Endlich ein Schweizer Media Lab

Schon des Öfteren ist in diesem Weblog die mangelnde (technologische) Innovationsbereitschaft der hiesigen Medienbranche beklagt und die Einrichtung eines «New Media Think Tanks für die Schweizer Medien» angeregt worden.

Und nun schenkt sich Ringier zum 175. Geburtstag prompt ein mediaLAB:

    «Das mediaLAB prüft Möglichkeiten und Nutzen neuer Technologien für das Medienunternehmen Ringier, analysiert neue Trends, treibt so die Entwicklung zum digitalen Verlagshaus voran und sensibilisiert die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so für die neuen Medien»,

wird Thomas Trüeb, Leiter New Media bei Ringier, in einer Medienmitteilung zitiert.

Ringier folgt damit den Beispielen von BBC (s. hier und hier), New York Times Co. (s. hier), Dow Jones (s. hier) und «Los Angeles Times» (s. hier), die über Research & Development Groups, Special Editors for Innovation oder eben Media Labs Innovationen voranzutreiben versuchen.

Wie sagte doch vor bald zwei Jahren Carolyn McCall, CEO der Guardian Media Group:

    «Software developers are now just as important as your journalists, an insinuation that would have been mocked only three years ago.»

Bleibt zu hoffen, dass Ringiers neues mediaLAB nicht ausschliesslich aus Softwareentwicklern bestehen wird, sondern dass Techies gemeinsam mit Journalisten und Redaktoren an neuen Ideen und Projekten arbeiten werden. Letzteres ist laut «Press Gazette» eines der wesentlichen Ziel des von der britischen Telegraph Media Group vor kurzem ins Leben gerufenen Telegraph Labs:

    «A major aim of the project is to break down the traditional corporate divide between technology and editorial departments.»

Ebenso interessant wird es sein zu beobachten, ob Ringiers mediaLAB die nächste Rezession überstehen wird.

Was an mehr oder weniger Sinnvollem aus Media Labs hervorgehen kann, zeigt übrigens das von MSNBC vor wenigen Wochen lancierte «News Laboratory» Newsware (Medienmitteilung).

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

5 Bemerkungen zu «Endlich ein Schweizer Media Lab»

  1. Leonardo Kopp:

    Auch die Marketingleute sind hoffentlich beteiligt. Denn der Gedanke an den „Nutzen“ bzw. die Nutzung dieser neuen Technologien im Marktkontext (ob monetär oder pr-mässig) sollte ebenfalls Diskutiert werden – auch wenn er nicht unbedingt die Antriebskraft sein soll/kann.

  2. Das ist natürlich richtig. Aber daran wird man bei Ringier doch sicher denken, odr?

  3. Leonardo Kopp:

    Nun, gerade bei Verlagsprojekten scheint mir oft eine Tendenz zur „Überkorrektur“ zu bestehen. Die Gesamtkonzepte fehlen dann. Der Techi erstellt eine Site, die die Redaktion nicht nutzen kann; die Redaktion möchte ein neues Angebot, welches nicht vermarktet werden kann; die Marketingleute bringen Ideen, die entweder technisch unsinnig oder „unjournalistisch“ sind. Etc. Den Rezipienten möchte ich mal gar nicht ins Spiel bringen…

  4. Leonardo Kopp:

    Nachtrag:

    Den Vorstoss mediaLAB finde ich grundsätzlich sehr gut. Siehe Digital Leadership.

  5. David:

    Ebensowichtig wie die Beteiligung von Entwicklern, Journalisten und Marketingleuten wäre, dass Interaktionsdesigner beteiligt wären. Dieses Berufsbild muss sich in Europa aber erst noch durchsetzen.

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