Opium fürs Volch

Ich weiss noch, was ich dachte, als ich ihm gegenüber sass: Muss mir ausgerechnet dieser Parvenu das alles erzählen? Es war Tito Tettamanti, der Grossspekulant, der in seinen besten Zeiten mit Sulzer, Saurer & Co. spielte wie mit Legohüsli. Wir redeten über Macht in der Schweiz. «Die meisten Schweizer Medien vertreten die Macht, ohne es zu wissen», sagte er. «Es ist nicht wahr, dass die grossen Zeitungen der Macht gegenüber kritisch eingestellt sind. Sie sind selber ein Teil der Macht. Sie schauen nicht dahinter.» Er meinte: Bewusst schauen sie nicht dahinter.

Dann setzte er noch einen drauf: «Die Medien müssten viel offensiver sein, fundiert angriffig. Geschimpfe und grossartige Schlagzeilen nützen gar nichts. Im Gegenteil: Die Mächtigen haben diese Aufreger sogar gern. Sie tun ihnen nicht weh und lenken von den wirklich wichtigen Dingen ab.»

Die grossen Heuler

Das Interview machte ich vor ziemlich genau sechs Jahren. Es ist heute wahrer denn je. Die grössten Heuler der Schweizer Medien, landesweit auf allen Kanälen und über Wochen hinweg, sind Autoraser (meistens Ausländer), Pädophile (meistens Inländer) und Massenvergewaltiger von unschuldigen helvetischen Schulmädchen (sowieso immer Ausländer). Erinnert sich noch irgendwer an jenen die Nation erzitternden Fall im Kanton Zürich? Es war grad Wahlkampf.

Tettamanti hat recht: Das ist das Opium fürs «Volch». Es lenkt von den wirklich wichtigen Dingen ab. Die Dealer merken nicht einmal, in wessen Interesse sie dealen. Das muss ihnen erst ein Grossspekulant sagen. Aber sie hören gar nicht hin.

Es ist ja nicht so, dass die Medien nicht auch Abgründe enthüllten. Der fehlbare Armeechef wurde auf klassische Art gestellt und zur Strecke gebracht. Zurecht, keine Frage. Aber an diesen Stoff kamen die Opiumdealer nur heran (es waren jene der «Sonntagszeitung»), weil Interessengruppen es so wollten. Meistens wollen sie das nicht. Soll heissen: Nichts erscheint in unsern Medien, was nicht erscheinen soll, wenn mächtige Interessen dagegen stehen.

Die Opiumdealer waren baff

Boulevardzeitungen müssen Kampagnen fahren. Das ist ihre Welt, durchschaubar und bieder. Aber müssen alle andern ihnen überallhin folgen? Geradezu zwanghaft und immer nach dem gleichen Schema?

Erinnert sich noch jemand, wie vor anderthalb Jahren alle Schweizer international als Ausländerhasser dastanden? Keine zwei Wochen nach jenem legendären Wahlkampf sagte der für Ausländerpolitik – und zugleich für deren Opposition – zuständige Bundesrat Doktor B., in der Schweiz existiere kein Ausländerproblem, nie habe es existiert. Jedenfalls gäben seine Zahlen und Fakten eine andere Interpretation nicht her.

Da waren die medialen Opiumdealer etwas baff. Soeben waren sie öffentlich und auf ziemlich peinliche Art als leicht manipulierbare Truppe vorgeführt worden. Es kümmerte sie nicht weiter. Kritische Selbstreflexion gab’s kaum. Das ist in den Kreisen nicht üblich.

Dass sie in ihrer Beflissenheit die Abwahl des nämlichen Doktor. B. verpassten und fast ausnahmslos einen völlig andern Wahlausgang als sicher darstellten, bestätigte lediglich, wie leicht sie sich durch clevere Spin Doctors manipulieren lassen.

Das coolste Volk der Welt

Und dann rollte die Finanzkrise an. «Wir sind das coolste Volk der Welt» (Vorsicht: Opium!), titelte froh gelaunt der «SonntagsBlick», um klar zu machen, dass die Schweizer wieder einmal besser als alle andern dastünden. Selbstverständlich seien sie nicht auf diese dümmlichen Junk-Papiere der Amis hereingefallen. Wir doch nicht. «La crise n’existe pas» (Vorsicht: Opium!) holte die «Weltwoche» zum ebenso unvergesslichen wie finalen Schlag gegen all jene Ignoranten aus, die, wie üblich, wieder einmal keine Ahnung von nichts hätten.

Wie kommt solcher Mist zustande? Man muss mal nachlesen, was nach der ausserordentlichen GV der UBS Anfang Oktober an gequirltem Unsinn in unsern Medien stand. Alles im Griff, alles unter Kontrolle. Kein Grund zur Panikmache. Die überlasse man den Deutschen. Und natürlich der doofen EU.

Der Chefredaktor der «NZZ am Sonntag» mahnte in einem langen Leitkommentar, man solle die UBS jetzt gefälligst in Ruhe lassen. Wahrscheinlich stünden ausländische Neider dahinter. Die UBS-Herren wüssten genau, was sie täten. Er habe mit den allerhöchsten von ihnen ganz privatim gesprochen und sie hätten ihm versichert, nein, nein, da sei gar nichts. Also hat da nichts zu sein.

