Mehr Selbstreflexion statt SRG-Bashing!

In seiner sonntäglichen Kolumne ärgert sich Ringier-Überpublizist Frank A. Meyer über das SRG-Bashing seiner Printkollegen (auch aus dem eigenen Haus?), bei denen hämische Freude über die nur 2,5-prozentige Erhöhung der Empfangsgebühren für Radio und Fernsehen herrsche.

Meyer empfiehlt den SRG-Kritikern etwas mehr Selbstreflexion:

    «Wer der SRG schlechte Qualität vorwirft, muss sich nach der eigenen Qualität fragen lassen: Sind unsere Tages- und Wochenzeitungen denn journalistisch so viel besser gemacht als die Programme der SRG? […]

    Wer der SRG den Abbau journalistischer Standards vorwirft, muss sich nach der eigenen redaktionellen Ausstattung fragen lassen: Werden nicht Zeitungskorrespondenten noch und noch abgebaut, um Kosten zu senken? Gelten Zeitungsjournalisten nicht längst vor allem als Kostenfaktor, denen allmächtige Controller am liebsten täglich zu Leibe rücken? Welche Zeitungshäuser leisten sich noch hartnäckige Rechercheure, wilde Reporter, grosse Schreiber, provokative Analytiker, geniale Fotografen? […]

    Wer der SRG hohe Kosten vorwirft, muss sich nach dem eigenen Budget fragen lassen: Verteidigen die Zeitungsredaktionen nicht zu Recht jeden Franken mit Zähnen und Klauen, weil sie wissen, dass billiger Journalismus immer auf billigen Journalismus hinausläuft? Welche Redaktion möchte vorgerechnet bekommen, dass sich ihre Arbeit auch mit dem Budget einer Gratiszeitung machen liesse? […]

    Wer der SRG Quotenfetischismus vorwirft, muss sich nach seiner Auflagenhörigkeit fragen lassen: Sind den Presseunternehmen nicht Marketingmassnahmen längst wichtiger als die Steigerung der journalistischen Qualität? Werden Zeitungen nicht mehr und mehr im Windkanal gestaltet, nach den Wünschen von Leser-Focus-Gruppen und Werbekunden?»

von Martin Hitz

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