Vom Linksetzen

Burkhard Schröders «Telepolis»-Artikel zum Thema Online-Journalismus und (externe) Links (danke, Ugugu!) erlaubt es mir endlich einmal, diesen bereits drei Jahre alten, deshalb aber nicht weniger klugen Satz von Dave Winer zu zitieren:
«People come back to places that send them away.»
(Hat da jemand Google gerufen?)
Und hier noch einige Zitate aus Schröders Artikel:

    «Warum die meisten deutschen Medien insbesondere das World Wide Web nicht adäquat nutzen, sondern oft nur den gedruckten Text ohne Links online stellen, kann kaum vernünftig beantwortet werden. […] Man darf vermuten, dass eher irrationale Gründe eine Rolle spielen: Die – empirisch unbegründete – Angst, die Leser könnten andere Angebote attraktiver finden und so die Klickraten senken, die Hausjuristen könnten die Stirne runzeln, wenn man vom eigenen seriösen Angebot in weniger als fünf Klicks auf nackte Busen gelangt, oder das Landgericht Hamburg könnte einen „Content-Anbieter“, der es wagt, andere Angebote zu verlinken, für das gesamte Internet haftbar machen.
    […]
    Erst sehr zaghaft beginnen die so genannten Leitmedien, in ihrer Online-Ausgabe Links zu setzen, leider oft nur auf das eigene Angebot – wie die Scientologen.»

Auch die «NZZ» bekommt in diesem Zusammenhang übrigens etwas ab:

    «Die Neue Zürcher Zeitung offerierte zum Beispiel im Februar 2005 einen langen Artikel über „Terror-Websites“ und schaffte es, keinen einzigen Link anzubieten, obwohl sogar die Titel wie „Al-Majalla al-Islamiya“ teilweise genannt wurden. Das ist kein seriöser Online-Journalismus, sondern nur gedrucktes Papier, das auf einem Monitor abzurufen ist. Wer derartige Quellen nicht verlinkt, setzt sich als Journalist dem Verdacht aus, nicht in der Lage zu sein, diese zu finden oder – noch schlimmer – schlicht zu faul zu sein, um diese zu recherchieren.»

Selbstverständlich ist die «NZZ» da nur ein Beispiel unter vielen.

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

3 Bemerkungen zu «Vom Linksetzen»

  1. ras:

    Was für lächerliche Vorwürfe dieser Internet-Fetischisten. Es ist kaum unsere Aufgabe, den Verkehr solcher Sites zu optimieren.

  2. mad:

    Beim Beispiel mit den Terror-Websites kann man die Nicht-Verlinkung ja durchaus als redaktionelle Entscheidung verstehen.

    Aber an sich spricht doch nichts dagegen, Texte – auch für Print erstellte Texte – mit Verweisen zu Quellen oder weiteren Informationen auszustatten?

  3. Leonardo Kopp:

    Der Artikel auf Telepolis ist sehr umfangreich und bietet wertvolle Tipps zur jungen Disziplin Online-Journalismus. Eine pauschale Kritik wie von „ras“ ist kaum angebracht. Ein guter Online-Beitrag besteht eben NICHT nur aus dem Zeitungstext – oder wie so oft: Aus dem Agenturtext.

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