Maulbrüter (17)*

Zwei Wochen genau ist es her, eine Ewigkeit also in unserem maulbrütenden Gewerbe. Sich über eine Meldung dieses Alters Gedanken zu machen, legt die Vermutung nahe, dass da eine die Zeit noch mit der Sanduhr misst – dass sie die Sicht- und Lebensverhältnisse in unserem Biotop noch immer nicht begriffen hat.

Ja, doch, die Umstände sind uns bekannt: Die Sicht ist trübe im Lebensraum der Maulbrüter, ganz besonders die Sicht nach vorn. Wer gestern wo was laichte, ist schnuppe. Wer heute den Mund voll nimmt, ist heute Sieger. Unsere Reviere müssen täglich neu markiert werden, Maulbrüter sind Kampffische, prost Mahlzeit.

Dennoch und trotzdem, und weil’s niemand mehr hören will, muss die Geschichte aus dem Tierreich noch einmal erzählt werden: Meyer-Fürst hiess der kleine Fisch, den die grossen, die mit der staatlichen Approbation, an ihrer Angel zappeln sehen wollten (merke: Maulbrüter sind versessen darauf, Menschen zu imitieren). Also: Die Maulbrüter vom Leutschenbach hatten den Köder gesetzt – junges, warmes, leckeres Fleisch. Was uns selber schmeckt, wird gewiss auch der Feind goutieren. Und damit hatte man recht. Fürst Meyer, als Glanzhecht ein Fleischfresser, biss an. Die Beamten-Mäuler hatten, was sie wollten: den Skandal.

So einfach geht das also. Der Zweck heiligt die Mittel. Zumal in einem Gewerbe, wo jeder jeden frisst, die Reviere immer kleiner werden, und die maulbrütenden Haremsmännchen unter Druck stehen. Wird man ihnen verübeln, wenn sie das Maul und den Hals nicht voll genug bekommen? Dass sie sich fürchten, wenn Quoten den Leutschenbach runter gehen und zu aggressiven Mitteln greifen, um dem Abhilfe zu verschaffen?

Man wird es ihnen verübeln, man wird! Und warum? Weil jene, die den fürstlichen Glanzhecht aufs Trockene gezogen haben wollen, nicht irgendwo, in einem anrüchigen privatrechtlichen Brackwasser leben. Sondern in klimatisierten, temperierten und finanzierten Verhältnissen. Tatsächlich, der Fisch stinkt am Kopf zuerst.

Daniele Muscionico ist Journalistin bei der «NZZ» und Trägerin des Zürcher Journalistenpreises 2004.

* Siehe auch «Maulbrüter (1)», «Maulbrüter (2)», «Maulbrüter (3)», «Maulbrüter (4)», «Maulbrüter (5)», «Maulbrüter(6)» , «Maulbrüter(7)», «Maulbrüter(8)», «Maulbrüter(9)», «Maulbrüter(10)», «Maulbrüter(11)», «Maulbrüter (12)», «Maulbrüter (13)», «Maulbrüter (14)», «Maulbrüter (15)» und «Maulbrüter (16)».

von Daniele Muscionico | Kategorie: Mediensatz

2 Bemerkungen zu «Maulbrüter (17)*»

  1. sofa-prolet:

    ääääääääääääääh, worum geht’s? das ist ja noch unverständlich-elitärer als die normal-nzz.

  2. sofa-surfer:

    das muss so sein, sofa-prolet. über die nzz darf man sich nicht in normaler sprache lustig machen, sonst würden die gescholtenen ex-kollegen über einen die nase rümpfen. also bitte, wer schreibt schon so, dass das gemeine volk auch noch drauskommt?

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