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19. September 2007

Mediensatz

Eine blutige Sache

Wieder bricht ein Gratiszeitungskrieg aus, und die Medienjournalisten spitzen ihre Federn zu mörderischen Waffen. In der Version 1.0 lieferten sich in den 1990er-Jahren die beiden ersten Schweizer Pendlerblätter («20 Minuten» und «Metropol») eine «blutige Schlacht» um die Vorherrschaft in einem Markt, den es damals noch gar nicht gab. Der leserschwächere Titel musste am Schluss tot von der Wallstatt getragen werden. Beim Krieg der Gratisblätter 2.0 wird nun nicht einfach Blut fliessen, nein, jetzt wetzen auch noch Kannibalen die Messer, um abonnierte Tageszeitungen abzuschlachten. Und anders als vor zehn Jahren lässt auch noch die Blogosphäre blutrünstige Helden und Menschenfresser in die Wörterschlachten ziehen.

Zugegeben, wenn schon die Heerführer in den Verlagshäusern zum Kriegsvokabular greifen, bräuchte es schon mindestens die Langmut eines Mahatma Gandhi, um nicht mit heiserer Kehle ins Kriegsgeheul einzustimmen. Und zugegeben: Wenn gerade keine Geheimpläne wie offene Bücher vor uns liegen, neigen wir Journalisten dazu, noch die friedlichste Nachricht mit dem Vorschlaghammer zu einem Konflikt zuzuspitzen («Streit um Fett in der Milch»).

Aber vielleicht ist es heute – gerade jetzt, wenn «punkt.ch» das Schlachtfeld betritt – doch auch an der Zeit, einmal den Ton zu wechseln. Was sich in der Schweizer Medienlandschaft abspielt ist weder eine blutige Abnützungsschlacht wie einst in den Tiefen des russischen Raums noch ein pulverdampfendes Seegefecht wie damals vor Trafalgar. Wir sind Zeugen von etwas auf den ersten Blick viel Banalerem und ziemlich Trockenem. Es geht um Businesspläne, Marketingstrategien, die Rendite auf Investitionen, Logistikkonzepte und – hoffentlich doch auch – um einen journalistischen Wettbewerb um die besseren Ideen für Leserinnen und Leser.

Mit anderen Worten: Es geht um ganz normale Marktwirtschaft, vielleicht in einer etwas speziellen Branche. Aber eigentlich ist das alles für alle beteiligten spannend genug. Die Verlagsleiterin von «punkt.ch» hat es in einem Interview (ich finde es im weltweiten Netz leider nicht mehr) schlicht erklärt: Sie fühlt sich nicht als Teilnehmerin an einem Feldzug, und schon gar nicht als Mitglied eines Himmelfahrtskommandos. Business ist Business, das Leben geht auch ohne Siegesfanfaren weiter. Damit ist Caroline Thoma eine beruhigende Ausnahme in diesem Testosteron-Theater, in dem sich die einen für Schlachtenlenker, die andern als Häuptlinge von Kanibalenstämmen sehen.

Edgar Schuler ist Redaktor am «Tages-Anzeiger». Was er hier schreibt, ist seine persönliche Meinung.

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Bemerkungen

spot:

irgendwo hab ich mal gelesen, dass Gratisblätter eigentlich immer Verlust machen. Ausser eben 20 Minuten. Stimmt das?

Das mit den Tageszeitungen finde ich nicht besonders schade. Denn wer will für Informationen bezahlen, welche er nicht liest, schon 3x gehört oder gelesen hat, wenn er die Zeitung dann erhält?

Journalisten sollen Hintergründe recherchieren, interessante Reportagen schreiben und Kommentare verfassen. In Magazinen. News fliessen ausserhalb von Zeitungen besser und schneller.

Tötet die Zeitungen! Rettet das Magazin!

leonid b.:

Was ist mit den Kolumnisten? Sind die eingeschlafen? Oder warum kam seit Wochen kein neuer Text?

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