«Newsnetz»: Aktualität über alles

Seit gestern Montag, 11. August (oder bereits seit vorgestern?), versuchen uns die Online-Ausgaben von «Tages-Anzeiger», «Berner Zeitung» und «Basler Zeitung» – kurz «Newsnetz» oder auch nicht «Newsnetz» genannt – mit der Geschichte «Internet-Vendetta gegen CS-Banker» zu schockieren. Die [fill in the blank]-Redaktion beruft sich dabei auf einen Artikel aus der «jüngsten Ausgabe» der «New York Times».

«Jüngste Ausgabe»? Eine Medienspiegel-Leserin (danke, Anke!) weist mich darauf hin, dass der besagte Artikel vor nahezu einer Woche – nämlich bereits am 5. August 2008 – in der «New York Times» erschienen ist. Und sie schreibt weiter: «Zur Erinnerung: Die NYT ist eine Tageszeitung und erscheint 7 mal pro Woche!»

Aktualität (vorspiegeln) ist halt fast alles. Oder wie anders ist es zu erklären, dass der doch schon rund zwei Tage alte «TA»-, «BZ»-, «Baz»- oder «Newsnetz»-Artikel vor rund einer Stunde (ca. 18 Uhr) mit dem «Datumsstempel» «aktualisiert vor 54 Minuten» versehen war, sich diese Aktualisierungsangabe nach einem Shift-Reload aber soeben auf 18 Minuten reduziert hat?

Hat jemand eventuell Zeit, das mal etwas genauer zu beobachten? Die Angaben zur Aktualisierung scheinen nämlich recht «dynamisch» zu sein. (Ein Erstpublikationsdatum wäre übrigens auch ganz nett.)

Update, 13. August 2008: Und zum Schluss noch dies: «Tagesanzeiger: Linken verboten!» Ist wohl unter «shit happens» abzuhaken.

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

10 Bemerkungen zu ««Newsnetz»: Aktualität über alles»

  1. Lyndon Longboard:

    Hui, da schiesst sich aber einer, dessen Beratungsleistungen beim wohl spannendsten Internet-Projekt der Schweiz nicht gefragt war, schon mal prima mit Ladycrackers ein. Wir freuen uns auf weitere Enthüllungen über Zensurscheren und Aktualitätsverschwörungen der unaussprechlichen Organisation des Medienexperten Martin («Ich begreife einfach nicht wie ein Kopfblattsystem funktioniert») Hitz. Vielleicht ist der Fill-in-the-blank-space auch einfach zwischen seinen Ohren. Grüsse, L. Longboard

  2. Das Ersterscheinungsdatum ist meines Erachtens ein Muss, das Datum der letzten Änderung finde ich wichtig. Wenn es 20min.ch kann – warum kann das Newsnetz nicht?

  3. Diese Reaktion war rather predictable. Könnte es sich bei Lyndon Longboard um jemanden aus der „Newsnetz“-Gemeinde handeln? Tönt „beim wohl spannendsten Internet-Projekt der Schweiz“ nicht irgendwie vertraut? Any guesses? Und weshalb wird aus dieser Ecke eigentlich immer gleich so aggressiv auf den Mann gespielt?

  4. sam:

    Mir ist das auch aufgefallen – ich finde ebenfalls die Erstpublikation wichtiger – ausser bei wirklich relevanten inhaltlichen Änderungen.

  5. haha:

    Das ist ja wirklich jämmerlich. Jetzt steht „aktualisiert vor 4 Minuten“, die „jüngste Ausgabe“ wurde aber bei diesem Korrektur-Durchgang noch nicht geändert.

    Dieses Script, das automatisch den Aktualisierungszeitpunkt auf eine beliebige Minutenzahl zwischen 1 und 60 Minuten stellt scheint scheinbar der ganze Stolz von Lyndon Longboard zu sein. Muss aber nicht, der Rest ist wirklich auch gut. Ehrlich.

  6. immermeer:

    Erstpublikationsdatum? Wozu sollte Lyndon „ich bin beleidigt“ Longboard so etwas brauchen? Die Branche publiziert nach dem Motto „was kümmert mich mein Geschwätz von vor 10 Minuten?“ Da wird Zeit ziemlich relativ. Bei der Anzeige geht es wohl einzig um die Vermittlung des „Wir-sind-eine-ganz-furchtbar-aktuelle-Website-Eindrucks“ – aber kaum um die Vermittlung einer möglicherweise wertvollen Information.

    Und noch was, lieber Longboard: Du hast schon Recht, es gibt grössere publizistische Probleme als Timestamps etc. Eines davon ist z.B. „Credibility“. Und die – das weisst Du bestimmt auch – sinkt durch „dynamische Timestamps“ tendenziell.

    Übrigens: Das „Problem des sich selbst aktualisierenden Timestamps“ bei Newsnetzartikeln scheint tatsächlich eins zu sein. Ist aber wohl eher technischer Natur („im Zweifel für den Angeklagten“;-) Die Zeitangaben *im* Artikel und auf den (Ressort-)Übersichtsseiten unterscheiden sich um viele Stunden. Während die Aktualisierungszeit auf der Ressortübersicht mehrere Stunden zurückliegt, behauptet die Anzeige im Artikel stur, der Artikel sei erst vor wenigen Minuten aktualisiert worden.

  7. Das mit den unterschiedlichen Timestamps ist mir auch aufgefallen, lieber immermeer. Und ich schliesse mich Deiner Meinung an: Im Zweifel für den Angeklagten (von dem man allerdings etwas mehr Einsicht erwarten könnte).

  8. Ana:

    Die Geschichte wurde am Montag von „Der Spiegel“ aufgenommen. So konnte es das Newsnetz gleich in deutscher Sprache abschreiben – so einfach läuft das.

  9. Oliver:

    Naja, Timestamps hin oder her. Was mich mehr beunruhigt: Ich habe heute schon den ganzen Tag Mühe, das „Newsnetz“ über eine der drei Internetadressen aufzurufen.

  10. Bobby California:

    Beim wohl spannendsten Internetprojekt arbeiten sich Britney & Co, wacker an die Spitze vor… heute mit einer unglaublich spannenden Meldung: «Britney Spears erholt sich noch immer von ihrem Zusammenbruch Anfang des Jahres, hier sieht man sie mit Ex-Mann Kevin Federline…» Auf so weltbewegende und auch sehr erschütternde News hab ich schon lange gewartet… Wälty machts möglich.

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