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24. November 2007

Sparschwein

Kari Lüönd redet Tacheles

    «Nach fünf mageren Jahren – mit Anzeigenschwund von 30 bis über 50 Prozent bei führenden A-Tageszeitungen (bitte nie vergessen!) – sind die Verlage und vor allem die Redaktionen bis aufs Zahnfleisch gespart»,
schreibt Karl Lüönd in der aktuellen Ausgabe der «Werbewoche».

Konkret bedeute dies, dass etwa dem Kulturteil einer führenden Regionalzeitung für Honorare an Freie noch ein Budget von 400 Franken pro Zeitungsseite zur Verfügung stehe. Bei einer anderen Regionalzeitung werde ein freier Mitarbeiter für den Besuch einer Abendveranstaltung und den noch gleichennachts verfassten Bericht gerade einmal mit 150 Franken entschädigt. Lüönd dazu:

    «Die Verleger dieser Zeitungen applaudieren aber zuverlässig, wenn auf irgendeinem Podium irgendeiner die Rettung ihrer Art im Qualitätsjournalismus verortet. Was macht denn Qualität aus? Sorgfältige Recherche natürlich. Was freilich wenig nützt, wenn ich im fraglichen Sachgebiet nicht einigermassen dossiersicher bin.»
Für Recherche, Dossierkenntnis und damit für Qualität fehlten den Medienschaffenden jedoch die Voraussetzungen,
    «es fehlt ihnen die Zeit und das Budget, sich diese Voraussetzungen in geeigneter Form anzueignen. Geeignete Form bedeutet Ausbildung, Weiterbildung, Kontaktpflege ausserhalb der Tagesaktualität in Form von Lektüre, Kontaktgesprächen, Kongressbesuchen. Bedeutet Spezialisierung in Schlüsseldossiers.»
Nach den mageren Jahren sei es deshalb nun wieder Zeit zum Investieren. Aber, so Lüönd:
    «Ich fürchte, die Verleger tun es einmal mehr am falschen Ort. Dass inzwischen jeder eine wunderbare, hochmoderne Zeitungsdruckerei besitzt, hat uns pflichtgemäss beeindruckt. Dass die meisten Verleger in der Vergangenheit die beiden grossen Erfolgsfelder – die Netze und die Suchmaschinen – verpasst haben, etwas weniger. Die Erfahrung wird sie wohl nicht daran hindern, wiederum Unsummen in die falschen Dinge zu stecken, derzeit in die Materialschlachten auf dem Feld der Gratispresse. Das Geld dafür wird nach wie vor mit den Traditionstiteln verdient, aber die werden intellektuell und personell an den Rand der Funktionsfähigkeit gespart. Für mehr und kompetenter besetzte Redaktionsstellen, für Personalentwicklung, Führungstraining, Aus- und Weiterbildung, für anständige Honorare fehlen dann die Mittel.»

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