«Sex mit Tier»

Als On- und Offline-Medienschaffende, als Blogger oder einfach als interessierte Zeitgenossen sind wir hungrig nach Nachrichten im Web unterwegs; von News-Portal zu RSS-Feed, von Medienblog zu Nachrichten-Aggregationsplattform. Wir klicken uns durch den nicht abreissenden Strom von Meldungen und Meinungen, wir kommentieren, was wir lesen, wir beurteilen, was uns gefallen oder missfallen hat.

Wir nutzen das Medium als aufgeklärte, mündige Bürger, die sich informieren wollen, die ihre Informationen weitergeben wollen, die kommunizieren wollen: selbstbestimmt und demokratisch. Das ist grossartig, und ich bin sicher, dass qualitativ hochstehender «user-driven content» im Internet eine zusehends wichtigere Rolle spielen wird. Werden wir also bald mit Eichendorffs Taugenichts sagen können: «Und es war alles, alles gut!»?

Manchmal schadet es nicht, sich in die Niederungen des Online-Alltags zu begeben und zum Beispiel einen Blick auf den Verkehr auf der eigenen Website zu werfen. Ich habe nachgeschaut, was die Leute in die Suchmaschinen tippten, die zwischen dem 1. September und dem 1. Oktober auf der Website des «NZZ Folio» gelandet sind. Laut Google Analytics, einem Statistik-Werkzeug, mit dem sich die Nutzung einer Website detailliert auswerten lässt, hatten wir in jenem Monat 97’761 Besucher. Nummer 1 unter den Suchanfragen war «nzz folio». Nummer 2 war «sex». Und jetzt zähle ich nur noch die Einschlägigen unter den ersten 25 auf: 7. «porno»; 10. «stundenhotel»; 11. «schwanz»; 15. «sex mit tier»; 18. «sex mit tieren»; 19. «lust»; 23. «blasen».

Rund ein Drittel der 25 häufigsten Suchwörter zielten also auf den Unterleib. Da ist man direkt dankbar, dass auf Platz 8 und 9 «eichhörnchen» und «dachs» auftauchen – oder hofft zumindest, dass man die am Ende nicht auch noch unter der Kategorie «sex mit tier» verbuchen muss. Jedenfalls ist es ein bisschen ernüchternd, dass dieser Text hier dank den einschlägigen Keywords mehr Besucher auf den «Medienspiegel» locken wird, als jede noch so scharfsinnige Analyse zur Soziologie der Social-Networking-Sites.

Daniel Weber ist Chefredaktor des «NZZ Folio».

von Daniel Weber | Kategorie: Mediensatz

5 Bemerkungen zu ««Sex mit Tier»»

  1. Da sieht man mal, wie sehr der Mensch von seinen Trieben bestimmt wird. Sobald er alleine vor einer Suchmaschine sitzt, wird das Hirn ausgeschaltet und er sucht nach dem, was ihn wirklich bewegt. Hoffen wir, die Website von NZZ Folio konnte das eine oder andere Eichhörnchen liefern.

  2. Ziele von Suchenden haben keine Bedeutung
    für die Wege, die sie kreuzen.

    NZZ Folio, da sucht man nichts.
    Man findet.

  3. und warum bitte sollen die leute, die solches suchen, keine «aufgeklärte», respektive «mündige Bürger» sein? aufgeklärt sind sie bestimmt (sex auf rang 2!), und mündig ja wohl auch – porno ohne oral ist ja langweilig.

    also ehrlich. wake up, old wise men – fast alle männer geben in anonymen umfragen zu, hin und wieder auf sex-seiten zu surfen. die botschaft ist klar, liebe nzz – mehr nackte haut will das land. die frage ist nur: will you deliver? und kommt mir nicht mit «user driven content». lehnt euch zurück, schmökert in der weltliteratur – et voila. sex-porno-stundenhotel etc. a gogo. und das mit dem tiersex lassen wir mal weg. die psychos von der peta-fraktion gehören über den haufen geschrieben.

  4. Gemach, gemach, lieber Gabriel. Ich spreche keinem Pornoliebhaber Aufgeklärtheit und Mündigkeit ab. Mich hat einfach ein bisschen irritiert, dass eine definitiv nicht in diesen Gefilden positionierte Site wie NZZ Folio so viele Besucher anzieht, die offensichtlich auf etwas aus sind, das wir nicht bieten können. Und auch nicht anzubieten gedenken – das gehört schlicht nicht zu unserer Kernkompetenz. Wir produzieren nicht Weltliteratur, sondern Journalismus – und da zwei Drittel der häufigsten Such-Keywords auf dieses Umfeld zielen, sehe ich keine Notwendigkeit, im Folio mehr nackte Haut zu liefern.

  5. Guardini:

    Eine kleine Geschichte was ich den Tiersexliebhabern mitgeben moechte:

    Mann muss Ziege heiraten
    Ein Mann im Sudan wurde gezwungen eine Ziege zu heiraten, nachdem er dabei erwischt wurde, wie er sich gerade an dem Tier verging. Der Eigentümer der Ziege, Mr. Alifi, schnappte sich daraufhin den Übeltäter und brachte ihn vor den Ältestenrat des Ortes.
    Dieser verheiratete kurzerhand den „Tierliebhaber“ mit der Ziege und beschloß weiterhin eine Mitgift in Höhe von umgerechnet 50 US-$, welche an den Besitzer des Tieres zu zahlen sei.
    „Wir gaben ihm die Ziege und soweit ich weiß, sind beide noch ein Paar.“, so Mr Alifi gegnüber der Juba Post. Gegen Mitternacht hörte er laute Geräusche von draußen und sprang sofort auf, um nachzuschaun was los wär. Im Dunkeln ertappte er dann den Mann und die Ziege, worauf er den völlig überraschten Lüstling überwältigte, fesselte und zum Ältestenrat brachte, der über das weitere Vorgehen entscheiden sollte.
    Über die Entscheidung der Ältesten berichtete Mr Alifi gegenüber der Zeitung: „Sie sagten, dass ich ihn nicht zur Polizei bringen brauch. Statt dessen soll er mir eine Mitgift für die Ziege zahlen, weil er sie gleich einer Ehefrau behandelt hat.“
    Chaibae guaet, gaell?

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