Für Geld bloggen?

Heute hat mich folgende Anfrage erreicht:

    «Ich bin von trigami und wir möchten Blogs auf eine intelligente Art und Weise vermarkten. Und zwar bieten wir bezahlte Berichterstattungen an. Du kannst also das tun, was Du am besten kannst und dabei erst noch Geld verdienen. Wir setzen sehr viel Wert auf hohe Qualität, sowohl auf Seite der Blogger als auch auf Seite der zahlenden Unternehmen.»

Berichterstatten müsste man über die Firma XY:

    «Zu den Fakten:
    1. Für einen Bericht (mind. 150 Wörter) bekommst Du von uns fix 50 CHF ausbezahlt (auf Dein Postkonto oder Bankkonto).
    2. Im Bericht muss mindestens ein Link auf [XY] platziert werden
    3. Der Bericht kann sowohl positives als auch negatives Feedback enthalten (bitte ehrlich sein). Rufschädigung und Verbreitung unwahrer Aussagen ist natürlich nicht erlaubt.
    4. Das Logo kann, muss aber nicht veröffentlicht werden.
    5. Der Bericht muss in irgend einer Art und Weise als „bezahlt“ gekennzeichnet sein und in dieser Kennzeichnung muss ein Link auf www.trigami.com enthalten sein. Beispiel: „(Hinweis: Dieser Bericht wurde gesponsert von www.trigami.com)“
    6. Nach Erteilung des definitiven Auftrags (via separetem E-Mail) hast Du 48 Stunden Zeit den Bericht zu schreiben und zu veröffentlichen. Bitte schick mir danach den Link zum Artikel.»

«Pay per post», wird dieses Vorgehen auch genannt. Und es tönt ja irgendwie verlockend – und ist zudem weit weniger verlogen als Manches, was man in Lifestyle-, Tourismus-, Auto- und anderen Beilagen «seriöser» Medien vorgesetzt bekommt. Und 50 Franken für 150 Wörter? Das ist mehr als man als freier Journi im besten Fall erwarten kann.

Dennoch werde ich das Trigami-Angebot vorerst ausschlagen. «Call me old fashioned», pflegte Dame Edna jeweils zu sagen. Aber man hat ja auch noch seinen Stolz!

von Martin Hitz | Kategorie: Sparschwein

7 Bemerkungen zu «Für Geld bloggen?»

  1. Vermarktung von Blogs ist doch heute gang und gäbe (siehe Google-Ads oder das Konzept von „swissblogpress“). Ist der Schritt zu bezahlten Beiträgen noch so gross? Am Ende geht’s doch nur ums Geld, auch wenn die zweite Variante gefühlsmässig mehr irritiert.

  2. CARP:

    Ja, der Schritt ist noch gross. Denn bei Adwords oder Bannern steht die Werbung neben dem Text. Wenn der Text dagegen Werbung ist, darf sich der Blogbetreiber «Yet another $5 whore» in den Titel schreiben.

  3. Pingback: Der LeuMund.ch

  4. Lieber CARP

    > Denn bei Adwords oder Bannern steht die
    > Werbung neben dem Text.

    Dies ist natürlich ein berechtigter Einwand. Die Vermischung von Inhalt und Werbung ist grundsätzlich sehr problematisch, da stimme ich Dir zu. Das Problem bei Bannern ist aber, dass sie in vielen Fällen zu weit vom Text (also der Aufmerksamkeit) weg sind und deshalb nicht oder nur sehr wenig beachtet werden. Auf meinem Blog habe ich 3000 Leser pro Monat und auf die kontextspezifischen Banner klickten gerade mal 10 Leute pro Monat. Da macht es für mich mehr Sinn, auf Banner komplett zu verzichten als meine User damit zu stören.

    > «Yet another $5 whore»

    Was aber, wenn gute Blogger hundert oder sogar mehrere hundert Franken pro Beitrag verdienen können und die bezahlten Beiträge wirklich qualitativ hochwertiger und nützlicher Content sind?

    Remo Uherek
    Mitgründer von trigami

  5. „Was aber, wenn gute Blogger hundert oder sogar mehrere hundert Franken pro Beitrag verdienen können und die bezahlten Beiträge wirklich qualitativ hochwertiger und nützlicher Content sind?“

    Autsch, das verlangt doch geradezu nach der üblichen Antwort: Dann sind wir immer noch Huren. Luxushuren :-).

  6. Also ich finde an dieser Vorgangsweise nichts Negatives, denn aus den klassischen Medien kenne ich eine ähnliche Vorgangsweise. Remo Uherek verhält sich korrekt und verlangt nicht einmal ein „Schönschreiben“ des Artikels sondern bezahlt faktisch für einen Link. Das ist durchaus legitim.

  7. Viele Geeks finden „das Geldverdienen“ fast verdächtig und es haftet irgendwie etwas Negatives an diesem Begriff. Klar wäre es schön, wenn man genügend Zeit, Musse und Kohle hat um einfach bloggen zu können, aber wenn zumindest die Serverkosten wieder reinkommen würden, wäre ich schon nicht ganz unfroh.

    Trigami verlangt eine klare Kennzeichnung. Es kommen anscheinend teilweise schöne Beiträge raus und sonst überliest mans halt..?

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