Die «NZZ» spart offenbar auch bei den Freien. Zwar gibt es das Zeilenhonorar meines Wissens hierzulande offiziell nicht mehr. Dennoch soll selbiges – zumindest in einem Bereich des Feuilletons – von Fr. 2,10 auf Fr. 1,40 gesenkt werden, wie eine dem Schreibenden bekannte Person in der vergangenen Woche erfahren hat.
Für eine ganze Spalte (à rund 100 Zeilen bzw. 4000 Zeichen) ergäbe dies ein Honorar von Fr. 140.-. Kann das wirklich sein?
Der genannte Preis liegt knapp über dem Honorarniveau der Lokalzeitungen. Soviel zahlt eine Landzeitung einer Hausfrau, die über eine Kaninchenausstellung schreibt.
Allerdings liefert ein Karnickel-Reporter auch noch gleich das Bild
mit: 8 Millionen Megapixel, mindestens! Insofern sehe ich da noch Abwärtspotenzial bei den offenbar bereits sehr prekären Zeilenhonoraren der NZZ.
Das (bisherige) Zeilenhonorar erklärt wenigstens, wieso die Autoren im «Feuilleton» nie auf den Punkt kommen … es wird immer behauptet, das «Feuilleton» sei wichtig, kann das jemand bestätigen?
Kleintierschau oder Biennale, Quartiervereinsversammlung oder Festspiele: who cärs!
Weil’s irgendwie zum Thema passt…
Nachdem die NZZ 1997 online gegangen war, wurden die Honorare der Freien zur Abgeltung der “Zusatzverwertung” erhöht . Dieses Plus wurde in dem Moment wieder abgezogen, als mit der Aufstellung des Sonntagsblatts und “Zeitungs- (vulgo Anzeigen-) Krise # 1″ das Unternehmen ins Schlingern geriet .
Wenn jetzt zum zweiten Mal innert weniger Jahre die Honorare der Freien gekürzt werden, dann geschieht dies nun unter Umständen eines deutlich geschrumpften Blatt- und somit Publikationsvolumens -
Bei einer Tagi-Regionalausgabe bekommt man als freier Mitarbeiter für 3300 Zeichen (inkl. Leerschläge) rund 120 Franken brutto. Leben kann man davon höchstens, wenn man sich das Recherchieren spart.
Das Feuilleton der Alten Tante lud ja bisher ein zum Zeilenschinden. Immer noch ergiesst sich dort seitenlang geschwurbelter Bockmist auf die Druckplatten, dessen Mief allenfalls pensionierte Altphilologen noch ertragen. Insofern könnte die Kürzung auch ihr Gutes haben.
Die Journalisten sind – zum Teil – selber Schuld: Es gibt seit Jahren keinen GAV mehr, Nobody wehrt sich. Damals meinten viele, das sei nicht so schlimm, es werde schon nichts passieren. Gerade bei der NZZ ist ja das Gewerkschaftsbushing sowieso Mode. Vielleicht merkt ja der eine oder andere, dass Gewerkschaften doch nicht so überflüssig sind…