Im Dienst der Höheren Sache

Wie man etwa zwei Wochen später erfuhr, war alles gelogen – im Dienst der Höheren Sache, sozusagen. Die Bank musste 45’000 Millionen aus ihren Büchern abschreiben, durfte sich in aller Heimlichkeit selbst ein staatliches Hilfspaket von 68 Milliarden schnüren und «lieh» sich erst noch vom AHV-Fonds(!) UBS-Aktien für zehn Milliarden Franken aus. Hat man über diesen AHV-Deal je etwas Erhellendes gelesen? Wenn, dann nur Wolkensätze (Vorsicht: Opium!). Wiederum so ein Fall, wo Interessengruppen wollten, dass man nicht darüber redet. Und dann reden wir nicht darüber.

Unsere Medien vertreten die Macht. Sie kontrollieren sie nicht, wie sie vorgeben. Dazu sind sie nicht mehr in der Lage. Diese Funktion passt nicht in ihre Marketing-, Gratis- und Sonstwiestrategien. Dass da ein wichtiges Element der Demokratie nicht mehr richtig funktioniert, scheint niemanden zu sorgen. Ausser vielleicht einen Spekulanten wie Tito Tettamanti.

Die Schweiz hat sich schleichend in eine Oligarchie verwandelt, mit unverkennbaren Elementen einer Plutokratie. Das Parlament wurde faktisch ausgeschaltet, nickte nur noch müde ab. Die Regierung tat, was man von ihr wollte: Mund halten, nicht einmischen, bezahlen. In keinem andern Land hat sich ein einzelnes Unternehmen gegenüber Parlament, Regierung, Staat, Justiz und nicht vorhandener Bankenaufsicht ungestraft so selbstherrlich benehmen dürfen.

Das doofste Volk der Welt?

Den oberste Chefkontrolleur der Banken, ein langjähriger UBS-Direktor, liess man sogar massgeblich und in aller Stille die Verhandlungen mit seinem ehemaligen Arbeitgeber führen. Rein gar nichts passierte. Lieber beschäftigte man sich wieder wochenlang, landesweit und auf allen Kanälen mit nebensächlichen Boni-Zahlungen (Vorsicht: Opium!). Bloss nicht tiefer graben. Nur nichts grundsätzlich in Frage stellen.

Sind wir am Ende nicht das coolste, sondern das doofste Volk der Welt?

Ach woher! Wir sind rundum informiert. Über Tempobolzer, Pädophile und über Prügler mit Balkan-Akzent auf unsern Pausenhöfen.

«Die Schweiz hat ein sehr machtvolles, klar und eng umgrenztes Establishment», hat der mehrere hundert Millionen Franken schwere Tettamanti vor sechs Jahren gesagt und damit gemeint: Die Macht in diesem Land liegt in ganz wenigen Händen. «Der Preis, den man bezahlen muss, um dazuzugehören, ist die Konformität.»

Den Preis haben die Schweizer Medien schon längst bezahlt. Ohne allerdings zu merken, dass sie nicht dazugehören. Sie sind bloss nützlich. Je länger, je mehr.

Fred David, 58, ist seit 40 Jahren Journalist (u.a. «Spiegel»-Redaktor, Auslandkorrespondent der «Weltwoche», Chefredaktor von «Cash») und lebt heute als freier Autor in St.Gallen.

von Fred David | Kategorie: Mediensatz

28 Bemerkungen zu «Opium fürs Volch»

  1. tin:

    Ja gut – oder auch weniger gut. Was ist oder besser, was wären denn die Schlussfolgerungen, die zu ziehen wären? Schöne oder auch mahnende Worte (Vorsicht: Opium) sind das eine, aber was sind die Taten?

  2. Fred David:

    @)tin: Taten? – Den Mund aufmachen. Nicht mehr einfach alles grollend und schweigend hinnehmen. Chefredaktoren zur rede stellen. Die Börsenzeitung „Finanz und Wirtschaft“ öffentlich fragen, warum sie sich nie zu ihrer zu tiefst korrupten Vergangenheit geäussert hat und warum man ihr glauben soll, dass sie heute nicht mehr korrupt ist. Dasselbe gilt für die grösset Wirtschaftszeitung der Westschweiz „L’Agefi“. Undsoweiterundsoweiter.

    Das erste ist aber: Den Mund aufmachen! Und das wenn möglich nicht in irgendwelchen gediegenen Journalistenzirkeln, sondern öffentlich.

  3. Skepdicker:

    Obwohl ich partiell einverstanden bin, überrascht mich die Heftigkeit der Kritik. Zumal die Argumentationslinie ziemlich widersprüchlich ist:

    1. Die grosse Mehrheit der relevanten Presse (d.h. eigentlich alle relevanten Titel mit einer uns allen namentlich bekannten Ausnahme) versteht sich als progressive Phalanx gegen den rückwärtsgewandten Doktor B. und seine Partei. Diese gemeinsame Antipathie bildet den kleinsten gemeinsamen Nenner von der WoZ bis zur NZZ.

    2. Die im weitesten Sinne politisch Mächtigen (z.B. Staatsrechtler, Soziologen, Politologen, Richter, Historiker, hohe Verwaltungsangestellte, Publizisten etc.) werden von der CH-Presse in ihren Anliegen grossmehrheitlich unterstützt. Auch hier werden politische Differenzen durch die Anti-SVP-Klammer in den Hintergrund gerückt. Man versteht sich als grosse Familie der Intellektuellen mit gemeinsamen Werten. Diese gemeinsamen Werte werden gegen die Angriffe von Doktor B. verteidigt. Man rückt zusammen, politische Differenzen spielen kaum mehr eine Rolle. Die Trutzburg der geistigen Landesverteidigung bietet sowohl Samuel Schmid als auch Geri Müller ein Plätzchen an – und auch die Presse hat sich hinter dem Wassergraben verschanzt.

    3. Anders sieht es hingegen bei der wirtschaftlichen Elite aus. Aus ökonomischen Gründen (pot. Anzeigenverlust) wird die wirtschaftliche Elite relativ sanft angefasst. Während in den Inland-Redaktionen vorwiegend Etatisten arbeiten (dazu gibt es Studien), sind die Wirtschaftsredaktionen in der Regel heterogener besetzt. Die Gründe dafür sind wahrscheinlich primär sozio-kultureller Natur. Zudem stösst der Etatismus bei studierten Ökonomen traditionell auf weniger Sympathien. Die Inland-Redaktionen hingegen haben hier relativ wenig zu melden, da ihnen das ökonomische Wissen fehlt. Tun sie es dennoch, dann wirken die Versuche oft unfreiwillig komisch. Wer nicht weiss, wie eine Wandelanleihe funktioniert, wie der Interbankenmarkt funktioniert, was der Unterschied zwischen mangelnder Liquidität und einer zu geringen Eigenkapitaldecke ist – wer also keine solide ökonomische Bildung hat, der ist gar nicht in der Lage, der wirtschaftlichen Elite auf die Finger zu klopfen.

    4. Die (eigentlich relavante) politische Diskussion lässt sich auf eine ganz einfache Frage reduzieren: Wollen wir mehr Staat oder weniger? Die Inlandredaktionen der CH-Presse (inklusive derjenigen der NZZ) befürworten grossmehrheitlich eine etatistische Politik, womit sie sich in der Tat auf die Seite der politisch Mächtigen stellen. Die Wirtschaftsredaktionen bilden hingegen das ganze Spektrum ab (von Seibt, Vontobel, Löpfe bis Schwarz, Kappeler). Ingesamt finden in den Wirtschaftsteilen der CH-Presse Diskussionen statt, die von grösserer Relevanz (und somit „politischer“) sind als diejenigen der Inlandredaktionen. Die Frage nach mehr oder weniger Staat schwingt bei sehr vielen Artikeln mit, der Kampf findet aber auf sachlicher Ebene statt. In den Inlandredaktionen stellt sich aber eine ganz andere Frage: Nützt oder schadet ein Ereignis Doktor B. und seiner Partei? Kann ich durch einen Artikel Doktor B. schaden oder nützen? Denken meine Kollegen, dass ich im gemeinsamen Kampf gegen Doktor B. genug Engagement zeige? Die Politik wird durch diese Personalisierung sinnentleert. Die Inlandredaktionen schreiben seit Jahren an einer oberflächlichen Soap-Opera über den Kampf der Zwerge gegen den bösen Giganten B. Während ein Markus Schneider Bücher über die Flat Tax oder soziale Mobilität schreibt, befassen sich die Journalisten-Zwerge damit, ob Doktor B., Frau B., Bruder B., Schwester G.-B., Tochter M.-B. Oder sie schreiben Artikel darüber, ob Doktor B. von Interpol gesuchte Albaner als „kriminell“ oder nicht bezeichnet hat. Die politische Steilvorlage wird von der Anti-SVP-Allianz dazu genutzt, die GPK die Sache untersuchen zu lassen. Während sich die GPK und die Inlandredaktionen mit diesem weltbewegenden Skandal befassen, denken Wirtschaftsredaktoren und die graue Maus Hans-Rudolf Merz über die kalte Progression, die Flat Tax und einen Einheitssatz bei der Mehrwertsteuer nach. Wie langweilig im Vergleich zur B.-Soap!

    5. Tettamanti, Selbstbezeichnung „Anarchokapitalist“, kritisierte mit Sicherheit die Verbandelung von Inlandredaktionen und der politischen Elite, die gemeinsam für mehr Staat kämpfen. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Ansicht wirklich Wasser auf die Mühlen des Verfassers ist. Dass die Presse nach der Pfeife des Doktor B. tanze, hat er damit jedenfalls nicht gemeint. Eher das Gegenteil, wie sein Engagement bei der „Weltwoche“ zeigt(e).

    6. Die journalistische Anti-B.-Allianz hat aber sicher mitgeholfen, das Phönomen B. aufzubauen: Durch die permanente Dämonisierung wurde Blocher überhöht, zu einem Mythos gemacht. Der Anti-SVP-Elan führte dazu, dass auch Fakten negiert wurden, weil diese Fakten B. hätten nützen können (Ausländerkriminalität, Sozialhilfemissbrauch). Die Lösungen auf diese real existierenden Probleme konnten nicht diskutiert werden, weil diese Probleme nicht exisiteren durften (da nützlich für B.). B. und seine Partei konnten rufen: „Wir haben es schon immer gesagt!“
    Ungewollt hat man also B. genutzt, die Intention war und ist aber stets das Gegenteil.

    7. Das Problem ist meines Erachtens nicht, dass sich die Journalisten in den Dienst der Mächtigen stellen. Das Problem ist die Lust vieler Journalisten, den bösen Drachen töten zu wollen. So stellen dann SF-Journalisten beispielsweise einem Bundesratskandidaten völlig irrelevante Fragen – und schreiben weiter an der Soap, die mit Politik nicht mehr viel gemein hat. Während der mutige Drachentöter sicher viele Solidaritätsmails von seinen Journalistenkollegen erhalten hat, schreiben weitgehend unbeachtete Journalisten starke Artikel über die nächste AHV-Revision. Derjenige, der nicht nur an der Soap mitschreibt, sondern auch die Handlung beeinflussen will, wird umschart von schulterklopfenden Berufskollegen. Wer sachlich über die Zukunft des AHV-Fonds schreibt oder dem Leser die Funktionsweise von Asset Backed Securities erklärt, gilt auch unter seinen Peers als Langweiler. Und kriegt meist auch keine Einladung für die „Arena“ oder den „Club“. Dazu muss man nämlich im grossen Soap „Doktor B. und seine Mannen gegen den Rest der Schweiz“ mitspielen.

  4. mds:

    Erst «Fix und Foxi», dann «Doktor B» – müssen sich Journalisten eigentlich ständig derart lächerlich machen?

    Und was @Skepdicker betrifft: Es geht nicht um Blocher, es geht um Macht und Medien. «Manufacturing Consent» betrachte ich diesbezüglich immer noch als Standardwerk, vermutlich gibt es für die vielen Schweizer Journalisten, die kein Englisch beherrschen oder lesefaul sind, eine deutschsprachige Kurzversion im Handel … :->

  5. Monoclock:

    Gut, dass das einmal gesagt wird! Nicht ganz zufällig in einem Weblog, die Zeitungshäuser selbst sind zu Selbstkritik nicht mehr fähig. Oder doch?

    Politisch Inkorrektes darf und muss gesagt werden. Die tabulose Diskussion aufrecht zu erhalten ist die Aufgabe der Medien in einer Demokratie.

  6. tin:

    @Skepdicker
    Ich bin kein Lang-Schreiber… Ihre Analyse scheint mir sehr eindimensional – natürlich ist die Fixiertheit der Presse auf das Thema Blocher ein Teil – aber sicher nicht der einzige. Irgendwie erinnert mich die ganze Krise auch an das Peters-Prinzip – und weiter auch meine Vermutung, dass heutige Ökonomen „Schönwetter-Ökonomen“ oder e-Funktions-Ökonomen (Kurven gehen vermeintlich immer nach oben) sind – genauso, wie die grosse Masse der Manager. Doch wenn es ernst gilt und Krisen drohen, ist man(n) ratlos, überfordert und nicht dafür gerüstet (Beispiele aus der kürzeren Vergangenheit brauche ich da wohl nicht aufzuzählen).

  7. Skepdicker:

    @mds

    Die Ironie ist doch, dass sich der „Rebell“ Noam Chomsky mitten im (europäischen) Journalisten-Konsens bewegt. Die Gefahr des vorauseilenden Gehorsams gegenüber UBS, Coop oder Nestlé ist sicher bedenkenswert, durch viele Beispiele bestätigt und diskussionswürdig. Man sollte aber nicht so eindimensional sein, sich nur auf diese Gefahr zu stürzen. Ein Journalist fürchtet sich nicht nur vor dem Verlust von Inseraten. Ein Journalist fürchtet sich auch vor Anfeindungen seiner Peers und vor allem vor dem Verlust von Quellen. Ein Bundeshausjournalist ist auf Indiskretionen, Zugang zu wichtigen politischen Personen etc. angewiesen. Informationen und Zugang zu den politisch Mächtigen erhält der Journalist aber nur durch Gegenleistungen. Und in der Schweiz ist es eben gerade so, dass die wirtschaftliche und die politische Elite keinen Konsens kennen. Das ist ein wichtiges Faktum, das der Argumentation Chomskys (das Buch ist meines Erachtens übrigens eher eine Abrechnung mit der US-Aussenpolitik) den Teppich unter den Füssen wegzieht. Wer in der Schweiz eine etatistische Linie verfolgt und/oder Unternehmen kritisiert, muss mit Liebesentzug der Wirtschaft rechnen. Wer hingegen die Marktwirtschaft verteidigt und/oder die politische Elite (momentan Anti-SVP-Trutzburg) kritisiert, erhält keine Informationen mehr, wird von Journalistenkollegen nicht mehr gegrüsst und steht im Verdacht, im Solde des Doktor B. zu stehen.
    Die Argumentation von Fred David erscheint mir darum zu einfach: Es gibt in der Schweiz keinen monolithischen wirtschaftlich-politisch Komplex. Die Interessen von Politik (Tendenz: etatistisch) und Wirtschaft (Tendenz: marktwirtschaftlich) sind gegenläufig. Der Journalist darf beide Seiten nicht verärgern, da beide für ihn lebensnotwendig sind. Ich wage zudem zu behaupten, dass ein zurückgezogener Artikel über die UBS in der NZZ kaum schlimmer ist als die Beisshemmung gewisser Medien gegenüber der Obrigkeit. In Zürich stellten sich die Medien jedenfalls ziemlich solidarisch vor Monika Stocker, als sich Alex Baur erfrechte, einige anonymisierten Fälle aus ihrem Departement zu veröffentlichen. Ausserdem wird die simple Chomsky- bzw. David-Argumentation auch durch die Empirie widerlegt: Die ziemlich auf SVP-Linie dampfende „Weltwoche“ druckte eine Kolumne von Mörgeli ab, welche die Credit Suisse dazu veranlasste, die Parteispenden für die SVP zu kürzen. Auch zur UBS gab es in „Weltwoche“ sehr kritische Artikel. Die „NZZaS“ brachte Thomas Matter zu Fall. Der „Blick“ schreibt seit Jahren über „Abzocker“, „freche Pensionskassenverwalter“ und den bösen Doktor B. und seinen Freund Martin Ebner. Wenn David fordert, dass Journalisten mehr Mut zeigen, dann bin ich mit ihm einverstanden. Dass es einen kleine CH-Elite gibt, welche sowohl Wirtschaft als auch Politik steuert, halte ich für eine einfach gestrickte Verschwörungstheorie. Ich glaube nicht, dass Avenir Suisse und der Club Helvétique an einem Strick ziehen – eher im Gegenteil.
    Wenn die Presse kritische Artikel über die UBS aus dem Archiv löscht, dann ist das feige. Noch schlimmer erscheint mir aber die Tendenz der Presse, die politisch Mächtigen stets zu stützen. Diese Tendenz meinte Tettamanti höchstwahrscheinlich.

  8. Christof:

    volltreffer, herr david. dem gibts nichts anzufügen.

  9. Ingrid:

    Ganz schön viele Zeichen für ein paar wacklige Thesen, FD bringts auf 6000 netto, der Skepdicker auf über 8000. An die Vielschreiber: Vielleicht solltet ihr doch etwas weniger Opium rauchen, könnte die Schreibwut zügeln.

  10. Skepdicker:

    @ Ingrid

    Ok, danke für den Input.

  11. Bobby California:

    Ingrid hat recht; in der Kürze liegt die Würze. Also: Wenn ein Tito Tettamanti von der Macht schwafelt, dann schrillen bei mir alle Alarmglocken. Tatsache ist: Die Macht liegt immer noch bei den reichen Säcken, sicher nicht bei schlecht bezahlten Schreiberlingen. Bekanntlich steht oder stand Tettamanti hinter der Weltwoche – einem Blatt, das ihren Lesern die ungeheuerlichsten Lügengeschichten auftischt, solange es der SVP dient, so von wegen dies und das «n’existe pas» und wer den Ueli nicht wählt ist Teil einer Verschwörung gegen die Schweiz undsoweiter, und trotz anderslautendem grossmäuligem Anspruch ist die Weltwoche sicher nicht daran interessiert, die volle Wahrheit aufzudecken.

    Ich kann auch die leere Behauptung, «alle» Medien seien gegen die arme SVP, nicht mehr hören. Tatsache ist: Diese Partei hat mit ihrem grossspurigen, aggressiven, antidemokratischen Verhalten viele Leute sauer gemacht. Wenn der SVP also Gegenwind entgegenbläst, dann ist sie ganz einfach total selber schuld – sicher nicht die Journalisten.

  12. mds:

    Auch «Bobby California» steht exemplarisch für Schweizer Journalisten: Einseitige Fixierung auf Blocher und SVP, anderes wird nicht mehr wahrgenommen … so erklärt sich auch, wieso beispielsweise die erwähnte AHV-UBS-Geschichte keine Resonanz erzielen konnte, es ging ja nicht um Blocher und die SVP. Überhaupt gäbe es im Sumpf der Altersvorsorge, staatlich wie privat, noch viel aufzudecken, aber eben, da geht’s nicht um Blocher und die SVP … :->

  13. Fred David:

    @) Ingrid, komplexere Zusammenhänge kriegt man halt nun mal nicht auf zehn Zeilen komprimiert. Da muss man etwas tiefer einsteigen. Wenn man will.

    @)Skepdicker: Du erwähnst drei sehr gut zum Thema passende Beispiele, nennst aber keine Namen. Im Febraur 2008 tilgte die NZZ einen Artikel ihres Redaktors Beat Brenner aus allen Archiven und Dateien.

    Es geschah auf Druck des damaligen UBS-Hausjuristen Peter Kurer, der heute UBS-Chef ist. Der am 18.2. erschienene Text enthielt keine Fehler, nur eine Formulierung die – sehr, sehr eventuell – da und dort „zu Missverständnissen hätte Anlass geben können“. Deswegen gleich alles aus Archiven und Dateien tilgen? Von so einem Fall habe ich vorher noch nie gehört, obwohl ich sehr gut höre.

    Wenn eine Redaktion schon bei so einem Lüftchen einknickt, was geschieht erst, wenn es, wie jetzt, etwas stürmischer zu und her geht?

    Warum verhält sich eine an sich intelligente Redaktion so dumm? Warum sollte man ihr das nächste Mal vertrauen, wenn sie über die UBS schreibt? Oder die CS? Da steht doch immer die Frage dazwischen: Haben sie vorher bei Kurer oder XY angefragt, ob sie das überhaupt dürfen, und welchen Deal haben sie jetzt wieder gemacht usw?

    Das zweite Beispiel ist der Fall Matter: Der Spekulant stritt sich öffentlich mit einem andern Spekulanten über ein Spekulationsgeschäft. Beide Parteien fütterten zwei Medienlager mit Bösartigkeiten über den Konkurrenten. Der „NZZ am Sonntag“ (Anti-Matter-Lager) drohte Matter mit einer Millionenklage. Dann hörte man lange nichts mehr. Dafür las man dann irgendwann ein sehr artiges Interview mit Herrn Matter in der „NZZ am Sonntag“. Danach war Funkstille. Natürlich fragt man sich, welcher Deal da gelaufen ist.

    Letztes Beispiel: Der SVP-Politiker Mörgeli schreibt eine Kolumne in der „Weltwoche“, die der CS missfällt. Die CS kürzt darauf der SVP in sechsstelliger Höhe ihre Spende an die sonst willige Partei. So jedenfalls beschrieb es der „Sonntagsblick“. Es klang aufgrund der Quelle sehr glaubhaft und hoch interessant – aber es kam danach nichts mehr. Da fragt man sich doch: Warum lässt man sich so eine Story entgehen?

    Parteispenden liegen in der Schweiz völlig im Dunkeln. Es gibt kein Gesetz – in vergeichbaren europäischen Ländern sind das Mindestanforderungen -, dass die Parteien zwingt, Grossspenden offenzulegen. Das öffnet der Korruption in der Politik Tür und Tor. Ein Riesenthema, das alle Parteien betrifft und das Funktionieren der Demokratie überhaupt.

    Aber was liest man bei uns darüber? – Eben.

    Das hat alles seine Gründe. Das ist keine Verschwörung. Es ist simple, direkte Machtausübung. Jeder, der sich mit dem Thema etwas näher befasst, weiss das. Und hält den Mund. Weil, man weiss ja nie.

    Aber die Leser sollten wissen, dass es so ist.

  14. Bobby California:

    mds > Bobby California steht für gar nichts exemplarisch. Denn in diesem Punkt bin ich mit Ihnen völlig einverstanden: Tatsächlich schafft es die SVP seit Jahren, die Schlagzeilen zu dominieren – obwohl die Partei inhaltlich nicht mehr zu bieten hat als andere Parteien. Leider ist die SVP den anderen Parteien in Sachen PR weit voraus. Ueli sagt möglichst oft «Neger» und kriegt deshalb viele Schlagzeilen. So teuflisch einfach funktioniert das. Ich finde es aber falsch, deswegen die Inlandredaktor/innen dafür zu tadeln. Skandale verkaufen sich nun mal einfach am besten. Diesem Mechanismus kann sich kein Journalist entziehen. Das ist natürlich keine Ausrede, um spannende Geschichten zu vernachlässigen. Wie sang Jacques Dutronc schon vor 40 Jahren: «On ne nous dit rien / On nous cache tout…»

  15. Fred David:

    @ mds, @) Bobby California:

    Der Punkt ist wichtig: Die Welt des Doktor B. und seine Partei sind nicht die Schweiz. Aber sie sind ein beträchtlicher Teil davon, den man nicht ausblenden kann.

    Doktor B. ist für mich nicht das Problem, schon gar nicht der Problemlöser. Für mich sind er und seine Partei ein überdeutliches Symptom dafür, dass in diesem Land etwas aus den Fugen gerät, was bisher relativ stabil zusammenhielt: der gesellschaftliche Konsens. Die Schweiz ist unter ihrer Wohlstandsdecke zutiefst gespalten.

    Die A-Schweiz hat sich von der B-Schweiz abgekoppelt und führt ihr Eigenleben, das kaum noch demokratisch kontrolliert werden kann. Die B-Schweiz bleibt zurück und ihr Unbehagen wächst. Sie fühlt sich zunehmend von der Entwicklung abgehängt und überfordert, auch von der direkten Demokratie, die Entscheidungen über Themen abfordert, die die meisten überhaupt nicht mehr verstehen.

    Darum, und genau darum, hat eine Führerfigur diesen Erfolg. Er kümmert sich um die B-Schweiz oder erweckt zumindest den Eindruck, während die Spin Doctors der Zürcher SVP ganz andere Interessen verfolgen.

    Für die Medien ist es viel zu mühsam – und zu heikel – genauer nachzusehen, woran der bisherige Konsens zerbrochen ist und welche Folgen das haben wird.

    Dabei ist es relativ simpel: Ein <del>Zwei</del> Drittel aller Schweizer Haushalte haben keinen Rappen Vermögen, ein weiteres Drittel hat ein Vermögen von weniger als 50’000 Franken (was heute kaum jemand noch als Vermögen bezeichnet). Das ist die überwiegende Mehrheit. Ihr geht es insgesamt nicht schlecht, aber sie fühlt den Sand unter den Füssen erodieren, langsam, aber jeden Tag etwas mehr. Das verunsichert und wirkt sich natürlich schon aus, wenn daneben drei Prozent der Steuerzahler soviel besitzen wie die restlichen 97 Prozent zusammen. Irgendwann ist diese Spreizung nicht mehr zu überdecken.

