- «Hier zu Lande macht die Werbung im Internet nur rund 2 Prozent des gesamten Werbekuchens aus. […] In Deutschland liegt der Marktanteil der Online-Werbung bereits bei 11 Prozent, in Grossbritannien bei 15 Prozent und in Holland sogar bei gut 18 Prozent. Das geht aus einer Studie des europäischen Verbands für Interaktive Werbung (IAB Europe) hervor»,
weiss der «Tages-Anzeiger» heute zu berichten und stützt sich dabei auf Zahlen von Media Focus.
Man kann das noch so oft abschreiben und wiederholen, richtiger wird es deshalb nicht. Im Gegensatz zum Interactive Advertising Bureau (IAB) erhebt Media Focus nämlich lediglich das mit klassischer Display-Werbung (Banner etc.) generierte Bruttowerbeaufkommen. Angaben zum Umsatz mit Keyword-Werbung oder zum Online-Rubrikenmarkt sind für die Schweiz hingegen nicht vorhanden.
Gerade die beiden letztgenannten Werbeformen machten im vergangenen Jahr laut PricewaterhouseCoopers/IAB in Europa aber 70% und in den USA 57% des gesamten Online-Werbeaufkommens aus. «Lediglich» 28% bzw. 34% entfielen auf klassische Display-Werbung.
Ein internationaler Vergleich ermöglicht eine etwas realistischere Schätzung des Schweizer Online-Werbevolumens (Quelle: konverMedia; ja, ich bin auch ein Consultant):
Laut IAB Europe wurden im vergangenen Jahr auf dem mit der Schweiz einigermassen vergleichbaren österreichischen Markt pro Internetuser (Weitester Nutzerkreis – WNK) 37,1 Euro für Online-Werbung (Display, Keyword, Rubriken, Affiliate) aufgewendet.
Multipliziert man die Pro-Kopf-Zahlen aus Österreich mit der Anzahl der Schweizer Internetnutzer (WNK), ergibt dies für 2007 ein Online-Werbevolumen von 270 Mio. Franken, was einem Anteil von rund 6% am gesamten Schweizer Werbeaufkommen (ohne Direktwerbung und Messen/Ausstellungen) entsprechen und damit irgendwo im unteren europäischen Mittelfeld liegen würde. Da kommt doch etwas Zuversicht auf.
Einziges Problem für etablierte Medienunternehmen: Den grössten Teil dieses Kuchenstücks teilen die Giganten des Internets unter sich auf. Laut eMarketer fallen zumindest in den USA derzeit rund 57% des gesamten Online-Werbeaufkommens den vier «Major Players» Google (28.3%), Yahoo (15.8%), MSN (6.6%) und AOL (6.3%) zu. Lehman Brothers (may you rest in peace – oder auch nicht!) zufolge teilten die «Top 10» im vergangenen Jahr gar 77% des Online-Werbekuchens unter sich auf.
Da kann der Online-Markt noch so dynamisch wachsen. Für die traditionellen Medienhäuser bleiben trotzdem nur Brosamen übrig.
Google Switzerland nennt in Präsentationen auch die ominösen zwei Prozent. Nicht darin enthalten sind aber alle die Umsätze, welche Google in der Schweiz mit AdWords generiert. Zahlen will Google keine rausrücken, doch die Umsätze seien am Steigen.