Der Ehrabschneider von Panama

Im Internet geht man nicht besonders pfleglich mit dem Copyright um. Oft gar nicht in böser Absicht: Heute hat ja jeder eine Website, und warum sollte er da nicht mit Copy & Paste draufpappen, was ihm für seine Zwecke interessant erscheint? Das passiert auch mit «NZZ Folio»-Artikeln.

Wenn wir es merken, schreiben wir eine freundliche E-Mail mit dem Verweis auf den Satz, der unter jedem unserer Artikel im Web steht: «Urheberrecht gilt auch im Internet: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.» In der Regel wird der Artikel dann entfernt beziehungsweise ersetzt durch einen Anriss und einen Link auf das Original auf unserer Website.

Es gibt aber auch weniger einsichtige Zeitgenossen. Solche wie den Betreiber der Website Winkelried, der von der «Folio»-Website ein Bild klaute – ein Portrait des Meinungsforschers Claude Longchamp – und damit einen eigenen Beitrag illustrierte. Da er das Bild bearbeitete und Longchamp eine Narrenkappe auf den Kopf retouchierte, kommt zum Verstoss gegen das Copyright noch eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts hinzu.

Das ficht den wackeren Winkelried nicht an. Als ich via Kontaktformular die Verwendung des Bildes beanstandete, antwortete Richard Fluehmann, bis zu seinem Parteiausschluss 2007 Zuger Kantonalpräsident der Schweizer Demokraten, er sei nicht zuständig, werde das Anliegen aber weiterleiten. Worauf nichts geschah. Nach einem neuerlichen Anlauf, in dem ich rechtliche Schritte ankündigte, beschied mir Fluehmann, Winkelried sei in Panama domiziliert, er selber lebe zurzeit in Rom, und unsere Rechtsabteilung sei ihm «ziemlich egal».

Das kann sie ihm tatsächlich sein. Die Möglichkeiten, sich gegen Copyrightverstösse im Internet zu wehren, sind sehr beschränkt. Die Winkelried-Website wies zwar 2007 noch Fluehmann als Besitzer aus, aber seit 2008 ist sie in Panama registriert. Der Ehrabschneider von Panama muss kaum befürchten, wegen Rechtsverletzungen auf seiner wirrköpfigen Website dort vor Gericht gebracht zu werden. Aber seinen Winkelried hat Winkelried jedenfalls nicht begriffen: «Der Freiheit eine Gasse», soll jener gerufen haben. Der Freiheit, nicht der Feigheit.

Daniel Weber ist Chefredaktor des «NZZ Folio».

von Daniel Weber | Kategorie: Mediensatz

15 Bemerkungen zu «Der Ehrabschneider von Panama»

  1. Friedrich:

    Copyright? Gibt’s in der Schweiz nicht. Sie meinen vermutlich das Urheberrecht. Sind Sie sicher, dass das betreffende Bild (in Briefmarkengrösse!) überhaupt urheberrechtlich geschützt ist? Und wieso überhaupt noch Urheberrecht, wieso erlauben Sie nicht den freien Fluss der von Ihnen generierten Inhalte, beispielsweise unter einer entsprechenden Creative Commons-Lizenz? Und wie kommen Sie darauf, die Narrenkappe verletze ein Persönlichkeitsrecht? Stehen Sie mit der Meinungsfreiheit auf Kriegsfuss, vielleicht, weil Sie als Journalist schon lange nicht mehr davon Gebrauch machen? http://www.stoehlker.ch/weblog/2008/09/29/wenn-ein-chefredaktor-von-mut-schreibt/#comment-121569

    Die Winkelried-Website ist übrigens nicht in Panama registriert. Anders als Sie vielleicht wünschen müssen Websites nicht registriert werden. Sie beziehen sich vermutlich auf die Kontaktadressen zum Domainnnamen. Haben Sie sich denn schon an den Hoster der Winkelried-Website gewandt?

    Winkelried mag ich auch nicht, aber genauso wenig mag ich die Extremisten auf der liberalen beziehungsweise linken Seite, zu der sich leider die NZZ zunehmend hinneigt. Versuchen Sie doch wieder eine Balance zu finden und zeigen Sie libertären Charakter!

  2. die nzz als zufluchtsstätte linksliberaler journalisten, womöglich ist unterdessen sogar fidel castro an der falkenstrasse untergetaucht. von dem hört man ja auch schon länger nichts mehr ;-)

    „winki“ komm raus, du bist umzingelt!

  3. Daniel Weber:

    @Friedrich: Vielen Dank für den Hinweis auf den unnötigen Anglizismus, Herr Friedrich. „Copyright“ versteht ja wirklich kaum jemand, ganz im Unterschied zu „Creative Commons“. Ich halte das Modell des schöpferischen Gemeinguts für interessant, es ist für unsere Zeitschrift aber aus verschiedenen Gründen nicht praktikabel. Vielen Dank auch für die Präzisierung, dass der Domänenname winkelried.info in Panama nicht registriert, sondern angemeldet wurde. Den Datenbankbetreiber der Netzseite winkelried.info zu kontaktieren, habe ich mir allerdings erspart – ich wende mich lieber direkt an die Verantwortlichen. Im übrigen habe ich nichts dagegen, wenn man mich einen liberalen Extremisten schimpft. Weder Liberale noch Libertäre finden es okay, wenn irgendein Lümmel aus Panama Bilder klaut, die urheberrechtlich geschützt sind.

