Die Reaktionen auf die Übernahme der Berner Espace Media Groupe durch die Zürcher Tamedia seien «überraschenderweise relativ moderat» ausgefallen, schreibt Rainer Stadler in einem «NZZ»-Leitartikel:
- «Grosse Besorgnis um den Erhalt von Meinungsvielfalt und medialem Pluralismus war selten zu hören. Im Gegensatz zu früher scheint man sich mit dem seit Jahrzehnten anhaltenden Prozess der Medienkonzentration abzufinden. Ja selbst eine grosse Kröte wie Tamedia, auf dem Schweizer Markt nun die umsatzstärkste private Mediengruppe, wird von der Öffentlichkeit offenbar ohne lautes Wehklagen geschluckt.»
Eine «breite Eigentümerschaft im Sinne von Vielfalt und Wettbewerb» im Medienbereich wäre laut Stadler zwar wünschenswert. Dennoch sieht er auch eine mögliche positive Folge des Vordringens der Tamedia nach Bern:
- «Hatte nämlich die Branche bisher angenommen, es würden sich im Rahmen der Konsolidierung fünf bis acht Medienhäuser mit regionalen Fast-Monopolen herausbilden, wird nun eine neue Variante zumindest denkbar: ein Duopol oder ein Dreigestirn von Medienhäusern, welche einen überregionalen Mantel anbieten und die einzelnen Regionen mit speziellen redaktionellen Teilen bedienen. Auf diese Weise könnte in zurzeit monopolartig bewirtschafteten Gebieten gar ein publizistischer Wettbewerb wieder erwachen. Dies wäre eine Bereicherung.»
Wenig bis gar nichts hält Stadler in seinem medienpolitischen Tour d’Horizon von der staatlichen Presseförderung über die Verbilligung von Posttaxen und von der Subventionierung privater Rundfunkveranstalter mit Geldern aus dem SRG-Gebührentopf.
Etwas anders sieht dies Norbert Neininger. Der Verleger und Chefredaktor der «Schaffhauser Nachrichten» in der Freitagsausgabe der «NZZ»:
- «Die Schweiz ist ohne eine vielfältige Medienlandschaft nicht denkbar, und eine vielfältige Medienlandschaft gibt es nur, wenn uns nicht nur viele Zeitungstitel, sondern auch viele unabhängige Medienhäuser erhalten bleiben; die Öffentlichkeit trägt dieser Erkenntnis durch Fördermassnahmen Rechnung, die künftig vor allem kleinauflagige Zeitungen geniessen dürften.»