Experten zu Newsnetz – uncut

Vor einigen Tagen hat sich ein «Newsnetz»-Reporter mit folgender Bitte an mich gewandt:

    «Als kleines Feature auf der „alten“ Homepage würden wir gerne publizieren, was Experten aus der Branche vom Projekt Newsnetz halten, erwarten oder erhoffen. Wir würden Sie deshalb gerne um eine kurze schriftliche Stellungnahme bitten.

    Zeilenbeschränkung gibt es keine. Zwischen 200 und 500 Zeichen reichen aber vollkommen aus. Natürlich wird Ihre Stellungnahme genau so erscheinen, wie Sie sie uns zukommen lassen.»

Dem mit der nicht existierenden Zeilenbeschränkung war – aus welchen Gründen auch immer – dann aber doch nicht so, weshalb zumindest der Text meiner Wenigkeit gekürzt werden musste. Die (von mir abgesegnete) Kurzversion findet sich hier (bitte runterscrollen) – leider ohne Link auf Medienspiegel.ch.

Die ausführliche – und hoffentlich etwas schöner formatierte – Version folgt hier:

«Newsnetz soll in punkto journalistische Qualität im Internet neue Massstäbe setzen», schreibt mir Reporter [XY] und bittet mich, in einigen Sätzen festzuhalten, was ich als «Experte aus der Branche vom Projekt halte, erwarte oder erhoffe». Kann man eine Anfrage, in der man mit «Experte» tituliert wird, überhaupt ablehnen? Wohl kaum.

Halten tue ich vom Projekt aber vorerst mal gar nichts. Dazu muss ich es nämlich erst einmal gesehen haben. Auch Newsnetz wird das Internet aber vermutlich nicht neu erfinden. Eine News-Website ist nun mal eine News-Website, und davon gibt’s eigentlich schon viele.

Sicher wird Newsnetz sich aber darum bemühen, es besser als die anderen zu machen. Dazu gilt es m.E. vor allem von der weitverbreiteten Klickbolzerei Abschied zu nehmen und den Nutzen für die Userinnen und User in den Vordergrund zu stellen, also etwa – und damit bin ich bei den Hoffnungen und Erwartungen:

  • Nicht möglichst schnell und möglichst viel, sondern möglichst relevante Nachrichten publizieren; dazu gehört sicher auch ein Häppchen Paris Hilton und allenfalls gar eine Prise Melanie Winiger – aber eben nur äs bitzali.
  • Die User nicht mit aller Gewalt an die Website(s) binden und so tun, als ob das World Wide Web nicht existierte, sondern sie über Links zu relevanten Informationen auf externen Websites hinführen. Wie hat der kluge Dave Winer doch einst gesagt: «People come back to places that send them away».
  • Die User nicht mit endlosen Bildergalerien belästigen, sondern sie über gute Multimedia-Reportagen staunen lassen. Und bitte keine Videos um der Videos willen.

Nicht zuletzt erhoffe ich mir von und für Newsnetz aber

  • OFFENE UND VERLINKBARE ARCHIVE – und zwar auch für die Artikel der jeweiligen Print-Schwestern!

Der Erfolg auf dem Werbemarkt dürfte sich so fast von alleine einstellen.

Den Entscheidungsträgern von Tamedia und Basler Medien wünsche ich einen langen Atem. Auf dass in der nächsten Rezession nicht (wieder) am falschen Ort gespart wird!

Den Journalistinnen und Journalisten von Newsnetz wünsche ich viel Zeit zum Recherchieren und Reflektieren. Die User werden es ihnen danken.

Und allen wünsche ich gutes Gelingen und viel, viel (unaufdringliche) Werbung!»

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

4 Bemerkungen zu «Experten zu Newsnetz – uncut»

  1. Bobby California:

    Wenn Peter Wälty seine mehrfach geäusserte Drohung wahr macht und dem Affen Zucker gibt, dann werden wir im Newsnetz nicht nur «äs bitzali» Paris erleben, sondern mit Hilton & Co. regelrecht zugedröhnt werden. Dann habe ich doch lieber eine Prise Melanie Winiger. Die hat wenigstens etwas zu sagen. Ihre selbstbewusste Attacke auf die Weltwoche-Chauvis sind mir immer noch in angenehmer Erinnerung.

  2. Manfred Messmer:

    „Auch Newsnetz wird das Internet aber vermutlich nicht neu erfinden.“ Nicht „vermutlich“ sondern ganz sicher nicht.

    „Eine News-Website ist nun mal eine News-Website, und davon gibt’s eigentlich schon viele.“ Auch richtig. Aber ich kann Ihnen versprechen, dass baz.online schon ein wenig die ausgetrammten Pfade verlassen wird. Allerdings brauchen wir etwas mehr Zeit, die vorhandenen Ideen umzusetzen.

    Für uns ist das Web nicht World Wide sondern in erster Linie lokal. Und dieses ist in seinen Verästelungen und Verknotungen horizontal und vertikal unendlich gross.

  3. Alois Müller:

    Lieber Herr Messmer, können Sie uns denn auch verraten, warum die Basler Zeitung sich als einzige der drei Zeitungen für ihre Marke schämt und sich online nicht Basler Zeitung nennt, sondern „baz.online“? Wollen sie die Marke Basler Zeitung etwa aufgeben?

  4. Lieber Alois Müller, guter Punkt, das sehe ich genauso. Dazu schreibt Manfred Messmer in einem Kommentar bei uns ein bisschen, aber so richtig überzeugend finde ich es nicht.

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