  4. Briefmarke:

    Herr Weber, Sie scheinen ja die Zeit zu haben, wegen eines vermeintlichen Fotodiebstahls in Briefmarken-Grösse gegen einen (unbestritten dämlichen) Blogger vorzugehen. Immerhin hat er sich am Original kreativ vergangen, die Copyright-Frage ist daher gar nicht mehr so eindeutig. Solcherart Zweitverwertungen gibt es im Netz Millionenfach, als Quelle dienen dabei auch die Produkte Ihres Hauses. Ich würde Ihnen empfehlen, Ihre kostbare Zeit für ihr kostbares Heft zu verwenden, und nicht – wie dies unterbeschäftigte Fotografen oft tun – Online-Strolchen hinterherzuspringen und sich dabei bis Panama verirren. Schauen Sie, wie es Getty Images macht, um die macht nun jeder einen Bogen.

  5. Richard Fluehmann:

    Gestatten Sie mir hier die unwahren Behauptungen von Herrn Daniel Weber zu korrigieren:

    1. Das Mail wurde an mich weitergeleitet, weil Herr Weber dies mit meinem Namen adressierte. Jemand, wahrscheinlich Longchamp, hatte ihm erzählt, dass ich der Betreiber der Webseite Winkelried sei.

    2. Ich war bis Mai 2007 der Eigentümer der Webseite. Da Deutsch nicht meine Muttersprache ist, wäre ich gar nicht fähig, entsprechende Text zu liefern. Daher habe ich auch die Domain verkauft. Das Theme allerdings stammte von uns. Das ist hinreichend oft kommuniziert worden und kann im Impressum nachgelesen werden.

    3. Als ich das Schreiben von Herrn Weber erhielt, habe ich mich bei der Redaktion dafür eingesetzt, dass das Bild gelöscht wird. Dies wurde dort aber als nicht notwendig erachtet, da man einen Copyright-Verletzung als nicht gegeben ansah. Das Schreiben erreichte mich übrigens in Rom. Als italienischer Staatsbürger sei mir der Aufenthalt dort verziehen, zumal ich auch dort aufgewachsen bin.

    4. Die Behauptung von Daniel Weber, die Registrierung (und Domizilierung) in Panama sei ein Akt der Feigheit ist ehrverletzend. Die Webseite richtet sich an Auslandschweizer. Das ist auch so im Disclaimer festgehalten.

    5. Für die Geschichtsbücher: Die Sektion der Schweizer Demokraten in Zug war nie Mitglied der SD Schweiz, sondern eine (konservative) Abspaltung von der (liberalen) Zuger SVP. Das kann aus den Statuten entnommen werden. (Die entsprechende Berichterstattung in den Medien – auch der NZZ – haben wir allerdings mit Interesse und Verwunderung verfolgt).

    Fakt ist also, dass Herr Dr. Weber hier bewusst unwahre Behauptungen macht, die ehrverletzend und beleidigend sind. Herr Weber spekuliert darauf, dass er und der Betreiber dieser Webseite (Medienspiegel) nicht belangt werden können.

    Das könnte sich als Irrtum erweisen.

  6. :

    flühmann von winkelried ist ein hanswurst, der auch schon bei uns („heute“) bilder geklaut hat und unwahrheiten verbreitet. jegliche konstruktive gesprächsaufnahme scheiterte…

  7. Der Journalist Thomas Benkö hypte Blogwerk und Hogenkamp und erhält dafür Geld und andere Zuwendungen, wie Gratisreisen und Gadgets. Sehr zum Nutzen seines Arbeitgebers Ringier. Zudem schreibt er unter einem Psydonym in der Blogkolchse Beiträge. Sein Arbeitgeber weiss davon nichts … aber wir wissen es.

  8. :

    @alexander müller: lieber hanswurst nr. 2, obwohl ich u.a. auch über blogwerk schreibe (wie über 1000 andere firmen) habe ich noch nie irgendwelche gadgets oder geld von ihnen erhalten (leider). ich glaube 2x 0,5-liter blöterliwasser in petflaschen (an einer sitzung) war das höchste

  9. … und Strom und WLAN und neulich erst wieder ein super Foto, so dass Du nicht nach Wallisellen fahren musstest.

    Und – jetzt kommen die Altlasten: 2006 mal ein Schnitzel im Weissen Wind.

  10. :

    @hogenkamp: stimmt, ganz vergessen. müller hatte doch recht… shit!

  11. Haha, Skandal, Skandal! muss ich glaubs grad verbloggen. «Bestechungsaffäre ‚zum weissen Hund‘ – Kolchoseleiter b.ö. kann sich an nichts erinnern.»

  12. :

    @hogi: nein, es war doch im johaniter o.ä. siehe foto: http://www.flickr.com/photos/heutepix/433335583/

  13. :

    @alexander müller: lieber hanswurst nr. 2, noch ein nachtrag. ich benutze kein pseudonym. „bö“ ist mein kürzel, „velorowdy“ mein username. unter beiden stehe ICH bei google auf platz 1. ist also nichts geheimes, gell…

  14. Frögli:

    Wenn hier ja alles so mega legal und mit rechten Dingen gemacht wird, warum kann denn der Betreiber von „Winkelried“ sich nicht bekannt geben? Wer trägt die Verantwortung für die Artikel, die dort veröffentlicht werden?

  15. Petra von Arx:

    Dieser Typ verwendete immer das Wort des „Kryptomarxisten“. Der Begriff stammt nicht etwa aus dem Geschichtsbuch, sondern aus dem Vokabular der Ultrarechten. Er findet sich ausschliesslich auf Webseiten, die stramm nationalistisches Gedankengut und die eine oder andere abstruse Verschwörungstheorie verbreiten.

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