Hanspeter Lebrument habe den Glauben an die Zukunft der Zeitung verloren, schreibt heute der Branchendienst «persoenlich.com» und zitiert aus einem Interview der «Handelszeitung» mit dem obersten Schweizer Zeitungsverleger. Grund genug, sich das mit frei zugänglichen Online-Inhalten geizende Wirtschaftsblatt für 4,80 Franken(!) am Kiosk zu beschaffen.
Und einmal mehr zeigt sich: Abschreiben wäre gefährlich gewesen. Denn so düster sieht Lebrument die Zukunft seiner Branche nun auch wieder nicht; er scheint aber ins Grübeln geraten zu sein:
- «Die nachfolgenden Generationen, die mit dem Handy aufwachsen, könnten bald auf den Kauf von Zeitungen und auch auf Gratiszeitungen verzichten.»
Zeitungen würden «bald nicht mehr in gedruckter, sondern in elektronischer Form erscheinen», meint der Präsident des Verbands Schweizer Presse. Der Zugang zu «General News» sei für die Leser «auf allen Kanälen und billiger als über Zeitungen» zu haben.
Da liegt Herr Lebrument vermutlich richtig (wobei «bald» doch etwas gar pessimistisch oder – je nach Optik – optimistisch sein dürfte). Ist es nicht gerade deshalb absolut entscheidend – und hier wiederhole ich mich – den eigenen Brand mit anderen Inhalten als mit aufbereiteten Agenturmeldungen in die neuen Kanäle hinüberzuretten (s. dazu hier)?
Was die Zukunft des eigenen Hauses, der Südostschweiz Mediengruppe, angeht, gibt sich Lebrument zuversichtlich. Überleben würden nämlich nur jene Zeitungen,
- «die seit Jahren vermehrt auf regionale Berichterstattung umgestellt haben. Das bekommt der Konsument sonst nirgends.»
Eine Aussage, die derzeit überall zu hören ist. Im Lokalen und im Regionalen fühlt sich die Branche offenbar noch weitgehend sicher.
Dies könnte sich indes rasch ändern, denn gerade im «hyperlokalen» Bereich, der für den interessierten Bürger besonders relevant ist, wo Journalisten etablierter Medien aber kaum je hingelangen, drängen sich Bürgerjournalismus-Projekte – im Idealfall kombiniert mit professionellen Redaktoren – ja geradezu auf. Und diese liessen sich im Internet zumindest im Kleinen durchaus auch ohne mächtige Verleger und mit bescheidenen Investionen realisieren.
Katastrophal, dass ein Verleger und Präsdient so etwas sagt. Was, wenn er recht hat? Wenn die Leute sich in 30 Jahren zufrieden geben mit News auf dem Handy und Sensatiönchen von Bürgerjournalisten? Dann können wir uns ja gleich in die Wälder schlagen und uns von Beeren und Wurzeln ernähren (etwas drastisch ausgedrückt).
Eine gute Zeitung bietet doch viel mehr als News und Lokalmeldungen. Zum Beispiel Kommentare, lange Interviews mit Leuten, die etwas zu sagen haben, Reportagen, einen intelligenten Kulturteil.
Das Schlimmste ist, dass ehemals gut gemachte Produkte wie der Tagi meinen, sich der grassierenden Verronorpisierung anpassen zu müssen, um modern zu sein.