In ihrer Silvesterausgabe hat die «NZZ» erstmals Details zur bereits kommunizierten Sparübung bekannt gegeben (online nicht frei zugänglich!).
Die «Verwerfungen auf den internationalen Finanzmärkten und die stark abkühlende Wirtschaftslage» würden das Unternehmen dazu zwingen, die Kosten zu senken:
- «Im Vordergrund stehen dabei die Reduktion von Herstellungskosten, die konsequente Effizienzsteigerung und die Nichtbesetzung vakanter Stellen. Leider kommt es aber auch zu einem Abbau von 24 Vollzeitstellen (29 Personen), der sich über alle Unternehmensbereiche verteilt.»
Ausgedünnt wird u.a. auch das Korrespondentennetz:
- «So wird bei der ‹Neuen Zürcher Zeitung› das Korrespondentennetz in der Schweiz und im Ausland im Laufe des Jahres auf einigen Posten vorzeitig personell erneuert, wobei es auch zu einer Verschiebung von regionalen Zuständigkeiten kommt. In einigen wenigen Fällen werden Posten abgebaut bzw. in ihrem Volumen reduziert. Dies geschieht primär an Orten bzw. in Regionen, wo bisher mehrere Vertretungen existierten (Frankreich, Grossbritannien, Benelux, südliches Afrika, Südosteuropa). Der Anspruch auf eine adäquate Abdeckung des in- und ausländischen Geschehens in Politik, Wirtschaft und Kultur wird damit in keiner Weise aufgegeben.»
Erneut modifiziert wird zudem die Beilagenstruktur des Qualitätsblatts: Die erst vor drei Jahren eingeführte Schnellleseseite «NZZkompakt» wird gleich ganz eingestellt. Das ziemlich verunglückte Freitags-«Dossier» wird ebenfalls aufgehoben. An dessen Stelle erscheinen die Beilagen «Mobil • Digital» und «Reisen und Freizeit» künftig in einem gemeinsamen Bund. Dafür wird die Medienseite in den Inlandteil verschoben. Auch «Forschung und Technik» darf weiter bestehen, allerdings nicht mehr in einer eigenen Lage, sondern als Anhängsel des ersten Bundes.
Bestätigt wird in der «NZZ»-Silvesterausgabe zudem die äusserst unschöne Geschichte um Thomas Müller, den im Oktober(?) ernannten und noch vor Stellenantritt bereits wieder weggesparten Leiter des Wissenschaftsressorts:
- «Als Folge der wirtschaftlichen Restrukturierungsmassnahmen wird auf eine externe Neubesetzung der Leitung des Ressorts Wissenschaft verzichtet. Der designierte Ressortleiter Thomas Müller tritt seine Stelle nicht an. Das Team wird nach dem Rücktritt von Heidi Blattmann durch NZZ-Redaktor Christian Speicher geleitet.»
Update, 5. Januar 2009: In der auf «persoenlich.com» und anderen Branchendiensten publizierten sda-Meldung ist von 29 Entlassungen die Rede. Das ist meines Wissens falsch. Zumindest teiweise erfolgt der Stellenabbau auch über (grosszügige) Frühpensionierungen.
statt ressort wissenschaft nur noch team wissenschaft? spart man sich so den ressortleiterlohn? oder wie ist das zu verstehen?
Der erwähnte Text ist online frei zugänglich, man muss bloss wissen, wo!
http://img141.imageshack.us/img141/219/nzzniedergangxd7.png
Bezahlt man als Leser nun eigentlich auch weniger für die Zeitung oder wird die Zeitung teurer (weniger Leistung zum gleichen Preis)?
Bedauerlich ist insbesondere der Abbau bei der Berichterstattung aus dem Ausland – letztlich hält mich diese noch als NZZ-Leser.
@tantalizer: Spielt es eine Rolle? Wer Relevantes zur Schweizer Wirtschaft wissen möchte, liest ja eben gerade nicht die NZZ …
Die NZZ hatte doch schon als die Tech-Blase platzte am Korrespondentennetz gespart (ca. 25 Stellen weg) und sich später mit der FAZ einige Korrespondenten-Stellen geteilt. Besser wurde sie dadurch weiss Gott nicht.
@ Martin Hitz:
Wären ‹ mit & laquo ; resp. › mit & rsaquo ; nicht schöner anstelle der Kleiner/grösser-gleich-Zeichen innerhalb Guillmets?
@N.N.: viel schöner, wenn auch etwas aufwendiger. Besten Dank für den Hinweis! Mir war bis jetzt nur & laquo ; und & raquo ; bekannt.
Wer anonym schreibt, darf wohl jeden Mist behaupten. Bravo!
@ Martin Hitz: ‹ ist natürlich & lsaquo ;
@ ras.: Meines Wissen wurde damals – um 2002/3 – aber tatsächlich am Korrespondentennetz gespart: Wurde damals nicht die politische mit der wirtschaftlichen Berichterstattung aus einigen Weltregionen zusammengelegt? Und wurde nicht um 2006 aus einigen dieser Regionen mit Korrespondenten der FAZ zusammengearbeitet?
Wie dem auch sei: Sie, us. und G. S. nehme ich selbstverständlich von meiner Kritik aus, aber nur ihretwegen lohnt sich ein NZZ-Abo für mich trotzdem nicht mehr.
Ja, nach dem Internet-Crash wurde auch bei der NZZ gespart. Aber es wurden sicher nicht 25 Korrespondenten abgebaut. Zudem: Berichtet wird meist nur, wenn abgebaut, aber nicht wenn ausgebaut wird. So entstehen schiefe Perspektiven. Zudem: Ein kleineres Budget heisst nicht per se, dass die Qualität sinken muss. Allerdings ich bin nicht der Mediensprecher der NZZ. Ich wundere mich nur jeweils darüber, wie abenteuerlich über die NZZ geschrieben wird.
Vielleicht mag hier Kollege mds mal den Weg zu den schönen Imageshacks angeben. Scheint ein besonders produktiver US-Korrespondent zu sein.
@ras: Sie verwechseln (wieder einmal) pseudonym mit anonym. Und ja, jeder, egal ob anonym oder pseudonym, soll jeden Mist behaupten dürfen – das nennt sich Meinungsfreiheit, Sie machen sowohl von einem Pseudonym als auch der Meinungsfreiheit selbst Gebrauch. Gestehen Sie beides doch bitte auch anderen zu und versuchen Sie inhaltlich zu argumentieren!
@Heinz Spähni: Twitter hilft weiter, wenn man Artikel aus dem Archiv der NZZ benötigt