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1. Oktober 2006

Medienschau

Bürgerpaparazzi

5000 Euro hat die «Bild»-Zeitung einem Amateurfotografen für dieses doch ziemlich bescheidene Papstbild bezahlt. «Das Geschäft mit Hobby-Journalisten boomt», schreibt denn auch Rainer Stadler in der Medienbeilage der «NZZ» vom letzten Freitag. Und Stadler ist besorgt:

    «Der Trend ist jedoch ebenso sehr gefährlich. Die Animation zum Hobby-Journalismus erzeugt beim Publikum neue Einstellungen und Erwartungen. Die Hoffnung auf eine Viertelstunde journalistischer Berühmtheit animiert dazu, sich als Spitzel und Voyeur zu betätigen. Umgekehrt dürfte die Furcht zunehmen, selber zum Medienopfer zu werden. Je mehr Kameras und leistungsfähige Kamera-Mobiltelefone in Umlauf sind, desto öfter kann jeder in den Fokus geraten. Nicht der Staat, sondern der Markt erzeugt nun den Big Brother, der alles sieht.»

Stadlers Sorge dürfte nicht ganz unbegründet sein. So wusste die NDR-Sendung «Zapp» in der vergangenen Woche zu berichten, dass Mitglieder von freiwilligen Feuerwehren und Rettungsdiensten als erstes mitunter nicht mehr zum Schlauch oder zur Rettungsbahre, sondern zur Handykamera greifen.

Auch die ersten Bilder vom Transrapid-Unglück sollen übrigens von einer «<Bild>-Leser-Reporterin» geknipst und vom deutschen Boulevardblatt an andere Medien und Agenturen verkauft worden sein. Gut möglich, dass sich die Amateurfotografin dabei absolut korrekt verhalten hat. Weniger korrekt war aber offenbar das Benehmen einiger professioneller Journalisten. Diese sollen sich laut «Zapp» nämlich als Rettungskräfte getarnt haben, «um besonders nah dran zu sein». Gefahr droht also nicht nur von Laien, sondern auch aus den eigenen Reihen!

Bemerkungen

Wenn ich das richtig verstanden habe, steigt jetzt auch 20Minuten auf den LeserReporter-Zug auf.

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