    Das ist nicht Neid, das ist nicht rechts, das ist nicht links, das sind offen herumliegende Fakten. Was liest man davon in unsern Medien? Und welche Schlussfolgerungen ziehen sie daraus? – Eben.

    Warum ist das alles kein Thema? Vermutlich, weil sich alle Journalisten der A-Schweiz zugehörig fühlen. Das ist ein völliger Irrtum: Sie gehören ausnahmslos zur B-Schweiz. Aber sie schreiben tagtäglich, als wären sie die Interessenwalter der A-Schweiz.

    Das läuft zwangsläufig auf schwere Konflikte hinaus. Einen kleinen Vorgeschmack haben wir schon gehabt. Aber besser, man redet nicht drüber, macht die Augen zu, dann geht das alles vielleicht von ganz allein wieder weg.

    Schwimmen wir also lieber weiter gemächlich an der Oberfläche wie Fettaugen im Mainstream – und schreiben die nächste Personalgeschichte über Doktor B. oder seinen Statthalter M. Aber bloss keine Hintergründe und Zusammenhänge!

    Und sorry: Manches lässt sich einfach nicht auf zehn Zeilen komprimieren …

  16. Vermutlich, weil sich alle Journalisten der A-Schweiz zugehörig fühlen. Das ist ein völliger Irrtum: Sie gehören ausnahmslos zur B-Schweiz. Aber sie schreiben tagtäglich, als wären sie die Interessenwalter der A-Schweiz.

    Das ist ein sehr gut beobachteter Punkt. Ein grosser Teil der Journalisten wird in Zukunft, familiäre Unterstützung mal ausgenommen, in finanziell prekäre Situationen geraten. Auch jetzt verdienen die meisten Journalisten nicht mehr als durchschnittliche Versicherungsangestellte. Doch ihr Zugang zu den sogeannten Eliten, also zur A-Schweiz, lässt sie im Glauben, sie gehören dort auch (irgendwie) dazu. Das ist sehr kurzsichtig und hat mehr mit Eitelkeit als mit Verstand zu tun. Ich erwarte von Journalisten mehr Solidarität mit dem einfachen Volch. Und die ist noch noch nicht erreicht, wenn man auf Geldsäcke schimpft, also zum Beispiel auf Spitzenverdiener, Milliardäre oder andere gute Steuerzahler.

  17. Christof:

    @freddavid: herr david, sie lesen die falschen zeitungen. sonntagsblick hat die parteispenden der grossbanken für die bürgerlichen parteien vor ein paar wochen beziffert und auch ein geheimes konto der cvp aufgedeckt, das für diese gelder in zug eingerichtet worden ist.

  18. christof:

    @freddavid: sorry, abschnitt davor hab ich überlesen…

  19. Fred David:

    Noch eine kleine Korrektur zu meinem obigen Text: EIN Drittel aller Schweizer Haushalte hat keinen Rappen Vermögen (nicht zwei Drittel).
    Zwei Drittel hingegen haben gar kein Vermögen oder weniger als 50’000 Franken.

  20. mds:

    Die Sache mit der scheinbaren Zugehörigkeit zur A-Schweiz gilt übrigens nicht nur für Journalisten, sie gilt für die meisten Mitglieder unserer Dienstbotengesellschaft – entsprechend wird häufig gegen die eigenen Interessen gewählt und gestimmt … in unserer Postdemokratie spielt dies zwar keine wesentliche Rolle, aber es zeigt die tatsächlichen Machtverhältnisse exemplarisch auf. Macht bedeutet unter anderem, dass jene, die keine Macht ausüben, im Sinn der Mächtigen stimmen und wählen.

    @Fred David: Apropos UBS und AHV-Fonds … wissen Sie, woher Ihr Kollege Beat Kappeler davon weiss? In den monatlichen AHV-Fonds-Berichten, auf die sich Kappeler bezieht, ist davon direkt ja nichts zu lesen.

  21. Bobby California:

    Ronnie Grob > «Ein grosser Teil der Journalisten wird in Zukunft, familiäre Unterstützung mal ausgenommen, in finanziell prekäre Situationen geraten…» Was für ein wunderschöner Satz! Ich finde es ja so berührend, dass sich jemand Sorgen macht um uns! Und dazu noch ein Blogger! Von eurer Seite werden wir ja sonst meistens nur beschimpft und geshreddert. Vielleicht haben Sie Angst, dass Sie bald nichts mehr haben, über das Sie schimpfen können, wenn die Journalisten reihenweise verhungern… Meine Eltern kann ich nicht anpumpen, die leben selber in einer finanziell prekären Situation. Meine Schwester auch, die ist Künstlerin. Shit! Im stillen Kämmerlein werde ich heute abend schon mal das Sprüchli üben: Häsch mer en Stutz?

  22. Fred David:

    @) mds, ich weiss nicht, woher Kappeler seine Information hat. Ich gehe davon aus, dass die „NZZ am Sonntag“ und er selber seriös genug sind, sich für diese Information zu verbürgen.
    Es ist mir ein Rätsel, dass sich niemand dafür zu interessieren scheint. Es ist meines Wissens bisher auch nichts dementiert worden.

  23. mds:

    @Bobby California: Die Krise scheint den Umgang unter Journalistenkollegen zu vergiften … schade.

