Von den Reichen lernt man sparen

Das war knapp. Wir waren schon nahe daran, eine Vermisstenanzeige aufzugeben. Da diskutierte die ganze Schweiz über Politik, über Armeechefs und Verteidigungsminister, über Rücktrittsbedarf und Aussitzer und sonst noch über allerlei. Da wurde hin- und hergewettert, dass es eine Art hatte. Und der Professor von der SVP begnügte sich mit ein paar Kolumnen in der «Weltwoche» und der «Berner Zeitung». Zu sehen oder zu hören war er verdächtig lange nicht, oder dann höchstens in Person seines Doubles Fabian Unteregger.

Doch jetzt ist Christoph Mörgeli wieder aufgetaucht. Endlich stellte er sich mit dem anderen Christoph wieder der Classe Politique. Und ortete mit dem geschulten Blick des studierten Historikers und Staatsangestellten alsbald den «grössten Politskandal in der Geschichte des Bundesstaats». Er meinte damit das angebliche Komplott von drei Angestellten der Bundesanwaltschaft und vier Nationalräten – oder eben die schlichte Tatsache, dass jemand im Bundeshaus anderer Meinung gewesen war als Christoph der Grosse.

Wir erinnern uns allerdings auch noch an ein paar andere Skandale. An fast vergessene, wie beispielsweise an jenen, als Christoph Blocher den Zürcher Kantonsrat Jean-Jacques Bertschi mit frei erfundenen Korruptionsvorwürfen aus der Politik hinausintrigierte und sich dabei hinter der Bundesratsimmunität versteckte. Oder an bekanntere wie die Albisgüetli-Lügen des amtierenden Justizministers über zwei angeblich kriminelle Albaner oder seine Reise zu den türkischen Islamisten, um dort die Schweizer Gesetze infrage zu stellen. Weltmeister im Austeilen, Mimöslein beim Einstecken.

Interessant war das Bild von der Medienkonferenz der beiden Christophori, der wackeren Christusträger. Da sah man doch hinter den beiden an der Wand die Inschrift «Medienzentrum Bundeshaus» in den fünf Landessprachen Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch und Englisch – als ob der so schröcklich ungerecht Behandelte noch immer im Bundesrat sässe. Die Infrastruktur der Classe Politique und des Staates, der das arme kleine Milliardärchen so skandalös schikaniert hat, ist dann halt doch wieder ganz nützlich. Das Albisgüetli war wohl gerade besetzt.

Martin Hauzenberger ist Journalist und Liedermacher.

von Martin Hauzenberger | Kategorie: Mediensatz

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