«Schmid & Nef» – die Treatments

Die Realität ist spannender als die Fiktion. Jüngstes Beispiel liefern der suspendierte Armeechef Roland Nef und Bundesrat Samuel Schmid. Ihre Geschichte drängt sich als Rohstoff für eine fiktionale Serie auf – mit Sex, Intrigen und Politik. Selbst die Fallhöhe stimmt: der jähe Sturz vom harten Mann im Kander-Drama zum Porno-Macho, an dem rechtschaffene Schweizer ihre Schuhe abputzen.

Sitcom (Beispiel: «Fascht e Familie»)

Jede Episode ist eine Geschichte für sich, ein übergreifender Handlungsbogen ist nicht erkennbar. Es treten nur drei bis vier Akteure auf.

Nef und Schmid spielen die Hauptrollen. Der Witz der Situation Comedy lebt von der Wiederholung: «Trennung von Privatem und Beruflichem» (Lachsack im Hintergrund), «Gute Arbeit geleistet, nichts zu beanstanden» (Lachsack), «Weiss nichts Genaues» (Lachsack).

Um die Sitcom anzureichern, müsste allerdings eine Akteurin dabei sein. Am besten Nefs Ex-Partnerin, falls dies für die Drehbuchautoren zu heikel wäre, vielleicht seine aktuelle Partnerin oder allenfalls VBS-Sprecherin Silvia Schenker: «Alles ist gesagt.» (Lachsack).

Soap (Beispiel: «Lüthi & Blanc»)

Die Episoden sind zwar in sich abgeschlossen, sie führen aber immer weiter, so dass sich eine Geschichte entwickelt. Zahlreiche Schauspieler treten auf und verschwinden im Lauf der Zeit wieder. Die Soap müsste mit der Romantik von Nefs Liebesgeschichte einsteigen; sein militärischer Aufstieg mit Zackzack geben weitere Folgen her. Und schliesslich liessen sich seine Passionen und Ambitionen ins Drehbuch einbauen.

Als zweiter Erzählstrang drängt sich Samuel Schmids SVP-Knatsch auf, mit allen Berner-, Bündner- und Bundeshaus-Intrigen. Irgendwo treffen sich die beiden Stränge, der Verlauf des Dramas ist absehbar: Chaos total mit allen Ingredienzien einer Seifenoper. Eine Soap lässt sich schier unendlich weiterführen: Erst wenn die Realität dereinst nichts mehr hergibt, ist die Fantasie der Drehbuchautoren gefragt.

Telenovela («Verliebt in Berlin»)

Jede Episode führt mit einem Cliffhanger zur nächsten. Die 100 oder mehr Folgen erzählen eine zusammenhängende Geschichte, die glücklich endet – im vorliegenden Fall aber wohl eher unglücklich. Es sei denn, Nef und Schmid würden zum Schluss einen neuen Sinn im Leben erkennen und statt in der Karriere zum Beispiel in der unbescholtenen Liebe ihre Erfüllung finden, was bei ihrer Vorgeschichte allerdings wenig wahrscheinlich ist. So ist in diesem Fall eine umgekehrte Telenovela angesagt: Von der Liebesidylle über die Verwirrnisse hin zum Desaster.

Rolf Hürzeler, vormals Medien- und Kulturredaktor bei «Facts» und Kulturchef beim Pendlerblatt «News», übernimmt per 1.September 2008 die Redaktionsleitung des Magazins «Saldo».

von Rolf Hürzeler | Kategorie: Mediensatz

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