Die Rentenklaue

Die Schweiz hat eine neue Passion: die Pension. Seit Jahren oder Jahrzehnten liefern wir zwar brav unsere Prozente ab und hoffen auf einen flotten Geldsegen im Alter. Und gelegentlich schickt man uns irgendwelche – für Fachleute bestimmt ausserordentlich aussagekräftige – Berichte und Statistiken, aber ehrlicherweise müssen wir zugeben, dass wir diese nie wirklich kapierten und sie jeweils direkt auf die zweite Säule legten: auf die Zeitungssäule für die nächste Papiersammlung.

Ältere Jahrgänge wie der Schreibende haben dank der Institution der Pensionskasse schon früh mit dem Thema «Rentenklau» Bekanntschaft gemacht, lange bevor der Begriff in Mode kam. Bis vor rund zehn Jahren war es nämlich höchst unklug, das Stellenangebot eines anderen Medienunternehmens anzunehmen, weil das zu verlassende Haus in diesem Fall seinen Arbeitgeberbeitrag an die Kasse schlicht in die eigene Tasche steckte. Selbst wenn man später wieder zum selben Arbeitgeber zurückwechselte, rückte er diese Kohle nicht mehr heraus.

Diskretion war die Haupteigenschaft der Verwalter – und zwar vor allem Diskretion gegenüber den eigenen Versicherten.

Jetzt machen die Kassen rund um Swissfirst und First Swiss plötzlich richtig fette, indiskrete, öffentliche Schlagzeilen. Und sie sehen sich von Schlagworten umzingelt, als Zielscheibe von ungerechtfertigten Kampagnen. Aber was sie denn genau mit unserem Geld tun, das wollen sie uns immer noch nicht sagen. Vielleicht begreifen sie in irgendeiner fernen Zukunft, dass uns ihre Heimlichkeit unheimlich ist.

Sie predigen unermüdlich den freien Markt und begreifen nicht so recht, dass es den auch für die Journalisten gibt, die ihren Geschichten nachspüren. Jetzt wird wacker spekuliert, ob man den flotten Anstieg der Swissfirst-Aktie habe voraussehen können oder nicht. Dabei war von «Swiss first» gar nie wirklich die Rede. Es ging da eigentlich immer um «Me first».

Martin Hauzenberger ist Journalist und Liedermacher.

von Martin Hauzenberger | Kategorie: Mediensatz

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