Von Spin Doctors und Maulwürfen

Zu den Aufgaben eines Spin Doctors gehört es, seinen Auftraggeber im besten Licht erscheinen zu lassen und dessen Gegner in Grund und Boden zu stampfen. Nicht unbedingt «amächelig», aber legitim. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt der gewiefte Kommunikationsberater alle Mittel ein – auch Journalisten. Ebenfalls nicht unbedingt die feine Art, aus der Warte des Consultants aber dennoch legitim. Problematischer wird es, wenn der Objektivität verpflichtete Journalisten neben ihrer regulären Tätigkeit auch noch im Sold eines Spin Doctors stehen.

Eher Haarsträubendes hat in diesem Zusammenhang die «Weltwoche» in einem Porträt von Sacha Wigdorovits zu berichten (Artikel online nicht frei zugänglich). Zu den Kunden des in allen Gassen und (Medien-)Kanälen dampfende Krisen-, Kommunikations- und Medienberaters gehört auch Investor Rumen Hranov, seines Zeichens Hauptkontrahent von Swissfirst-Gründer Thomas Matter.

Mit besonders «harten Recherchen» und mit immer wieder neuen Details hat sich im Fall Swissfirst die «NZZ am Sonntag» besonders hervorgetan. Und ein Wirtschaftsjournalist eben dieser «NZZ am Sonntag» steht laut «Weltwoche» in den Diensten von Wigdorovits’ Contract Media AG. Zwar hat sich dieser Journalist nicht, wie Urs P(olterer) Engeler im Artikel insinuiert, mit Swissfirst-Enthüllungen profiliert. Dies tat eine Kollegin. Einem seriösen Blatt stehen derartig Interessenverquickungen aber dennoch äusserst schlecht an.

Besonders befremdlich mutet in diesem Zusammenhang die in der «Weltwoche» zitierte Erklärung von «NZZ am Sonntag»-Redaktionsleiter Felix E. Müller an:

    «Felix E. Müller, Chefredaktor der NZZ am Sonntag, betont, Strohm habe ein 70-Prozent-Pensum inne und dürfe daneben <unbedenkliche> Mandate wahrnehmen. Entscheidend sei, dass er als Journalist nie in die Interessen Wigdorovits’ oder der Contract verstrickt sei: <Diese Ausstandsregel hat er meiner Meinung nach absolut eingehalten.>»

Finden auf der Redaktion der «NZZ am Sonntag» denn keine Diskussionen oder Gespräche statt? Und falls vielleicht doch, kann ein «zweigepolter» Wirtschaftsjournalist dann immer gleich klar zwischen seinen Geldgebern unterscheiden? Wer’s glaubt, wird selig!

Aber nicht nur die «NZZ am Sonntag», auch das Schweizer Fernsehen bekommt im «Weltwoche»-Artikel einiges ab. Denn wo Wigdorovits drauf steht, ist für Engeler auch Deltenre drin. Gemauschel habe es u.a. im Zusammenhang mit der Sendung «Traumjob» gegeben, und auch die SF-Newssendungen seien vor des Spin Doctors Einflussnahme nicht gefeit. So etwa, wenn in «10 vor 10» eine im Hause Wigdorovits erstellte Studie zum Partnervermitter Parship in epischer Länge vorgestellt werde.

Ganz nebenbei nutzt die «Weltwoche» ihren Rundumschlag übrigens auch um «klarzustellen», dass Swissfirst bei der Finanzierung von Roger Köppels Übernahme des Wochenblatts keine Rolle gespielt habe. Betätigt sich Engeler hier am Ende auch nur als kleines Spin Dökterli?

Disclosure: Der Schreibende ist zurzeit als Berater für Schweizer Fernsehen tätig.

von Martin Hitz

2 Bemerkungen zu «Von Spin Doctors und Maulwürfen»

  1. einfach immer wieder toll deine zusammenstellungen… danke.

  2. Bobby California:

    Es war ja zu erwarten, dass die Weltwoche nicht im Geschäftsgebaren der Swissfirst ein Problem sieht, sondern in der Berichterstattung darüber. Geschäftliche Beziehungen zwischen dieser Bank und der Weltwoche hat es selbstverständlich nie gegeben!

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