In den USA ist der Verkauf von Musik-CDs in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um 20 Prozent eingebrochen. Das «Wall Street Journal» zitierte gestern dazu einen Vertreter der Branche:
- «Jeff Rabhan, who manages artists and music producers including Jermaine Dupri, Kelis and Elliott Yamin, says CDs have become little more than advertisements for more-lucrative goods like concert tickets and T-shirts. <Sales are so down and so off that, as a manager, I look at a CD as part of the marketing of an artist, more than as an income stream,> says Mr. Rabhan. <It’s the vehicle that drives the tour, the merchandise, building the brand, and that’s it. There’s no money.>»
«Is it possible that the future of the content business is worse than being less profitable and worse even than not scaling anymore — is it possible that content creation will cease to be a business?» fragt sich Blogger Scott Karp, Managing Director bei Atlantic Media, nach der Lektüre dieses Zitats. Und weiter:
- «It seems in recent years that as the music industry goes, so goes the rest of the media industry. Is there reason to believe that other forms of content will suffer the same fate as music? There’s one critical commonality to what the Internet and digitization has done to all content that would support this theory: disaggregation.
[…]
How many CDs have you bought for just one song? How many magazines have you bought just to read one article? How many cable channels do you subscribe to in order to watch just one channel? How many radio stations have you kept on in the car because you heard one song that you liked? How many newspapers have you bought just to read one section?
The media business has always been about selling you content that you don’t really want by stapling it (literally or figuratively) to the content that you do want. The digitization of media on the network has obliterated this model.»
Auch herkömmliche Medienunternehmen tun vermutlich gut daran, dem Bedürfnis der Konsumenten nach Aufschnüren (unbundling) und «Remixen» der Inhaltspakete entgegenzukommen. «El Pais» bietet unter der Bezeichnung «24 horas» zum Beispiel bereits die Möglichkeit an, aus den Inhalten der Website eine individualisierte Zeitung zusammenzustellen und auszudrucken. (Der Londoner «Guardian» und die italienische «La Stampa» haben den Spaniern die dafür benötigte Technologie eben erst abgekauft).
Die «New York Times» will mit «My Times» demnächst (allerdings bereits seit längerem!) ein zumindest zum Teil frei konfigurierbares Angebot lancieren, wo Inhalte Dritter mit den Artikeln der «Times» kombiniert werden können. «Focus Online» hat ein ähnliches Feature angekündigt (s. hier), und die Online-Ausgabe der «Welt» hat bereits erste Schritte in diese Richtung getan (s. hier).
Siehe auch Jack Shafers «SalonSlate»-Artikel: «Chronicle of the Newspaper Death Foretold»
Update: Auch Karl Lüönd fordert in der aktuellen Ausgabe der «Werbewoche» ein «Radikales Umdenken».
Ich kann diese Untergangsfantasien nicht mehr hören. CDs als Teil des Merchandising-Geschäfts? So sprechen nur Menschen (sind das Menschen?), die nur am Gewinn, den die Musik abwirft, interessiert sind. Die Medienbranche wird verschwinden? So reden nur Leute, die Artikel nur als Content betrachten. Wieviele CDs habe ich nur wegen einem Song gekauft? Wenig. Am liebsten kaufe ich nämlich Vinyl-LPs, Die es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte. Es gibt sie aber immer noch. Wer weiss – vielleicht gibt es Zeitungen (und Vinyl-LPs) noch viel länger, als es euch Remix-und-Verwurstungs-Fans gefallen würde.
Eigentlich geht es doch weniger um Untergang als vielmehr um Wandel.
Wandel? Das ist doch alles nix Neues. In meiner Jugendzeit hab ich Songs vom Radio auf Cassette aufgenommen.Das war vor dreissig Jahren. Nachher hab ich aber trotzdem Platten gekauft. Wenn aber auf einer Platte nur ein guter Song drauf ist, dann ist die Platte eben nicht gut genug. Dann kann ich auch auf den einen Song verzichten. Und wie soll ich wissen, ob ich einen Artikel lesen will, bevor ich ihn wenigstens überflogen habe? Nee, ich will weiterhin eine ganze Zeitung. Und zwar auf Papier. Ich will meine Zeitung doch nicht auf A4-Papier ausdrucken. Obwohl, auf den Sportbund könnte ich sehr gut verzichten…
Ich stimme Kommentar 1 voll und ganz zu und möchte noch folgendes anfügen: “So sprechen nur Menschen, die sich nicht WIRKLICH für Musik, Literatur, Filme, Artikel oder sonstige kulturelle Erzeugnisse interessieren”. Wer dies tut, wird dafür immer zu bezahlen bereit sein – aus dem einfachen Grund, dass man SEINE Künstler nicht hinter dem Tresen eines MacDo enden sehen möchte.