Die Medienschelte von Bundesrätin Doris Leuthard, Bundesratssprecher Oswald Sigg und Soziologieprofessor Kurt Imhof im Zusammenhang mit dem Rücktritt von BR Samuel Schmid (Stichworte: Gleichschaltung der Medien, Monopolmeinung, Rudeljournalismus etc.) hallt nach.
Recht ungehalten reagierte etwa «Südostschweiz»-Herausgeber und Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument in einem Interview mit «Tagesanzeiger.ch» (oder Newsnetz oder was auch immer):
- «Es kann doch keine Rede davon sein, dass beim Fall Schmid alle Medien gleichgeschaltet waren. […] Nehmen wir als Beispiel die <Südostschweiz> (SO), die ich verlege. Die Zeitung vertrat eine völlig andere Auffassung in der Affäre Schmid als die Zürcher Medien. Das hat SO-Chefredaktor Andrea Masüger Herrn Imhof auch mitgeteilt. Dieser hat dann aber verlauten lassen, dass seinem Institut das Geld fehle, unsere Zeitung zu abonnieren. Für mich zeigt das: Er hat offenbar nur eine ganz enge Auswahl an Zeitungen bei der Studie untersucht. Nicht einmal alle Regionen der Schweiz mit ihren wichtigsten Medienorganen wurden angeschaut. Ich würde Kurt Imhof deshalb empfehlen, in seinem eigenen Laden Ordnung zu schaffen. Er sollte besser öfter in seinem Institut sein – und weniger vor der Kamera.»
In die gleiche Richtung, nur etwas differenzierter, zielt «Bund»-Chefredaktor Arthur Vogel in seinem Weblog:
- «Erstens waren von 927 [für Imhofs Studie] untersuchten Artikeln über Samuel Schmid von Juli bis September weniger als die Hälfte, nämlich 409, negativ; 211 waren kontrovers, 202 neutral und 105 positiv.
Zweitens gab es, anders, als Sigg behauptet, durchaus <Nuancen und Facetten> [Zitat aus der Studie]: <Blick gibt v.a. den Kritikern Schmids Raum, nimmt zwischenzeitlich Schmid in Schutz (Schmid versus SVP, die ihn ‘erpresse’), aber zeichnet das Bild eines stark angeschlagenen Bundesrates; NZZ und NZZ am Sonntag zurückhaltender und schwankend.>
Und drittens haben die Zürcher Forscher nicht alle Schweizer Medien erfasst, sondern nur die Zürcher: Tages- und Sonntagszeitungen, Tagesschau und 10vor10 im Schweizer Fernsehen.»
In der «NZZ» fordert Rainer Stadler seine Kollegen schliesslich zu etwas mehr «Demut» auf
- «Sigg und Imhof haben ihre Medienschelte zugespitzt. Damit agierten sie ganz in der Logik der Medien und bestätigten die Ansicht, dass zuspitzen muss, wer noch Gehör finden will. Der «Sonntag» reagierte darauf in einem Kommentar ziemlich pikiert. Dabei hatten die beiden Medienkritiker keine einzelnen Personen angegriffen. Dies hingegen tun die Journalisten fast täglich. Deren Urteile sind manchmal geradezu erbarmungslos, manchmal auch verächtlich. Man zweifelt, wie gut Medienschaffende solche Zuschreibungen selber ertragen würden. Ein bisschen Demut würde niemandem schaden.»
Übrigens: Eine Rudeljournalismus-Debatte hat an dieser Stelle bereits vor einigen Monaten stattgefunden:
- «Ausgerudelt» (Edgar Schuler)
- «Medienpopulismus» (Kurt Imhof)
- «Rudeljournalismus» (Edgar Schuler)
Übrigenser: Man lese zum Thema auch Andrea Masügers jüngste Medienspiegel-Kolumne: «Vor dem Hype ist nach dem Hype».