Köppeliade

Die grosse Glocke hat ihren Köppel wieder. Der helvetische Chefredaktorenstar mit ewigem Jugendbonus ist der Schweizer Medienszene wiedergeschenkt worden und wird bald tüchtig Lärm machen. Die Inszenierung von Roger Köppels Schweizer Comeback zeigt in wunderbarer Deutlichkeit, wie flink in dieser Branche entschieden wird. Anfang Woche erklärte der Mann von «Welt» in einem sommerlichen Gespräch auf TeleZüri noch, es gebe in den Schweizer Medien nichts, was ihn aus Berlin weglocken könnte. Und am Freitag war er plötzlich da und hatte die «Weltwoche» bereits gekauft.

Man stelle sich mal vor, wie flott das ablief: in drei oder vier Tagen alle Verträge ausgehandelt und unterschrieben, die nötigen Bankkredite beschafft und gleich noch einen Nachfolger an der «Welt»-Spitze gefunden. Und weil wir ja wissen, dass Journalisten und ganz besonders Chefredaktoren niemals lügen, glauben wir auch voller Rührung, dass Rogers Sparstrumpf und die lieben Banken tatsächlich all die Kohle locker gemacht haben. Selig sind, die trotzdem glauben.

Jetzt muss der «Welt»-läufige Hauptmann von Köppelick also seine Wohnung in Berlin wieder verlassen. Die wirkte schon eher wie eine Residenz und so weitläufig, dass beim televisionären Augenschein der Eindruck zurückblieb, es gebe dort mehr Zimmer als Möbelstücke. Jetzt wird die «Weltwoche»-Redaktion personell neu möbliert und zum zweiten Mal auf Vordermann gebracht. Höchste Zeit, dass wieder der am Chefpult sitzt, der abweichende Artikel mit einem flott umgeschriebenen Lead zurück auf Linie bringt. Im internationalen Funk-Kommunikationswesen bedeutet «Roger» etwa so viel wie «Verstanden, antworten», auf Köppelianisch dagegen «Verstanden, marsch!»

Sein Pech, dass der Neu-Verleger in Zukunft seine Spesenrechnungen aus Zürichs edlen Speiselokalen und die grosszügig bemessenen Auslagen bei der Redaktionsführung selbst begleichen muss. Mal sehen, was sein Privatvermögen und die Geldinstitute dafür so hergeben. Doch zuerst müssen mal die Leute vom Abonnementverkauf umerzogen werden. Die versuchten offenbar in letzter Zeit die «Weltwoche» auch mit dem Hinweis an die Kundschaft zu bringen, das Blatt sei «gar nicht mehr so rechts». Dem musste dringend abgeholfen werden.

Martin Hauzenberger ist Journalist und Liedermacher.

von Martin Hauzenberger | Kategorie: Mediensatz

1 Bemerkung zu «Köppeliade»

  1. Bennet:

    «Gar nicht mehr so rechts» ist eine nette Umschreibung. Als ich vor längerer Zeit bei der telefonischen Kündigung meine Gründe aufführte (und das dauerte mehr als einige Minuten), gab mir der Herr vom Aboverkauf in allen Punkten recht. D. h.
    – Engeler als Quengeler ohne Ende
    – SVP-Hechelei als fehlgeschlagenes Abo-Werbeprogramm
    – Köppels «new journalism» als publizistischer Rohrkrepierer
    – Kolumnitis als Ärgernis
    – Weltwoche als runtergehurte ehemalige Qualitätszeitung
    Noch nie machte das Abbestellen einer Zeitung so viel Freude :-)
    Seit Köppel unter seiner Matratze die paar Millionen gefunden hat, ist mir das Lachen allerdings vergangen.

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