Die SRG und Multimedia und so

In der vergangenen Woche durfte Radiodirektor Walter Rüegg in der «NZZ»-Medienbeilage ausführlich von der «Genfer Wellenkonferenz» und den Zukunftsplänen von Radio DRS berichten (s. hier). In der aktuellen «NZZ» kann SRG-Generaldirektor Armin Walpen an gleicher Stelle auf nahezu einer ganzen Seite das Hohelied des Sevice public im Zeitalter der digitalen Revolution singen. Und womit befasst sich der heutige «Stadler-Corner»?

Mit dem «SRG-Politmarketing», das laut «ras.» immer dann besonders aktiv betrieben wird, wenn der öffentlich-rechtlichen Anstalt schlechtere Rahmenbedingungen drohen wie dies etwa im Rahmen der laufenden Anhörung zum Entwurf für eine neue Radio- und Fernsehverordnung der Fall ist, der eine Verschärfung der Werbe- und Sponsoringbestimmungen für die SRG vorsieht.

Wie zur Bestätigung von Stadlers These weist Walpen in seinem langen Artikel denn auch immer wieder marketinggerecht auf die Funktionen der «privaten und staatsfernen SRG SSR idée suisse mit dem öffentlichen Auftrag» hin: Meinungsbildung, kulturelle Entfaltung, Bildung und Unterhaltung.

Eigentliches Thema von Walpens Text ist aber der von der zunehmenden Digitalisierung angetriebene Wandel im Mediensektor, der «in seiner Raschheit und Radikalität» erstaune und schockiere.

Der Generaldirektor bringt es fertig, das Wort «Internet» im langen Text kein einziges Mal zu erwähnen. Aber das World Wide Web gehört ja schliesslich auch den Verlegern (s. dazu hier). Viel ist dafür von «Multimedia» die Rede:

    «Dass die Programme der SRG und Multimedia einander ergänzen, kommt somit der Umsetzung demokratischer Werte zugute.»
    «Multimedia fördert die Bildung virtueller Gemeinschaften, die in Verbindung mit Sendungen entstehen.»
    «Durch Zugänglichmachen der Archive der Service-public-Veranstalter fördert Multimedia eine weitere Art der Inhaltsvermittlung.»

Und mein Lieblingssatz:

    «Multimedia beruht auf der Idee eines uneingeschränkten und allgemeinen Angebots.»

Der Multimedia, die Multimedia, das Multimedia?

Walpen unterlässt es aber nicht, die Verleger zur Zusammenarbeit mit der SRG aufzurufen:

    «Wir sollten die <Schlachten> der Vergangenheit nicht erneut schlagen! Im Interesse aller Beteiligten muss Zusammenarbeit zwischen Verlegern und audiovisuellem Service public das Ziel sein. Es braucht eine erfindungsreiche, effiziente und an den heutigen Gegebenheiten orientierte Partnerschaft zwischen Akteuren, die seit geraumer Zeit über ein anerkanntes Know-how verfügen. Wir sind zu einer solchen Partnerschaft bereit.»

Der SRG-Generaldirektor schränkt aber ein:

    «Dass dazu die Rollen beider Seiten geklärt werden müssen, steht ausser Zweifel. Dies darf jedoch nicht zu Verboten führen, die es der SRG verunmöglichen, sich auf neue Konsumgewohnheiten einzustellen und ihre Angebote wenigstens teilweise über den Markt zu finanzieren.»

Nun ist der Ball wieder bei Lebrument.

Disclosure: Der Schreibende ist zurzeit als Berater für ein SRG-Tochterunternehmen tätig.

von Martin Hitz

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