer sich immer schneller drehenden Informationsindustrie nicht mehr mit»,

schreibt Kurt W. Zimmermann in der aktuellen Ausgabe der «Weltwoche».

Betulich, indeed. Oder wie anders ist Viel-, Lang- und Zu-alles-und-jedem-Schreiber Urs Schoettlis Artikel in der heutigen «NZZ» zu deuten?

    «Heiss sind die Sommermonate in Kaifeng, doch wenn der Abend sich nähert und die stechende Sonne endlich als roter Ball am Horizont versinkt, beginnt hier wie in jeder chinesischen Stadt das abendliche, rege Familienleben auf den Strassen und in den Parks. [...]

    Das zeitlose China nimmt einen gefangen, und melancholische Gedanken über Kaifengs längst vergangene Glorie paaren sich mit der Dankbarkeit, in dieser sympathischen Stadt ein paar Tage bukolischen Provinzlebens verbracht zu haben.»

von Martin Hitz

3 Bemerkungen zu ««NZZ»-Stehsatz»

  1. Bobby California:

    Eine Trouvaille! «Wenn der Abend sich nähert, beginnt das abendliche Familienleben…» lausig redigiert ist der Text auch.

  2. sam:

    erstens: feuilleton darf beschaulich sein (betulich find ichs nicht). zweitens lese ich urs schoettlis rundumschläge ganz gern.
    aber ja, redigieren dürfte die nzz schon.

  3. Michel:

    Kurt W. Zimmermann ist eben ein Durchlauferhitzer, dem die Dinge nicht genug schnell gehen können. Zudem muss er im typischen Weltwoche-Rumpel-Journalismus auf alles einschlagen, was ihm nicht passt – oder vielleicht besser: Was er nicht versteht.

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