Mitmach-«Magi»

Eben erst haben wir an dieser Stelle noch ein klein wenig gegen die Website des «Magazins» gegiftelt, und schon haben die Verantwortlichen gehandelt! Hier nur ein erster Eindruck:

«Das Magazin» ist seit heute auch ein Wiki, und damit kann jeder Artikel von der Userschaft – zumindest theoretisch – überarbeitet und ergänzt werden. «A very bold move», würde der Amerikaner da wohl sagen.

Noch ist es aber nicht ganz so weit, wie auf der «Magazin»-Website zu lesen ist:

    «Bis zur Vollen Ausschöpfung der technologischen Möglichkeiten haben wir noch einen weiten abenteuerlichen Weg vor uns. Auf dem Weg zu diesem offeneren noch farbigeren Magazin Online bitten unsere Leser um Verständnis und Geduld. Dies ist erst der Anfang.»

Immerhin sind aber bereits sämtliche Inhalte frei zugänglich und damit verlinkbar, und alle Artikel können von registrierten Usern auch kommentiert werden. Selbst mit bewegten Bildern wird experimentiert.

Optisch kommt das Ganze luftig und in grosser Schrift daher. Bilder und Illustrationen tauchen – wohl eher aus technischen Gründen – aber noch eher spärlich auf.

Irgendwie erinnert das Ganze an die Website des in Japan domizilierten Information Architects Oliver Reichenstein. Und siehe da! Immer wieder stösst man beim wilden Klicken durch das «Magi»-Wiki auf den Namen des Schweizer Designers.

Damit dürfte auch klar sein, wohin die Reise gehen soll. Man lese dazu nur diese beiden interessanten Einträge auf Reichensteins Weblog:
«Newspaper Wiki: Schematics»
«Washington Post Redesign as a Wiki»

Alles noch etwas verwirrend zwar, but a very bold move, indeed. Chapeau! Aber nicht vergessen: «Ideas are cheap, implementation is hard!»

Update, 13. Mai 2007: Noch können die Artikel des «Magazins» nicht wirklich kommentiert werden. Wer dies will, muss nämlich die Eröffnung eines Benutzerkontos beantragen – und das tut man mit einer E-Mail an redaktion[at]dasmagazin[punkt]ch! Auch mehr als 24 Stunden nach meinem Antrag bin ich jedoch immer noch kontolos. Aber es ist schliesslich auch Wochenende, und kommentieren kann man vielleicht nur während der Bürozeiten. Sicher wird sich das alles noch geben, wie von «Magi»-Information-Architect Oliver Reichenstein im Kommentarbereich zu diesem Eintrag zu erfahren ist.

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

22 Bemerkungen zu «Mitmach-«Magi»»

  1. Bobby California:

    Bold move? Als ehemaliger langjähriger Tagimagifan erlaube ich mir, von den angekündigten Neuerungen nicht begeistert zu sein. Aus drei Gründen:

    1. Wenn alle im Internet Zeitungsartikel anonym kommentieren dürfen, wird die Sache erfahrungsgemäss bald unappetitlich. Es kommt zu allerhand Fights, Beschimpfungen und sinnlosen Beleidigungen. Die schöne Manuella von der Télévision Suisse Romande hat soeben ihren Blog eingestellt, weil sie mit den anonymen Dreckschleudern nicht klar kam – tsr.blogs.com/mm

    2. Wenn es um ein halbwegs brisantes Thema geht, wird die Kommentarabteilung schnell zugemüllt mit hunderten von Kommentaren. Die Sache wird in kurzer Zeit total unübersichtlich. Gott habe Erbarmen mit dem Admin, der so etwas moderieren muss. Da lese ich lieber eine redigierte Leserbriefseite im Heft. Kommentarschreiben ist etwas feines, ich mache es ja auch gerade, aber es funktioniert meiner Meinung nach nur auf Insiderwebsites, die nicht von Kreti und Plethi gelesen werden.

    3. Wikipedia ist eine tolle Sache, aber als Journalist bin ich sicher nicht daran interessiert, dass jeder im Netz an meinem Text herumfuhrwerkt.

  2. Zu 1.): Ich denke nicht, dass jedermann demnächst an Frau Rotens Ergüssen herumfeilen oder das Interview von Frau Mitscherlich abändern kann. Das wäre ja absurd. Vermutlich wird das „Magazin“ für gewisse Geschichten die Leser aber im Voraus zum Liefern von Input auffordern – seien es Fakten, seien es Meinungen -, was je nach Thema durchaus sinnvoll sein kann.

    Zu 2.): Das mit den Kommentaren ist sicher sehr heikel und wird ohne grosses Engagement der Redaktion kaum gut gehen (s. die Foren der „Weltwoche“). Der Kommentarbereich darf sicher nicht sich selbst überlassen werden. Im Idealfall müsste der Autor einer Geschichte auch für die Moderation der zugehörigen Kommentare verantwortlich sein. Die Redaktion muss auch mitdiskutieren und so zum Beispiel ausufernde Diskussionen wieder in «richtige» Bahnen lenken.
    Grundsätzlich denke ich aber, dass die Medien nicht darum herumkommen werden, zumindest Teile ihres Angebots durch das Publikum kommentieren zu lassen. Denn diskutiert werden die Artikel ohnehin – wenn nicht am Ursprungsort der Veröffentlichung, dann halt „unkontrolliert“ im grossen weiten Web.

  3. DB:

    Das sieht schonmal sehr spannend und vielversprechend aus. Hoffen wir, dass das Versprochene eingehalten werden kann.

    Und in Sachen Wiki, bzw. „herumfuhrwerken“: Die FAS hat das Experiment schon gewagt und Artikel vorab ins Netz gestellt und dann den Artikel inklusive Anmerkungen von Lesern in der Printausgabe veröffentlicht. Das kann also durchaus funktionieren. Warum sollte der Journalist immer alles besser wissen als seine komplette Leserschaft?

  4. Vielen Dank fuer die netten Worte. Und ja, da stecken wir dahinter. Und nein, keine Angst, da kann nicht jeder reinfunken. Und hey, anonyme Kommentare gibt’s keine:

    http://www.dasmagazin.ch/index.php?title=Das_Magazin:Leser_Schreiben

    Einen Account kriegt nur, wer mit seinem richtigen Namen fuer das einsteht, was er da sagt. Schmierer, Selbstwerber, Flucher und Propagandisten werden sofort wieder verbannt. Zuerst werden Accounts an andere Journalisten, Freunde, Bekannte vergeben. Leserbriefschreiber haben auch Chancen reingelassen zu werden.

    Die Magiredaktion ist da sehr vorsichtig, und das ist richtig so.

    Im Augenblick ist die Seite noch unbebildert, kommt aber sobald wir den neuen Server kriegen. Es hat auch sonst noch einige Fehlerchen, aber wir wollten da einfach mal raus damit. Ganz nach dem „Pragmatic Programmer“-Motto: release soon, release often.

  5. Pingback: medienlese

  6. Bobby California:

    Danke für die Erklärungen. Nachdem ich das Konzept auf Olivers Website überflogen habe, ist mir jetzt alles klar. Die Sache sieht interessant aus.

    Mich hat zunächst der obenstehende Satz verwirrt: «…und damit kann jeder Artikel von der Userschaft – zumindest theoretisch – überarbeitet und ergänzt werden». Offenbar sind doch nur Ergänzungen gefragt von seiten der Userschaft, und die Möglichkeit des Überarbeitens bleibt den Profis vorbehalten. Eigentlich eine gute Idee. Tatsächlich würde eine Menge Bullshit ungedruckt bleiben, wenn Journalisten vermehrt Informationen von gut informierten Leuten in den Text einbauen könnten.

    Damit verbunden ist natürlich das Risiko, dass einem dann die Konkurrenz die Idee für einen Artikel wegschnappt, so ähnlich wie das beim Sprüngliartikel gelaufen ist…

  7. 1. 24 Stunden ohne Konto? Ein richtiger Webzweinuller ist da natuerlich viel schneller unterwegs, klar, sogar am Wochenende. Aber wir habens da mit gestandenen Journalisten zu tun, die die ersten vorsichtigen Schritte in einem anderen Medium tun. Das sind Skirennfahrweltmeister, die zum ersten mal auf dem Snowboard stehen.

    2. Das Risiko, dass einem dann die Konkurrenz die Idee für einen Artikel wegschnappt? Wieder sieht man den frischgebackenen Snowboarder vor sich, der zuerst auf der Kante vorsichtig den Hang abrutscht. Artikel online wegkopieren ist genauso Tabu wie gedruckte Artikel abschreiben. Artikel 2 Wochen frueher online zu publizieren ist freilich schon zuenftig in den Hang gelegen. Das ist ja nichts fuer den Rookie. Der Bricht sich alle Knochen. Deshalb auch hier: Abwarten und Kaffischnaps trinken, das kommt schon… :)

  8. Pingback: Blattkritik.ch

  9. DB:

    Was das Klauen von Texten anbetrifft, würde ich gar sagen, dass man mit einer Online-Vorabpublikation eher auf der sicheren Seite ist. Im Mediengeklüngel in Zürich sind Ideen schnell geklaut, wer einen (unfertigen) Text online stellt, hat zumindest dokumentiert, wo die Idee herkommt.

    Mein Account ist auch noch nicht bestätigt worden, aber darüber kann man getrost mal hinwegsehen. Dem Magazin ist es als erstem etablierten Schweizer Printmedium gelungen, ein echtes Online-Konzept umzusetzen, das diesen Namen verdient. Man muss ja nicht gleich zum ultrazweinulligen, extrahippen Blog werden. Das sind wir schon ;-)

  10. DB, die Zeiten, wo ihr die Ultrahippen wart, sind jetzt halt vorbei, die Magaziner stehen unter Japanischem Starkstrom… ; )

    Was Deinen Account anbelangt:

    1) Bevor wir den neuen Server haben, ist nichts mit User-Accounts, weil wir sonst Stress kriegen mit der Migration.
    2) Wie ich eben gehört habe, sind die gleich bombardiert worden mit Anfragen. Die Addresse redaktion[at]dasmagazin.ch ist so ziemlich lahmgelegt. Ich schau hier minütlich auf die Stats und krieg mich nicht mehr. Sowas hab ich noch nie gesehen. Redesigns brauchen sonst 2-3 Wochen bis sich was zeigt.

  11. daskommtnichtgut:

    kommt mir alles sehr web-2.0-mässig vor (d.h. sinnentleert). mitmachen dürfen nur akkreditierte (und zwar von der redaktion). beschimpfen ist nicht, ausser im magazin durch journalisten selbst, wenn man gegen nicht genehme politiker (dorftrottel) und unangenehme weibliche konkurrenz (frigide kühe) schiesst.

  12. magazinleser:

    Super

    a) Artikel im Volltext
    b) (zukünftige) Kommentar-/Editiermöglichkeit
    c) luftiges Layout

    Weniger gut / Wünschenswert

    a) Serifen-Schrift für Fliesstext: am Bildschirm einfach zu mühsam. Weshalb nicht umgekehrt? Titel in Serife, Fliesstext serifenlos.
    b) schön wären Artikel als PDF im Originallayout (vgl. Blattkritik.ch)

  13. DB:

    web2.0=sinnentleert, der ist gut. und die zukunft ist mangels beteiligung auch abgesagt…

    Oliver Reichenstein, wir werden uns ordentlich anstrengen, um in Sachen Hipness wieder nachzulegen. Vielleicht müssen wir unserem Code auch mal japanischen Starkstrom zuführen.

  14. daskommtnichtgut:

    @DB
    sinnentleert darum, weil drittklass-filmli auf youtube, myspace und konsorten niemandem mehrwert bringen, weil mehr blogschreiber mit sicht auf den eignen bauchnabel als blogleser, weil second life ca. 5000 mitglieder hat, die wirklich dabei sind etc., etc. in der zukunft haben wir doch andere probleme zu lösen.

  15. DB:

    Es gibt tausende schlechte Cds, trotzdem finde ich Musik nicht generell nutzlos. Reicht das als Antwort?

  16. daswirddigitalschrott:

    nein (auch wenn wir uns immer weiter vom thema entfernen). cd liefern gleichbleibende qualität, ausser ein web-2.0-hirni hat von einem freien mp3-dienst herunterkopiert.

  17. DB:

    Darum geht es doch nicht. Es gibt gute Web2.0-Sachen, es gibt weniger gute Web2.0-Sachen. Es gibt schlaue Menschen im Internet und weniger schlaue Menschen im Internet (auch ausserhalb übrigens). Web2.0 ist ein viel zu grosser und umfassender Begriff, als dass man da alles über einen Kamm scheren könnte.

    Die gute Nachricht für dich: Das Magazin in print wird nicht abgeschafft, bloss weil jetzt auch online sich was bewegt. Web2.0 wird dir nicht wehtun.

  18. „magazinleser“: Ich hab Deine Mail gekriegt, war aber zu stark am schwitzen mit all den Updates.

    Serifen vs nicht serifen ist nicht gar so offensichtlich wie Du glaubst. Weder in print noch online:

    „Many web professionals such as graphic designers claim that this relatively low resolution cannot render effectively enough the fine finishing strokes of serif typefaces, and that sans serif typefaces lend themselves more naturally to being digitised, and come out cleaner and thus more legible.

    However, this has not been borne out by recent evidence ( Bernard, 2001 , Boyarski et al., 1998 , Tullis et al., 1995 , De Lange ), that shows no difference in legibility between serif and sans serif font on the web.“
    http://www.alexpoole.info/academic/literaturereview.html

    Nielsen ist mir da in seinem letzten Werk etwas zu schwarz auf weiss (er unterstuetzt Deinen Gesichtspunkt voll). Meine private Meinung dazu ist: Ab 14px kommt die Serife langsam in Fahrt. Leider spielt uns dabei der Explorer6 einen kleinen Streich, da er 100% anders liest als der neete Feuerfuchs.

    PDF: Auch da. Das Heft hat ja schon auch ein Existenzrecht in Papier. Was fehlt ist ein CSS zum printen.

    Zum Stand der Dinge ueberhaupt. Es gibt noch viel zu tun. Die meiste Arbeit macht uns das „#$% WYSIWYG. Besonders froh bin ich darueber, wie gut die agile Arbeitsmethode im allgemeinen aufgenommen wird. Bisher hat nur so ein alter Journi genoergelt wegen Orthographie und mangelnden Sprachfertigkeiten meinerseits.

    Unter:

    http://www.dasmagazin.ch/index.php/Benutzerprofile_-_Hinweis

    findet Ihr ein Paar Hinweise was wie wann noch alles kommt. Wir sind froh um jeden Input, den wir kriegen (solang hoeflich formuliert).

  19. DB:

    Habe mich heute gerade gewundert, wie sich mein Wiki-Benutzerprofil geheimnisvoll verkürzt hat…

    Ich finde das Vorgehen mit öffentlicher To-Do-Liste übrigens sehr spannend. Dass der eine oder andere damit überfordert ist, dass ein etabliertes Medium halbfertige Sachen publik macht, ist vielleicht ganz gut. Es wird langsam Zeit, dass die Schweiz aus der Internet-Lethargie erwacht…

    Werde die Website weiter aufmerksam verfolgen und Inputs geben, wenn mir was auffällt.

  20. mateo:

    Allerdings finde ich die vielen Rechtschreibefehler, falschen E-Mail-Adressen und falsch geschriebenen Autorennamen in der Tat unprofessionell. Transparenter Work-in-Progress ist ja gut, aber eine Publikation, die von ihrer Sprachkompetenz lebt, darf online nicht so voller Fehler sein.

  21. mateo: da hast Du allerdings recht. Geht auf meine Kappe. Ich habe gestern alles neu verlinkt und dabei etwas gepfuscht: Dabei sind mir beim hin- und herschieben zwei Fehler unterlaufen: Aus Roten wurde Rothen, aus Dietrich wurde Diethelm. Sorry, Magazin.

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