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21. Mai 2006

Medienschau

Hofberichterstattung (Max A. Meyer)

«Die Rede war vergleichbar mit dem Auftritt von Max Frisch am SPD-Parteitag in Hamburg 1977», wird Hans Thomas Leif, Vorsitzender der deutschen Journalistenorganisation «Netzwerk Recherche», im heutigen «SonntagsBlick» zitiert (Artikel online nicht frei zugänglich). Die Rede ist von einer Rede, die Ringier-Chefpublizist Frank A. Meyer an der Jahrestagung der Vereinigung gehalten hat.

Sich mit dem Chef gutzustellen kann nie schaden, scheint man sich beim «SonntagsBlick» gesagt zu haben. Wobei: Etwas unwohl hat man sich offenbar doch gefühlt. Der für das Boulevardblatt doch eher lange Artikel zu Meyers «Glanzauftritt» ist nicht gezeichnet.

Übrigens: Auch die Online-Redaktion des «SonntagsBlicks» scheint von Meyer nicht genug kriegen zu können, wie Figura" (jpeg, 64KB) zeigt.

Bemerkungen

Also, wenn die tatsächlich "Hans Leif" geschrieben haben, dann haben die ganze andere Probleme .... worum ging's nochmal bei der Tagung... Recherche?!

Danke für den Hinweis. Mein Fehler.
Thomas heisst der Herr Leif natürlich - auch beim «SonntagsBlick». Wie ich auf Hans gekommen bin, ist mir ein Rätsel.

guenter_hack:

Von wegen "Figura": Netter kleiner Versuch einer Polemik. Aber wenn man in unserem System das Unterverzeichnis eines Kolumnisten anwählt, können natürlich nur die Artikel dieses Kolumnisten in der Übersicht erscheinen. Also: Wenn schon untergriffig, dann bitte mit etwas mehr Schwung.

Das ist mir natürlich schon klar. Ich habe mich eigentlich nur über die vielen Föteli amüsiert.

guenter_hack:

In der Tat. Die Kiste würde Andy Warhol glatt arbeitslos machen.

Shandokan:

@ guenter_hack

Figura hin, Figura her: Was ist mit dem kritisierten Inhalt des Artikels?

guenter_hack:

Was soll ich dazu sagen? Sie haben sicher bereits eine Meinung dazu. Fällt mir nur auf, dass Meyer-Bashing so eine Art Hobby der hiesigen Meta-Journalisten zu sein scheint. Interessiert mich nicht so sehr.

Shandokan:

Meyer-Bashing? Ich bitte Sie. Im Post von Herrn Hitz wird die berechtigte Frage aufgeworfen, in welchem Masse ein Medium über die Aktivitäten der eigenen Führungsriege berichten soll. Im genannten Fall geschah dies meiner Meinung nach in einem frappierend liebedienerischem Ton.

Das sollte Sie schon interessieren - als SonntagsBlick-Journalist wie als Blogger.

Veröffentlichung durch „Otto den F(r)iesen:

Methode Meyer

von Christioph Mörgeli, Weltwoche Nr. 21, 2006-05-25

Jeder pflegt sein Hobby. Darunter finden sich Klassiker wie Sport treiben oder musizieren Manche mögen es ausgefallener und springen an Gummiseilen in die Tiefe. Noch einmal anders der Ringier-Publizist Frank A. Meyer; laut einem Porträt von Martin Beglinger ging Meyer früher einer etwas seltsamen Freizeitbeschäftigung nach: „Er kaufte Schallplatten von Hitler-Reden und lernte diese auswendig.“ Auswendig lernen heisst immer auch ein Stück weit verinnerlichen. Oder wie es die Franzosen ausdrücken: apprendre par coeur – mit dem Herzen lernen. Von Herzen hasst Meyer seither Manager, die er gerne als „Harvardbürschchen“ und „neue Fürsten“ beschimpft. Das sei ihm unbenommen. Nur steigen in seinem Zorn offenbar die alten Dämpfe wieder hoch, wenn er schreibt: „Die globalisierten Manager schlagen keine Wurzeln. Sie herrschen nicht über eigenen Besitz wie die Patrons (…). Sie sind nur am Rande mit der Gesellschaft und deren Staat verbunden.“ Wurzellos, ausserhalb der Gesellschaft, geldgierig, kein produktives Eigentum – das sind alles antisemitische Stereotype. Die Nationalsozialisten kannten keine „globalisierten Manager“, aber das „globalisierte Judentum“, das sie als „Weltjudentum“ beschworen. Ich habe Meyer vorgeworfen, er scheue sich nicht, seinen Antikapitalismus mit judenfeindlichen Bildern anzureichern. Dafür hat mich der Sonntagsblick-Kolumnist verklagt. Dabei gehört es zur Methode Meyer, seine Gegner mit Nazistischem Vokabular zu verleumden. Christoph Blocher bezeichnete er als „Führer der Bewegung“, „SVP-Führer“ und „Zürcher Führer“. Die SVP als „radikale rechte Führerpartei“ mit „Führerprinzip“, mich als „Propagandaminister“, den Bundesratsanspruch der SVP als „Marsch auf Bern“ – in Anlehnung an den faschistischen „Marsch auf Rom“ von Oktober 1922. Wenn Meyer vor der „Machtergreifung“ durch Manager warnt, greift er in die Nazi-Wortkiste für den 30. Januar 1933. Nun fordert Meyer eine Genugtuungssumme von 10'000 Franken. Ausserdem Soll meine Kolumne (Ausgabe Nr. 14.06) aus allen Datenbanken gelöscht werden. Bleibt das Problem der gedruckten Ausgaben. Will der antifaschistische Klassenkämpfer Meyer alle Exemplare aus Bibliotheken und Archiven räumen, einen Holzstoss entfachen und die Sammlung in die flammen werfen mit den Worten „Ich übergebe dem Feuer…“?

Kommentar von Otto dem F(r)iesen: Man mag politisch noch so weit von der SVP entfernt sein, aber die Recherche von Prof. Ch. Mörgeli ist präzise und belegt. Da fragt sich der geneigte Leser schon, warum sich Herr Ringier die braune Sprachschleuder Frank A. Meyer weiterhin leistet. Die offensichtliche Nibelungentreue von Herrn Ringier gegenüber Frank A. Meyer lässt die Affäre Borer - in Anbetracht der jüngsten Recherchen von Prof. Ch. Mörgeli - in einem neuen, noch diffuseren Licht erscheinen. Aber dank „Otto dem F(r)iesen“ können sich nun die SonntagsBlick-Leser ein ausgewogenes (Web-)Bild machen…..

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