Yes!

«Yes, we can», ist der Slogan der Stunde. Aufbruchstimmung pur. Dabei hörten wir bis gestern nur das Gegenteil. «No, we can’t», hiess es allüberall auf die Frage, ob irgendwer erklären könnte, wie die angeblichen Spitzenkräfte der Bankenwelt in so kurzer Zeit das ganze System in den Sand setzen konnten – jene vermeintlich allerbesten Manager, denen man immer noch mehr Geld hinten reinschieben musste, damit sie nicht zur Konkurrenz im Ausland abwanderten.

Jetzt, da uns endlich klar geworden ist, dass die Bezeichnung «broker» nichts anderes als die Steigerungsform von «broke» ist, tut der Obamasche Optimismus natürlich allen gut. «Erwartungen haben in der Politik nichts verloren», schrieb zwar der mehrfach staatsbesoldete Nationalrat und Uniprofessor Christoph Mörgeli im «Tages-Anzeiger». Für einmal hat er da absolut recht: Nicht einmal die Erwartung, die Gewählten könnten sich an ihre Wahlversprechen erinnern, hat in der Politik etwas verloren. Aber wir tun’s halt trotzdem immer wieder – wider besseres Wissen.

Etwas zumindest dürfen wir erwarten – oder erhoffen. Vielleicht darf man nach dem Auszug der Neokonservativen aus dem Weissen Haus die Politik der US-Regierung wieder kommentieren, ohne deswegen bei den Neocons in «NZZ» und «Weltwoche» reflexartig als antiamerikanisch zu gelten. Es war ja schon erstaunlich, wie George W. Bush und seine Leute, die erklärten Feinde der im US-System zentralen «Checks and Balances», in diesen Kommentaren als die einzigen wahren Amerikaner gefeiert wurden.

Und dass niemand in der gegenwärtigen Diskussion um staatliche Kontrollmechanismen für das wildgewordene Finanzwesen an diese «Checks and Balances» denkt, ist auch etwas überraschend. Die absolute freie Marktwirtschaft gab’s nämlich auch in den USA nur vor etwa hundert Jahren in Ortschaften wie Dodge City oder dem trefflich benannten Tombstone: Wer schneller zog, hatte Recht. Das wurde mit einigen ordnungspolitisch vielleicht bedenklichen, aber doch ganz nützlichen Gesetzen reguliert. Und es gäbe auch heute zwischen der absoluten Freiheit für die Revolverhelden der Wall Street und der absoluten staatlichen Regulierung noch den Mittelweg der Checks and Balances. Aber offensichtlich haben in der allgemeinen Aufregung einige Leute verlernt, wie man auf drei zählt.

Um solche Dinge neu zu lernen, ist es glücklicherweise nie zu spät. «Can we count to three?» «Yes, we can!»

Martin Hauzenberger ist Journalist und Liedermacher.

von Martin Hauzenberger | Kategorie: Mediensatz

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