  24. @Bobby California: Wir können uns ja gegenseitig anpumpen. Wer zuerst fragt, hat gewonnen.

    Ich muss sagen, dass es um einen Grossteil von denen, die sich heute Journalisten nennen, nur sehr begrenzt leid tut, wenn sie sich eine andere Arbeit suchen müssen. Mich persönlich interessieren nur die interessanten Inhalte. Ob sich deren Ersteller Blogger, Journalisten, Schreiber, Autoren oder Hanswurste nennen, ist mir egal. Der Umsturz ist im Gange, eine Bereinigung unausweichlich – und vielleicht sogar heilsam.

  25. Bobby California:

    Ronnie Grob > «Ich muss sagen, dass es um einen Grossteil von denen, die sich heute Journalisten nennen, nur sehr begrenzt leid tut…»

    Das sehe ich ähnlich. Allerdings hat die Bereinigung schon vor Jahren stattgefunden, ohne Zutun der Finanzkrise. Die Spassgesellschaft der 90er Jahre hat die Medien weitgehend von störenden Denkanstössen gereinigt. Was daran heilsam sein soll, kann ich aber nicht erkennen. Jetzt haben wir die Wahl zwischen Gratis-Spasskürzestfutter und bezahltem Spasskurzfutter. Leider können die Blogger der kommerzialisierten Spasspresse herzlich wenig entgegensetzen.

    PS Bevor ich einen Blogger anpumpe, oder mich von einem selbigen adoptieren lasse, werde ich Tramchauffeur. Oder dann halt PR-Berater.

  26. Sprudelwasser:

    @Fred David:

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29381/1.html dürfte Ihnen gefallen. Klar, man findet im Artikel viele Fehler im Detail, aber die Linie dürfte im Grossen und Ganzen leider stimmen … und unsere Politik schaut zu, quer durchs Band, nicht nur die ach so verhasste SVP.

  27. Fred David:

    @) Sprudelwasser: Danke für den Link. Ist doch mal interessant zu lesen. Gar so „viele Fehler im Detail“ sind mir dabei nicht aufgefallen.

    Man muss das ja alles nicht als die reine Wahrheit nehmen. Auf alle Fälle aber enthält der Text eine Fülle von Zusammenhängen und Hintergründen, von denen die meisten Schweizer noch nie etwas gehört haben, weil es ihnen von ihren Medien nie gesagt wird, zumindes nicht so, dass es verstanden wird.

    Warum ist das so? Zufall ist es sicher nicht.

    Beispiel: Das gesamte Volkseinkommen der Schweiz (sämtliche Waren und Dienstleistungen), also das BIP, betrug 2007 eine halbe Billion Franken. Die Bilanz allein der zwei Grossbanken betrug im gleichen Jahr 3,2 Billionen Franken.

    Natürlich haben diese Grössenverhältnisse unmittelbare Folgen auf alles, was diesem Land geschieht.

    Es ist an der Zeit, sich ernsthaft und öffentlich damit auseinanderzusetzen und die üblichen medialen „Märlistunden“ zu diesem Thema erstatzlos zu streichen.

    Wir brauchen kein Opium. Wir brauchen Fakten! Und wir brauchen eine öffenliche Debatte darüber, was hinter den Kulissen der Schweiz wirklich passiert.

    Für diesen Blick hinter die Kulissen sind Journalisten da. Sie sollen sich gefälligst aus ihrer unsäglichen Lethargie und ihrer schon wahnhaften Fixierung auf die SVP losreissen. Kurzum: Sie sollen Journalismus für Erwachsene machen.

  28. mds:

    «Die UBS ist die alleinige Depotbank des AHV-Fonds. Ist es nicht ein volkswirtschaftliches Klumpenrisiko, 25 Milliarden Franken Volksvermögen bei der UBS zu deponieren, die staatliche Hilfe beanspruchen musste?
    Einem Konkursrisiko ist nur der Cash-Anteil ausgesetzt. Die Wertschriften bleiben grundsätzlich, mit ganz wenigen Ausnahmen, auch im Konkursfall im Besitz des AHV-Fonds.

    Der AHV-Fonds leiht der UBS gegen Gebühr Wertschriften im Umfang von mehreren Milliarden Franken.
    Wie viele andere Fonds betreiben wir die Wertschriftenleihe als ein einträgliches Nebengeschäft. Ausserdem hinterlegt die Bank als Sicherheit erstklassige Obligationen. Sie sind mehr wert als die ausgeliehenen Wertschriften.

    Mit der Wertschriftenleihe finanzieren Banken oft spekulative Transaktionen wie Leerverkäufe. Ist es Aufgabe eines staatlichen Rentenfonds, solche Geschäfte zu fördern?
    Diese Darstellung ist verzerrt. Nur etwa 5 Prozent der geliehenen Wertschriften werden für Leerverkäufe eingesetzt. Instrumente wie die Wertschriftenleihe sind wichtig, weil sie die Liquidität im Finanzsystem verbessern. A propos Spekulation: Der AHV-Fonds benützt Derivate nur zur Absicherung gewisser Risiken. Es ist nicht möglich, ein modernes Asset-Management zu betreiben, ohne auf solche Instrumente zurückgreifen zu können.»

    (Interview mit VR-Präsident Marco Netzer, AHV-Fonds)

Bemerkung anbringen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *