Martin Werfeli tritt auf Ende 2008 als operativer Leiter des Ringier-Konzerns zurück. Neuer CEO wird Christian Unger (41), derzeit noch Verantwortlicher für die europäischen Internetaktivitäten des südafrikanischen Medienkonzerns Naspers, zu denen u.a. die Auktionsplattform Ricardo und eine Beteiligung am russischen Provider mail.ru gehören. Werfeli bleibt Ringier u.a. als Mitglied des Verwaltungsrats erhalten (Medienmitteilung)
Gut möglich, dass nach dem Kauf von Geschenkidee.ch bei Ringier nun weitere Übernahmen von Internetgemischtwarenläden folgen werden.
Aber weshalb eigentlich nicht? Die Washington Post Co. zum Beispiel lebt schon längst nicht mehr nur von ihren Qualitätstiteln, sondern in zunehmendem Masse von der im Bereich Aus- und Weiterbildung tätigen Kaplan Inc., wie erst vor zwei Tagen in der «Post» zu lesen war:
- «The Washington Post Co. today reported an 86 percent decline in third-quarter earnings compared with the same period last year, as a significant loss at the flagship newspaper offset gains at the company’s education and cable divisions. […] The company’s newspaper division – which includes The Post, the Everett (Wash.) Herald and several community papers – reported an operating loss of $82.7 million for the quarter […].
Kaplan Inc., The Post Co.’s education division, which now provides 53 percent of company revenue, reported $603 million in third-quarter revenue, a 17 percent gain over last year, and $51 million in operating income, a 36 percent gain over the same period last year.»
Und so wie Weiterbildungsangebote zum Qualitätstitel «Washington Post» passen, ergänzen doch E-Commerce-Angebote wie Geschenkidee.ch oder Kartoffelschäler und Schinkengipfelischablonen von Betty Bossi das publizistische Angebot von Ringier geradezu ideal. Und das ist jetzt nicht einmal nur zynisch gemeint.
Schräg nach oben wegbefördern nennt man diese Entsorgung nach Managerart. Bei den Gewinnen, die der Konzern einfährt, kann er es sich ja leisten und erspart der Oeffentlichkeit einen weiteren kostspieligen ‘Arbeitslosen’. Ein schöner Teil der Gewinne stammt ja aus den diversen Nebengeschäften, wie Betty Bossi und Kohorten, äh Konsorten. Toll, wie die den Schweizer Hausfrauen mittels wöchentlicher Quizsendung zur besten Sendezeit im öffentlich rechtlichen TV die Pekunien aus der Geldbörse leiern. Die satten Gewinne wandern alle in die Taschen von Ringier. Wie auch die Gewinne vom gesammelten China-Schrott, den Betty Bossi den Abonnentinnen monatlich als unverzichtbare Küchenhelfer andreht. Widerlich, einfach nur eklig. Aus dieser Warte betrachtet, ist die Rezession eigentlich willkommen. Vielleicht schalten dann die Konsumenten wieder vermehrt ihr Gehirn ein, bevor sie Geld für Schrott ausgeben.