«The Washington Post» goes «Facebook»

WashPost_Compass.png Die Studenten-Website «Facebook», mit gegen 25 Millionen aktiven(!) – nicht mehr nur studentischen – Usern wohl eines der grössten Social Networks, öffnet sich. Externe Entwickler und Firmen können ihre Anwendungen künftig in das Angebot bzw. das «soziale Betriebssystem» von «Facebook» integrieren und allen Usern des Netzwerks zugänglich machen. Allfällige Werbeeinnahmen und Verkaufsprovisionen, die mit externen Applikationen generiert werden, fallen zu 100 Prozent den jeweiligen Anbietern zu (s. den Bericht der «New York Times»).

Bereits haben mehr als 80 Unternehmen – neben Microsoft und Amazon etwa auch die «Washington Post» – ihr Interesse an einem Mittun bekundet (für Beispiele s. «Mashable.com»), bietet «Facebook» doch Zugang zur attraktiven Zielgruppe der jungen und gut ausgebildeten Studenten.

Was läge für ein «Old Media»-Unternehmen wie die «Washington Post» näher, als den netzwerkenden Studenten Schlagzeilen zur Integration in ihre persönlichen Profile anzubieten? Rob Curley, kreativer Kopf und Chef eines Entwicklungsteams bei Washingtonpost.Newsweek Interactive, schreibt in seinem privaten Weblog dazu:

    «We shouldn’t even bother to try to build something on the new Facebook API if we were just going to try to get our headlines on people’s pages. (Yep, that’s what every college student wants: headlines from The Washington Post on their Facebook profile). […] we needed to build things that would really work on a social-networking site, but that the very last thing we would want was for The Washington Post to look like Pat Boone [vergleichbar etwa mit Vico Torriani] rapping.»

Im Zentrum von sozialen Netzwerken stehen die Profile der Nutzer. Ziel ist es schliesslich, sich mit Gleichgesinnten zu verbinden: gleiche Schule, gleicher Musikgeschmack, gleiche sexuelle Präferenzen etc. Weshalb also nicht gleich auch die politische Haltung ermitteln und ins persönliche Profil integrieren? Und wer trägt wesentlich zur politischen Meinungsbildung bei? Richtig, die Qualitätszeitung!

Dies haben sich offenbar auch Curley und Kollegen gesagt und als erste «Facebook»-Applikation der «Washington Post» nicht einen Schlagzeilen-Ticker, sondern «The Compass» lanciert.

Das Tool ermöglicht es den Mitgliedern des Netzwerks, sich über die Beantwortung von zehn Fragen im politischen Spektrum der USA einzuordnen und das Resultat als Kompass im persönlichen Profil anzeigen zu lassen. Hat sich ein User für «The Compass» entschieden, wird dies den «Freunden» in seinem «Facebook»-Netzwerk automatisch mitgeteilt. «Freunde», die ihre politische Einstellung ebenfalls über «The Compass» eruieren lassen, werden überdies als Punkte auf einer «politischen Karte» angezeigt. Rob Curley in seinem Blog weiter:

    «For us, one of the most important things was to build something that we thought would work on Facebook and do it in a way that showed respect for what The Washington Post and washingtonpost.com stand for – and at the same time, try to get those Facebook members who had an interest in politics to remember that washingtonpost.com is the definitive site on the web for national politics. And we hope they are reminded of our newspaper’s commitment to political coverage every time they see The Compass with the washingtonpost.com logo on it.»

Die «Washington Post» nutzt auf diese Weise also nicht nur die Hebelwirkung bzw. den Netzwerkeffekt des Social Networks, sondern ruft sich bei den meist jungen «Facebook»-Usern auch als politische Instanz in Erinnerung und kann so möglicherweise neue Leserschichten erschliessen.

von Martin Hitz

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