O Porno mio
Falls der obenstehende Titel zwischen Anführungszeichen gesetzt ist, hat Martin Hitz wie bei meiner letzten Kolumne, «Sex mit Tier» (Anm. der Red: s. auch «Hier gibt's weder Tiere noch andere Schweinereien»), erneut den untauglichen Versuch unternommen, unliebsame Gäste aus seiner guten «Medienspiegel»-Stube fernzuhalten. Dabei geht es hier genau um sie.
Wir alle wissen, dass die Entwicklung und Verbreitung neuer Medien immer unterleibsgesteuert war: Fotografie, Film, Video, Internet – stets hatten die Anbieter von unzüchtigen Handlungen die Nase vorn, wenn es darum ging, neue Technik gewinnbringend einzusetzen. Als man in den respektablen Zeitungsverlagen gerade erst anfing, sich über Online-Geschäftsmodelle die Köpfe zu zerbrechen, scheffelten die Pornografen mit E-Commerce längst gutes Geld: mit Pay-per-View, Monats- und Jahresabos für ihre schlüpfrigen Sites.
Dann kam das Web 2.0, der Aufstand der vereinten Amateure im Internet, und seither wird es für die Pornoprofis eng. Erstmals profitieren sie nicht vom technischen Fortschritt, im Gegenteil: er gräbt ihnen das Wasser ab. Auf youporn.com, einem monothematischen Ableger von youtube.com, kriegen die Liebhaber des Fleischlichen alles, was ihr Herz oder was auch immer begehrt. Amateure liefern es frei Haus – für ein Millionenpublikum. Youporn hat mehr Besucher als CNN. Das versaut den Profis das Geschäft: Die DVD-Verkäufe sind seit einer Weile im Keller, die kostenpflichtigen Online-Angebote sind es bald auch.
Was tun? Laut «Condé Nast Portfolio» haben die professionellen Pornoproduzenten erkannt, dass sie die Amateure nicht mit deren eigenen Waffen schlagen können. Stattdessen setzen sie auf «big budgets, big names, big marketing». Und produzieren etwa eine «Adult version» von «Pirates of the Caribbean» unter dem Titel «Pirates» in High-Definiton-Technik für 3 Millionen Dollar – offenbar ein Rekord in der Branche. Die einstigen Marktführer versuchen also, das Geschäft wieder in ihre Hände zu bekommen, indem sie eine Qualitätsoffensive starten. Das sollte auch für andere Branchen Vorbildcharakter haben.
Daniel Weber ist Chefredaktor des «NZZ Folio».
Bemerkungen
Die persönliche Ausstellung seiner sexuellen Reaktionen und Genüsse der Menschen war schon in vorschriftlichen Kulturen ein Kult! Nix neues unter dem Himmel. Mich erinnern die Amateurportale an die Zeiten von St.Pauli-Nachrichten SPN mit ihrem Hausfrauen- und Hausmänner-Sex...
Immerhin bietet das Internet die Chance, dass Männer dabei etwas mehr zur Selbstdarstellung kommen können. ;)
Von: Thommen am 25.01.08 00:19
Posted on 25.01.08 00:19