Aus dem «Cash»-Kästchen geplaudert

Immer mal was Neues aus dem Hause Ringier. Oder doch eher was Altbekanntes: Es wird wieder einmal ein Blatt geschlossen. Die Wochenausgabe von «Cash» erscheint nur noch bis Ende Monat und wird dann eingestellt. Die Redaktion wird sich bestimmt begeistert und mit viel Herzblut für die letzten Ausgaben ins Zeug werfen.

Was dann mit den Angestellten geschieht, ist offenbar auch den Verantwortlichen nicht so ganz klar. In den Agenturmeldungen und Zeitungsberichten war davon die Rede, die Betroffenen würden anderswo bei Ringier unterkommen – ob sie das überhaupt möchten, ist eine andere Frage. Im täglichen Schwesterblatt «Cash daily» war davon allerdings nur nebenbei in einem Nebensatz zu lesen. Dort wurde der Sozialplan betont.

Die Manager haben eine Entscheidung gefällt. Das haben sie vor fünf Jahren schon getan, als sie die Produktion von «Cash» abschafften, also die Abteilung, die bei der Herstellung der Zeitung für die Schlussredaktion verantwortlich war.

Aufgepasst, liebe Leserin und lieber Leser, es folgt hier ein Stück Betroffenheitsjournalismus, denn ich war damals einer der Produzenten bei «Cash». Aber wie diese Abteilung geschlossen wurde, ist doch einigermassen interessant, denn die Entscheidungsfindung lief damals vielleicht ganz ähnlich wie jetzt bei der Abschaffung der gesamten Zeitung.

Das Ende der Produktion war schon ein Jahr zuvor geplant gewesen, und man hatte sich dafür ein Beraterbüro angelacht, das die Abläufe in der Zeitung untersuchte und, oh Wunder, zum Schluss kam, die Produktion könne problemlos abgeschafft werden. Bei der entscheidenden Sitzung fragte der damalige stellvertetende Chefredaktor, ob ihm die externen Berater kurz definieren könnten, was die Produzenten bei «Cash» für eine Funktion hätten. Die teuren Analysten wussten es nicht zu sagen. Sie verfassten anschliessend einen neuen Bericht, in dem die Produktion als USP, als Stärke, von Cash dargestellt wurde. Ein Jahr später wurde sie trotzdem abgeschafft, und Chefredaktor Dirk Schütz hielt kurz darauf fest, die Redaktion mache jetzt mit weniger Leuten ein besseres «Cash». Offenbar doch nicht gut genug.

Hier endet der Betroffenheitsteil, und es folgt zum Schluss eine kleine Beobachtung. In derselben Ausgabe von «Cash daily», in der das Ende von «Cash» verkündet wurde, fand sich drei Seiten weiter der Titel: «Orange prüft Outsouring». Was uns lehrt: Wenn das C fehlt, werden die Leute sauer. «Raussauern» ist wohl ein neuer Begriff für rausekeln.

Interessanterweise ist derselbe Tippfehler auch in der neusten Handelszeitung zu finden. Die gehört ja zur Axel-Springer-Gruppe, welche die «Cash»-Abonnenten übernimmt. Offenbar auch die kreativen Schreibweisen.

Martin Hauzenberger ist Journalist und Liedermacher.

von Martin Hauzenberger | Kategorie: Mediensatz

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