Nachrichten von der Partizipationsagentur

Eigentlich sind mehr als genug Zeitungen zum Lesen da. Viel zu viele, man kommt gar nicht mehr zum Bücherlesen. Dabei stapeln sich doch auch die Bücher, die ich lesen möchte. Und trotzdem musste noch eine weitere Zeitung sein, und zwar die «Süddeutsche». Und zwar nicht einfach die Onlinevariante, sondern die gedruckte, zumindest E-papieren. Denn nur dort finde ich das wunderbare Streiflicht, einen einsamen Höhepunkt des deutschsprachigen Kolumnismus.

Und das Schöne an diesem E-Paper: Man kann sich bestätigen lassen, dass diese wunderbare «Süddeutsche» auch für die hinteren Seiten grossartige Schreiberinnen und Schreiber allüberall beschäftigt, den Sportteil inklusive. Eine tägliche, E-papierene Freude.

Und dann stösst man auf der Medienseite noch auf eine kleine, unscheinbare Notiz (online nicht frei zugänglich). Unter dem Titel «Bürger-Agentur» ist da zu lesen, die Nachrichtenagentur Associated Press alias AP wolle

    «bei der Informationsbeschaffung künftig Fotos, Videos und Informationen von sogenannten Bürgerjournalisten nutzen. Redakteure in New York können Inhalte der Seite nowpublic.com auswählen, um die journalistische Arbeit ihrer Kollegen zu ergänzen. Die citizen journalists sollen eine Vergütung erhalten und unter Umständen namentlich genannt werden.»

Jetzt werden auch die Agenturen demokratisiert. Alle Macht den Schreiberräten. Nicht nur beim Blick, wo einst der Leser als Reporter auftrat, sondern auch bei der den harten News verpflichteten Nachrichtenagentur. Die «Redakteure in New York» werden bei der Auswahl noch ein bisschen mehr gefordert sein. Und die Überprüfung der Quellen wird noch ein bisschen schwieriger. Natürlich werden auch heute schon die Nachrichtenagenturen von Menschen betrieben und beliefert, die Böcke schiessen. Aber wenn die Hard News von irgendwoher kommen und niemand im Ernst annehmen darf, dass das alles so genau abgecheckt werden kann, dann haben alte Journi-Säcke wie ich halt trotzdem ein etwas ungutes Gefühl.

Dafür kann man ja weiterhin und umso mehr den Wahrheitsgehalt der Medien hinterfragen und herauszufinden versuchen, wer was warum verbreitet hat. So gesehen ist das Übergreifen des Internet-Jekami auf die Nachrichtenagentur schwer in Ordnung. Amen.

Martin Hauzenberger ist Journalist und Liedermacher.

von Martin Hauzenberger | Kategorie: Mediensatz

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