Tamedia geht’s gut

Auch die Zürcher Tamedia ist zufrieden mit dem Jahresergebnis 2006. Bei einem Umsatz von 723,6 Mio. Fr. (+11,3%) konnte auf Konzernebene ein Gewinn von 98,4 Mio. Fr. (+23,4%) erzielt werden. Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) nahm um 17,8% auf 112,2 Mio. Fr. zu.

Im Geschäftsbereich Zeitungen erhöhte sich der Umsatz um 10,4% auf 493,8 Mio. Fr. Der Anstieg sei «in erster Linie auf die Integration der Thurgauer Zeitung und auf das Umsatzwachstum von 20 Minuten und den Stellenanzeigen zurückzuführen», heisst es in einer Medienmitteilung (PDF). Allein das Pendlerblatt «20 Minuten» generierte im vergangenen Jahr bereits 144 Mio. Werbefranken («Tages-Anzeiger»: 203 Mio. Fr.).

Der Zeitschriftenbereich trug 91,7 Mio. Fr. (+5%) zum Gesamtumsatz bei. Mit elektronischen Medien wurde ein Umsatz von 58,7 Mio. Fr. (+16%) erzielt, dies nicht zuletzt dank der «positiven Entwicklung» des Online-Stellenmarkts und von «20minuten.ch».

Einem Bericht von «NZZ Online» zufolge will Tamedia im laufenden Jahr denn auch ins Internet (und in das Sorgenkind «Facts») investieren. Nach «20 Minuten» sei nun der Webauftritt des «Tages-Anzeigers» an der Reihe. Es müssten neue Konzepte her, eine Aufstockung der Redaktion reiche nicht mehr, wird VR-Präsident Hans Heinrich Coninx auf «NZZ Online» zitiert.

Viel mehr Zahlen und Fakten gibt’s im Auszug aus dem Geschäftsbericht (PDF; 703 KB) und in den Präsentationsunterlagen (PDF; 5 MB) von Tamedia-CEO Martin Kall.

Daraus vielleicht noch dies: Verdankenswerterweise liess Kall für seine Präsentation auch die Entwicklung der Bruttowerbeausgaben für die Jahre 2003-2006 zusammenstellen, aufgeteilt nach Mediengattungen. Danach haben in der Schweiz etwa die Ausgaben für Online-Werbung im vergangenen Jahr um 35,9% auf 53 Mio. Fr. zugenommen. Leider lassen sich aber Vergleiche wie dieser nicht anstellen, da sich die Online-Kategorie in der AIS-Statistik der Wemf aus Apples and Oranges (Zeitungen, Ebay, Bluewin etc.) zusammensetzt.

Oder weiss jemand von einer Erhebung zum Online-Werbeaufkommen auf Schweizer (oder auch z.B. auch deutschen) Zeitungswebsites?

von Martin Hitz

4 Bemerkungen zu «Tamedia geht’s gut»

  1. Nicht sehr sinnvoll, aber wahr: Es gibt diesbezüglich tatsächlich noch keine umfassenden empirischen Daten, höchstens sehr veraltete oder dann individuelle Fallstudien.

  2. Aber interessant wären solche Daten doch schon, etwa um herauszufinden, ob die Stagnation bzw. der vermutlich anstehende Rückgang der Printwerbung durch den Online-Bereich kompensiert werden kann oder nicht. Oder mache ich da einen Überlegungsfehler?

  3. Sicher kein Überlegungsfehler. Solche Daten wären ja eigentlich interessanter denn je, denn bis jetzt fällt es den meisten Online-Medien leicht, Leser zu finden, aber schwer, aus diesem Geschäftsbereich Geld zu lösen. Und ohne Geld wird es wohl auch keine professionellen Medienanbieter im Netz mehr geben – und ich wäre der Letzte, der seine Informationen komplett von usern generated haben will.

  4. Daniel:

    Der Rückgang der Printwerbung wird zumindest teilweise kompensiert durch den Rückgang der Kosten bei Druck und Distribution. Angenommen die Werbe-Einnahmen entsprechen in etwa diesen Kosten, so würden die Einnahmen durch Verkauf und Abonemente für die Generierung und Aufbereitung der Inhalte ausreichen. Und in der schönen neuen digitalen Welt brauchts die Werbung nicht mehr – oder lediglich zur Reduktion der Kosten für den Leser. Oder liege ich hier um Grössenordnungen daneben?

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