Die Schweizer Verleger am Tropf des Staates

    «Die Schweizer Verleger sind bestechliche, geldgierige und korrupte Schmiergeldjäger. Sie haben keine Haltung, keine Ethik und keine Ehre»,

schreibt Kurt W. Zimmermann in der aktuellen Ausgabe der «Weltwoche» (online nicht frei zugänglich).

Zwar ist Zimmermanns Kolumne mit «Heute mal eine kleine Polemik» überschrieben, dafür geht er mit seinen Ex-Kollegen umso härter ins Gericht.


Aufhänger ist der in der vergangenen Woche kommunizierte Entscheid, die Partnerradios des Swiss Radio Pools (meist Verlegerradios) inskünftig von der SRG-Tochter Publisuisse vermarkten zu lassen (Medienmitteilung; PDF). Zimmermann dazu:

    «Es ist entsetzlich, welch jammervolle Rolle die Schweizer Verleger einmal mehr spielen. Einmal mehr verkaufen sie für ein paar lächerliche Millionen ihre Seele. Schweizer Verleger würden auch ihre Grossmutter an den Teufel verschachern, wenn ihnen dafür ein paar Batzen im Kasten klingen würden.

    Unternehmer zu sein, ist eine Haltung. Diese Haltung geht den Medienhäusern völlig ab. Es ist entsetzlich, wie die Verleger mit klebrigen Fingern nach staatlichen Geldern und Geschenken greifen. Sie nennen sich Unternehmer, in Wirklichkeit aber sind sie Kleinkrämer ohne jede unternehmerische Statur, Ethik und Ehre.»

Und dann geht der Ex-Tamedia-Manager zur Auflistung der zahlreichen «staatlichen Geschenke» über :

    «Ringier, NZZ und Basler Zeitung möchten gern nationales Fernsehen machen, schaffen das aber selber nicht. Also lassen sie sich jährlich mit 12 Millionen Franken von der SRG schmieren, produzieren damit Sendungen wie <Standpunkte> und <Café Bâle> und <Cash-TV> und spulen sie auf SF 2 unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. Es ist grausig.

    Mit ihren lokalen TV-Sendern wie M1, Tele Ostschweiz, Tele Züri und Tele Bärn stecken die Verleger seit Jahren in den roten Zahlen. Nun haben sie im neuen Radio- und Fernsehgesetz 28 Millionen Franken pro Jahr herausgeholt, die sie unter sich verteilen und zur Sanierung ihrer Serbelsender verwenden dürfen. Das Schmiergeld stammt wiederum aus dem Gebührentopf der SRG. Es ist grausam.

    16 Millionen Franken haben die Verleger auch für die Lokalradios herausgeholt. Damit können sie nun ihre reichlich erfolglosen Kleinsender wie Radio Munot, Radio Grischa und Radio Ri stärker subventionieren. Selbstverständlich stammt auch dieses Schmiergeld aus dem Gebührentopf der SRG. Es ist grässlich.

    Nur zur Vervollständigung wollen wir kurz anfügen, dass die Verleger 80 Millionen Franken im Jahr vom Staat für verbilligte Zeitungstaxen geschenkt bekommen. Nur zur Vervollständigung wollen wir kurz anfügen, dass die Verleger jedes Jahr 20 Millionen Franken für absurde Strafzölle auf ausländische Druckerzeugnisse geschenkt bekommen. Nur zur Vervollständigung wollen wir kurz anfügen, dass die Verleger eine reduzierte Mehrwertsteuer bezahlen und jährlich gut 160 Millionen Franken vom Staat geschenkt bekommen. Es ist grauenvoll.

    Wenn wir zusammenrechnen, streichen die stolzen Schweizer Verleger rund 320 Millionen Franken pro Jahr an staatlichen Geldern ein. Ohne diese 320 Millionen bliebe ihnen unter dem Strich nicht viel. Freie Marktwirtschaft sagen sie dem.»

Uff!

Zimmerman schliesst seine «Polemik» mit folgendem Vorschlag:

    «Wir [und er meint Kurt W. Zimmermann] halten das für ein zukunftsweisendes Modell und schlagen darum gern den nächsten Schritt vor. Eine Fusion der SRG mit den privaten Medienhäusern ist die logische Folge und deckt sich mit den Intentionen beider Seiten. Neben der Swisscom gibt es dann die ähnlich grosse Swissmediacom.»

Gerne weisen wir den geschätzten Kollegen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass wir dieses Geschäftsmodell bereits vor mehr als einem Jahr vorgeschlagen haben:

Update, 9. März 2007: «persoenlich.com» hat bei Zimmermann nachgehakt.

von Martin Hitz | Kategorie: Sparschwein

1 Bemerkung zu «Die Schweizer Verleger am Tropf des Staates»

  1. Holzwart:

    KWZ ist einfach der falsche, um hier (berechtigterweise) zu polemisieren. er lässt sich sein hobby durch eine beliebige golfberichterstattung finanzieren und verfügt durch nähe und aufträge zu ta-media und köppelwoche wohl nicht über die nötige distanz, was im interview auch zum ausdruck kommt: starke beschuldigung im titel und dann noch stärker abwiegeln und nur noch relativieren.

Bemerkung anbringen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *