Acht goldene Blogger-Regeln
Ein supertankergrosses Ego haben die meisten. Und sie beharren auf ihrer Unfehlbarkeit penetranter als alle Päpste seit Pius IX. Und alle scheinen unter ihrer Logorrhöe nicht zu leiden, sondern sie zu geniessen.
Und trotzdem ertappe ich mich dabei, dass ich immer wieder bei den selben Bloggern lande, um mir meine tägliche Ration reinzuziehen. Aus dieser höchst persönlichen Lese-Erfahrung leite ich meine höchst persönlichen acht goldenen Blogger-Regeln ab:
- Blogge täglich, und täglich mehrmals. Nur ein konstanter Strom von neuen Einträgen bringt mich dazu, mich immer wieder neugierig auf einen Blog zu stürzen.
- Blogge kurz. Wenn ich einen Leitartikel lesen will, setzte ich mich mit der Zeitung ins Café. Wenn ich in einem Buch schmökern will, kaufe ich mir eines. Wer auf Bildschirmhöhe nicht sagen kann, was er sagen will, überlegt sich besser einen Plot für die nächsten tausend Seiten Harry Potter.
- Verlinke wenig. Dass man auf das ganze Web verlinken kann, heisst nicht dass man auf das ganze Web verlinken muss. Ein geschickt gewähltes und kopiertes Zitat ist mehr wert als tausend Links.
- Verlinke klug. Nichts ist ärgerlicher als ein lesehemmender Link am falschen Ort. Und noch schlimmer: auf die falsche Site.
- Verwende den RSS-Feed für die Blog-Einträge, und zwar für alle und in voller Länge. Wie hatte ich eigentlich das Web benützt, bevor RSS erfunden wurde? Und warum soll ich nach einem Appetithäppchen vom RSS-Reader auf den Browser wechseln? Weil mir da ein Werbebanner entgegen lacht? Oh je.
- Interaktivität ist überbewertet. Unter hundert Blog-Einträgen, die ich lese, ist vielleicht einer, den ich kommentieren möchte. Und unter tausend Kommentaren ist vielleicht einer, den zu lesen es sich lohnt. (Das heisst nun allerdings nicht, dass man die Kommentarfunktion hinter einer Login-Mauer verstecken soll.)
- Sei faktenarm und meinungsstark. Was interessiert, ist der überraschende Blickwinkel, der intelligente Kommentar, die ungefilterte Meinung. Für die Fakten gibts die «Tagesschau» und den klugen Link.
- «If you can't be funny, be interesting.» Wer beides nicht kann, lässt das Bloggen besser bleiben.
Acht einfache Regeln also. Aber gar nicht so einfach einzuhalten, wie die eigene bittere Erfahrung zeigt ...
Edgar Schuler ist Redaktor am «Tages-Anzeiger». Was er hier schreibt, ist seine persönliche Meinung.
Bemerkungen
Re: "Verwende den RSS-Feed für die Blog-Einträge, und zwar für alle und in voller Länge."
Da könnte doch der Medienspiegel als Vorbild vorangehen...
Von: Marcel am 25.07.07 06:58
Posted on 25.07.07 06:58
Ich weiss, ich weiss. Ich muss mal schauen, ob sich das einfach bewerkstelligen lässt. Den Feed mit Anrissen möchte ich nämlich nicht aufgeben. Denn mir ist diese Form lieber, da sich eine Liste mit vielen Feeds so schneller überfliegen lässt.
Von: Martin am 25.07.07 07:13
Posted on 25.07.07 07:13
Gute subjektive Liste, Herr Schuler. Vor allem, weil sie wohl den Bedürfnissen eines grossen Teils der Blogleser entspricht.
Lustig: sogar diese kurze Schuler'sche Liste "lampet" unten über den Bildschirm hinaus. Blogspalten sind zwar schön schmal. Damit das Gesagte auf einen screen passt, muss man aber ganz schön eindampfen.
Von: WeiachBlog am 25.07.07 08:10
Posted on 25.07.07 08:10
Stimmt, da gibt es einige Punkte, die auch ich mir wieder zu Gemüte führen müsste. Wer von uns Bloggern weiss aber schon so genau, wer da draussen unser Geschriebenes liest!?!
Von: rafael am 25.07.07 10:43
Posted on 25.07.07 10:43
Dem kann ich absolut zustimmen! Trotzdem ertappe ich mich immer und immer wieder dabei, genau diese Regeln nicht zu befolgen... :(
I'm working on it! ;o)
Von: Andreas am 25.07.07 17:54
Posted on 25.07.07 17:54
Ich finde die Liste interessant. Nur Punkt 6 ist für mich keine Regel sondern eine Meinung. Dass Interaktivität überbewertet sei, kann ich nicht gelten lassen, da dies meiner Meinung nach das Element ist, welches den durchschlagenden Erfolg des Internet ausmacht, speziell von der mediendidaktischen Perspektive her gesehen. Ob die Kommentare in den Blogs immer intelligent seien, behauptet erstens niemand und erwartet zweitens auch niemand. Denn alle Inhalte, auch jene der traditionellen Printmedien, sind von der Qualität her gesehen höchst verschieden. Ich habe auch schon in sehr altehrwürdigen Blättern in verschiedener Hinsicht schwache Artikel bis regelrechte Entgleisungen gelesen, hatte aber nicht die Möglichkeit, mich sofort und direkt auf diese Inhalte zu beziehen und zu reagieren. Ob ich das gemacht hätte, will ich hier nicht behaupten. Merci dennoch für die Anregung, herzlich, Miriam Fischer
Von: Miriam am 25.07.07 18:47
Posted on 25.07.07 18:47
wieso nicht einfach EIN full rss feed? anrisse kann man auch damit erstellen (more-tag bei wordpress) und dann den rss reader entsprechend konfigurieren.
Von: florian ebneter am 25.07.07 21:57
Posted on 25.07.07 21:57