Personalisierte Zeitung: Die Post macht’s möglich

Dass man so etwas aus der amerikanischen «Online Journalism Review» erfahren muss:

    «Newspapers are „one size fits all“ publications fighting to survive in a world gravitating toward personalized and niche media. But what if you could have the best of both worlds – the serendipity of browsing a newspaper combined with content and advertising that was tailored just for you?

    This idea has been kicking around for years, but in Europe, the Swiss Post (that’s the postal service, not a newspaper) and the German tech startup Syntops are making it happen with their Personal News project. This is a small experiment, but a fascinating one that offers a mashup of section fronts from select newspapers in Europe and the U.S. […].

    Here’s how it works:

    You register online and select up to seven newspaper sections by checking a box. Participating newspapers include The Washington Post, The Washington Times, Austria’s Der Standard, Switzerland’s Tages-Anzeiger and others. You can change your selections daily as long as you do so before the nightly 7 pm cutoff:

    The participating newspapers deliver their product in PDF format to the Swiss Post, which then sends them to Syntops where the company’s custom software, Syntops GmbH, assembles individualized PDFs. The PDFs are printed and dropped off to Swiss Post by 7 a.m. for delivery to the home by 11 a.m. There also is a digital version of Personal News available online.»

Deutschsprachige Erklärungen dazu gibt’s hier und hier.

Siehe auch:
Die Informationsvermittlung individualisieren

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

11 Bemerkungen zu «Personalisierte Zeitung: Die Post macht’s möglich»

  1. Andreas Stricker:

    Ein schönes Detail am Rande finde ich auch, wie unsere tollen Anglizismen in den englischsprachigen Ländern interpretiert werden:
    „… the Swiss Post (that’s the postal service, not a newspaper) … „

  2. mds:

    Wenigstens kommen sie bislang noch nicht auf die Idee, das gedruckte PDF in den Briefkasten zu legen … die Idee zeigt exemplarisch, wie Verlage nicht in der Lage sind, sich von toten Bäumen zu verabschieden – sie versuchen sie stattdessen online nachzubilden.

  3. mds:

    Ich muss mich korrigieren – das PDF wird tatsächlich auch noch ausgedruckt, bislang nur für eine Fokusgruppe … unglaublich! :->

  4. @mds: Da wage ich zu widersprechen. Die ältere – sagen wir mal – Hälfte der Bevölkerung, zu der ich mittlerweile wohl auch zähle, möchte für die nächsten zehn oder zwanzig Jahre auf gedruckte Informationen, Hintergründe und Analysen vermutlich nicht verzichten. Pull (Internet) ist ja ganz schön, Push (Print) kann aber auch sehr angenehm sein.

  5. Dann wage ich hier ebenfalls zu widersprechen, und rechne mich jetzt einfach mal frech zur anderen Hälfte der Bevölkerung, die zwar durchaus noch mit Papier sozialisiert wurde, aber sich bereits ein Leben (fast) ohne haptische Lesevergnügen vorstellen kann. Ausnahme: Bücher. Ein „Kindle“ kommt mir vorläufig nicht ins Haus, es sei denn, um darauf Zeitungen zu lesen ;-)

  6. Oliver:

    Also man hätte das nicht nur aus der „Online Journalism Review“ erfahren können, sondern am Freitag auch aus der AZ/Mittelland Zeitung. Zugegeben: Online leider nicht.

  7. mds:

    @Martin: Nicht alle Alten sind auch rückständig. Ich staune mittlerweile, wer mir alles nicht nur E-Mail sendet, sondern auch bei Facebook online ist und Anrufe per Skype empfängt … und was Print betrifft, so hoffe ich, dass die ganze E-Paper-Entwicklung das Lesen auch an «Bildschirmen» in Zukunft angenehm gestalten wird.

  8. Bobby California:

    mds> Sie glauben, Sie könnten sich als besonders moderner Zeigenosse aufspielen, indem Sie Leute, die die Zeitung auf Papier lesen wollen, als «rückständig» beschimpfen. Lassen Sie sich sagen: Eine Zeitung auf dem Bildschirm zu lesen, ist nicht nur ungesund für die Augen, es ist vor allem total mühsam. Damit Sie mich richtig verstehen: Ich rede von einer Zeitung, nicht von einem Gratisblatt. Ein Papierformat wie es der Tages-Anzeiger hat, lässt sich auf einem Laptop nicht befriedigend darstellen. Immer rauf- und runterscrollen, nein danke. Oder ewig lange Textbandwürmer auf dem Bildschirm angucken, das macht wirklich keinen Spass. Im Bett liegend kann ich den Laptop auch nicht lange halten, da krieg ich bald Muskelkrämpfe.

    Nebenbei: Leute, die glauben, sie können sich wichtig machen, indem sie dauernd andeuten, dass Papier aus toten Bäumen produziert wird, kann ich nicht mehr ernst nehmen. Haben Sie sich schon mal überlegt, wie viele Bäume und andere Lebewesen sterben und wieviel CO2 produziert wird, weil Sie sich die News auf Ihrem Compi reinziehen?

  9. gygibert:

    Nette Debatte hier, tote Bäume, Textbandwürmer, alte Säcke. Ich hab heute – vergeblich – nach dem Ausdruck von Swiss Post gesucht, den mir die Syntops versprochen haben. Immerhin lag ein hübsch gemachtes PDF in der Mailbox. Da stand drauf: „Guten Morgen Herr Gygi“. Fand ich irgendwie freundlich.

  10. Ernesto:

    Anstelle von «alte Säcke» würde ich empfehlen, den Begriff «funktionale Analphabeten» zu verwenden. Damit meine ich nicht diejenigen, die sowohl Zeitung lesen als auch online leben. Ich meine diejenigen, welche die Zeitung als primäre Informationsquelle nutzen und sich gar nicht oder sehr rudimentär im Web bewegen. Für solche Leute mag der Service der Schneckenpost durchaus seinen Reiz haben. Nur: diese Leute sterben aus, da es sich zumeist um ältere Zeitgenossen handelt und weil bei den jüngeren und den Nochnichtgeborenen das Bildungsniveau und die Medienkompetenz laufend zunehmen wird.

  11. Oliver:

    @gygybert: Offenbar werden in der Testphase nur jene 50 Kunden mit einem gedruckten E-Paper (!?!) beliefert, die sich als erste angemeldet haben.

Antworten abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *