The State of Swiss Journalism …

… wunderbar zusammengefasst von Constantin Seibt in der heutigen Ausgabe des «Tages-Anzeigers» (online nicht frei zugänglich):

    «Wen immer man im Moment an erfahrenen Journalisten trifft, man trifft auf Leute, die mehr oder weniger an Flucht denken. Und dies quer durch alle Zeitungen und Zeitschriften der Schweiz.[…]

    In den nun fünf Gratisblättern arbeiten entweder Routiniers oder Kindersoldaten, die Agenturmeldungen und Passanteninterviews zusammenschustern. Und in den nun fünf Sonntagszeitungen findet der zähe Kampf um Primeurs statt. Ihr Verkauf dreht sich darum, was neu, selten, was interessant ist. […]

    Dazu kommt, dass in den neuen Produkten konsequent Meinung, Witz, Frechheit von der Redaktion weg outgesourct werden: in unzählige Kolumnen, geschrieben von Prominenten. Kurz: <In der Journalistenbranche findet», so ein Kollege, «nun das statt, was in der Autobranche ab 1914 stattfand: statt spezialisierten Mechanikern in der Garage braucht man Arbeiter am Fliessband.> […]

    Ein MAZ-Dozent: <In Journalistenschulen stehen dann Veteranen und erzählen von Kisch und wie sie einmal vier Wochen in der Kantine von BASF gesessen haben, um den Skandal dort zu recherchieren – und zu Hause müssen seine Schüler mittags den Frontkommentar schreiben, nachmittags an eine Pressekonferenz und nachts noch ein Foto vom entgleisten Zug machen. Und das nicht nur in Käseblättern, sondern in immer grösseren Zeitungen.> […]

    Was trotzdem klar ist: Der erste Verleger, der ein faszinierendes Projekt macht, bekommt verdammt gute Journalisten (so sagten in einer unrepräsentativen Stichprobe die, die ich fragte) für 2/3 des heutigen Lohns.

    Mittlerweile – während in Luzern die Strategen [am Verlegerkongress] Gläser und Reden schwingen – träumt die geschäftlich ungeübte Journaille in Zürcher Bars davon, Unternehmer zu werden, um auch in Zukunft ihren Beruf auszuüben. Es kursieren kleine Low-Budget-Lösungen wie ein Blog mit bullshitlosem Journalismus. Die Gründung eines Clubs zwecks Debatte. Ein vages Projekt wie das deutsche <Dummy> – ein Magazin, das mit jeder Ausgabe Thema und Layout ändert. Die Übernahme des <Du> (inzwischen gescheitert, da bereits übernommen). Eine <Antiweltwoche>, die heimatlose Grossgruppen, Linke und Liberale beliefert.»

Ich hätte da übrigens auch eine Idee. Das Grobkonzept ist bereits geschrieben. Freiwillige (Geldgeber) vortreten!

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

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