«News1.ch»: No News, aber etwas Social Dingsbums

Seit einigen Wochen ist «News1», der «Google News»-Killer der Schweizer Regionalverleger, in einer registrierungspflichtigen Betaversion zugänglich. Dass kaum jemand darüber berichtet, ist irgendwie verständlich, denn noch lässt einen das Angebot ziemlich ratlos zurück.

«Lasst uns auch auf dieses Social Dingsbums machen», scheint die Devise der «News1»-Verantwortlichen gelautet zu haben, können auf «News1» doch eigene Texte publiziert, Bilder und Videos hochgeladen oder Artikelanrisse kommentiert werden (Anrisse, denn ganze Artikel findet man auf der Website keine!). Welcher Art die Userbeiträge sein sollen und wie «News1» sie zu verwenden gedenkt, wird indes nirgends ersichtlich. Hauptsache man wird zur «umfassendsten Schweizer News- und Community-Plattform» («persoenlich.com»-Interview mit «News1»-Chef Norbert Neininger).

Besonders schwer scheint sich «News1» mit dem eigentlichen Kerngeschäft, den News zu tun. Denn gibt es eine bessere Gelegenheit als einen Abstimmungssonntag, um den Betrieb (und das Angebot) einer News-Website zu testen? Offenbar schon, wie dieser, am 30. November um 18.45 Uhr erstellte Screenshot der Frontpage von «News1» zeigt. Harmos? Verjährungsinitiative? Verbandsbeschwerderecht? Nix, nada!

Aber auch bei Courant normal (Frontpage vom 8.12.08, 15 Uhr) fragt man sich, an welches Publikum sich «News1» eigentlich wenden will:

Klar tut mir die Fussgängerin leid, die gestern Sonntag in Ebikon angefahren wurde. Selbstverständlich freue ich mich, dass in Unterentfelden eine Einbrecherbande gestellt worden ist. Und auch dass in Uster die Brunnenstrasse zwischen Bahnübergang und Oberlandstrasse demnächst wieder frei ist, mag eine tolle Nachricht sein. Aber interessiert sich ausser dem einen oder anderen Ebiker, Unterentfelder oder Ustermer wirklich jemand für diese Geschichten? Wohl kaum.

Ein wesentlich breiteres Publikum dürfte hingegen an der Beurteilung nationaler (oder zumindest überregionaler) Themen durch die an «News1» beteiligten Regionalmedien interessiert sein. Ein Kommentargefäss sucht man jedoch vergebens.

Man wird das Gefühl nicht los, dass hier das inhaltliche Konzept um die bereits gewählte Software herum erstellt werden muss. Software, notabene, die auch vom ebenso konzeptlosen und so gut wie toten Ringier-Projekt «Youme.net» verwendet wird und demnächst bei «Blick am Abend» zum Einsatz gelangen soll.

Aber vielleicht wird ja alles doch noch gut. Denn wie heisst es doch im «News1»-Newsletter vom 1. Dezember 2008?

    «Die positiven Feedbacks aus dem Beta-Betrieb haben den Verwaltungsrat der News1 AG bestätigt: news1.ch hat Potenzial. Auf den Vorschuss-Lorbeeren will man sich aber nicht ausruhen. Im Sinne einer Vorwärtsstrategie hat der VR der News1 AG beschlossen, die zweite Ausbaustufe noch vor dem Public-Launch von news1.ch umsetzen zu lassen; der Ausbau erfolgt vor allem im inhaltlichen/redaktionellen Bereich. Im Februar 2009 soll news1.ch mit den bestehenden und neuen Qualitäten an den Start gehen.»

Wir geben die Hoffnung nicht auf, bleiben aber skeptisch.

[An «News1» beteilgt sind übrigens die Neue Luzerner Zeitung AG, die St. Galler Tagblatt AG, die AZ Medien AG («Mittelland Zeitung»), die Meier + Cie AG («Schaffhauser Nachrichten»), die Südostschweiz Medien AG sowie die Zürich Land Medien AG («Zürichsee Zeitung», «Zürcher Oberländer», «Zürcher Unterländer»).]

Siehe dazu auch:
Die Schweizer Verleger wollen Google bodigen
Es newselet und bubbelet im Schweizerland
Medienportalbubble?

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

3 Bemerkungen zu ««News1.ch»: No News, aber etwas Social Dingsbums»

  1. mds:

    Schwer tut sich «News1» auch mit den AGB – der Inhalt lässt darauf schliessen, dass man sie 1:1 aus Deutschland übernommen hat …

    http://www.news1.ch/TermsAndConditions

    … mal sehen, wie Schweizer Recht und Gerichtsstand Zürich mit «§ 6 Abs. 1 und § 7 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches» umgehen werden! ;)

  2. das online versagen der schweizer medienhäuser ist grandios. ein jammer.

  3. Inzwischen ist News1.ch online. Aber die Innovation ist in der Tat ausgeblieben.

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