Ein «Special Editor for Innovation» für die «LA Times»

Unter dem kriegerischen Arbeitstitel «Manhattan Project» (nun wird das Projekt als «Spring Street» bezeichnet) wurde im vergangenen Oktober rund ein Dutzend Journalisten der «Los Angeles Times» damit beauftragt, Lösungen für das in Schwierigkeiten steckende Westküstenblatt zu suchen – unter besonderer Berücksichtigung des Internets, selbstverständlich (s. hier).

Die Arbeitsgruppe ist nun unter anderem zu folgender ernüchternder Erkenntnis gelangt:

    «To put it bluntly, as a news organization, we are not web-savvy. If anything, we are web-stupid.»

Die Online-Redaktion der «LAT» sei mit 18 Mitarbeitern unterbesetzt, die Technologie hoffnungslos veraltet, die Printredaktion viel zu wenig in die Online-Aktivitäten integriert.


Die wirtschaftliche Herausforderung, mit der sich die «LA Times» konfrontiert sieht, illustrierte Chefredaktor James O’Shea in einem Referat vor seiner Belegschaft wie folgt:

    «In 2004, automotive print advertising at the Los Angeles Times totaled $102 million. And what will it be this year? $55 million. That is $47 million gone, unavailable to pay salaries and expenses. We made some of that up online. Online auto classified in 2004 totaled only $7 million. But by 2007, it climbed to $31 million, or $24 million up. But notice what is happening here – we lost $47 million in print and only recovered $24 million online. For every $2 we lost, we are recouping only about $1.»

So sollen denn nun Taten folgen. In einem obligatorischen Crashkurs werden sämtliche Mitarbeiter der Printredaktion so rasch wie möglich in die Geheimnisse des Online-Publishings eingeführt. Die Trennung zwischen Print- und Online-Redaktion werde aufgehoben. O’Shea:

    «Latimes.com will become our primary vehicle for breaking news 24 hours a day. […] We need to enter the newsroom and think about how we are going to break news on the Internet. And then what we are going to do that will be different for the newspaper, which will become an even stronger vehicle for tightly-written context, analysis, interpretation and expertise.»

Ferner soll die Auslandberichterstattung auf der «LAT»-Website künftig prominenter «gefahren» werden, aber auch im «hyperlocal» Bereich will man sich vermehrt an Experimente heranwagen. Ausgebaut werden soll überdies der Veranstaltungskalender, und auch eine Travel-Website will die «LA Times» demnächst lancieren.

Neu geschaffen wurde schliesslich auch die Stelle eines «Special Editors for Innovation», die von Wirtschaftsredaktor Russ Stanton besetzt werden soll. Aus einem internen Memo (via «LA Observed»):

    «Russ’s mission, working with editors and reporters across news and features, is nothing less than the transformation of our newsroom into a 24/7 operation that breaks news all the time online (and mobile, etc.) and publishes in print with the analysis, personality, and utility that only great writers and editors can provide.»

Die Funktionsbezeichnung tönt gut. Aber irgendwie fehlt mir im Profil des Innovators der Technologie-Aspekt, der, ob es einem passt oder nicht, in der Medienbranche eine immer entscheidendere Rolle einnimmt. Wie sagte doch jüngst «Guardian»-Chefin Carolyn McCall (s. hier):

    «Software developers are now just as important as your journalists, an insinuation that would have been mocked only three years ago.»

s. dazu auch
«Ein <New Media Think Tank> für die Schweizer Medien»

von Martin Hitz | Kategorie: Medienschau

Bemerkung anbringen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *